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Forchheim
Kommunalwahl

Forchheims OB-Kandidaten im Check: Nächste Runde im Ringen um die Kultur

Wie stellen sich die Oberbürgerrmeisterkandidaten Uwe Kirschstein (SPD), Annette Prechtel (Grüne) und Udo Schönfelder (CSU) die Zukunft der Stadt Forchheim konkret vor? Der FT fragt nach: Heute geht es um das Thema Kultur.
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Tanzen sie oder ringen sie miteinander? Dieses Foto, das beim Zirkart-Festival  entstand,       wirkt wie ein Symbolbild der Forchheimer Kulturpolitik. Archivfoto: Josef Hofbauer
Tanzen sie oder ringen sie miteinander? Dieses Foto, das beim Zirkart-Festival entstand, wirkt wie ein Symbolbild der Forchheimer Kulturpolitik. Archivfoto: Josef Hofbauer
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In einer sechsteiligen Serie widmet sich der Fränkische Tag den drei Bewerbern ums OB-Amt von heute an genauer. In Form von Mini-Interviews erklären Uwe Kirschstein (SPD), Annette Prechtel (Grüne) und Udo Schönfelder (CSU) ihre Positionen zu konkreten Fragen, eingebettet in sechs verschiedene Themenbereiche (alle weiteren Themen zum Nachlesen finden Sie hier: Persönliches, Wohnen, Verkehr, Umwelt, Wirtschaft).

Heute geht es um das Thema Kultur:

Uwe Kirschstein (SPD): Kulturentwicklungsplan zeigt den Weg

Kolpinghaus: Generalsanieren oder Stück für Stück?

Das Kolpinghaus muss erstmals eine vernünftige und zulässige Veranstaltungsstätte werden. Brandschutz, Toiletten, barrierefreier Zugang, Fluchtwege und Ausstattung an Veranstaltungstechnik. Das kommt alles 2020. Die Aufträge sind erteilt. 800 000 Euro stehen hierfür bereit. Zeitgleich wollen wir uns über die Zeit danach einigen. Hierzu wünsche ich mir einen Realisierungswettbewerb - denn wir haben damit beim Paradeplatz beste Erfahrungen gemacht. Eine Generalsanierung kann aber erst stattfinden, wenn wir mindestens einen Raum als Ersatz haben. Das zum "Haus der Begegnung" umgebaute und generalsanierte Rathaus kann dies sein.

Braucht Forchheim künftig eine eigene Mehrzweckhalle? Wofür?

Ja, für Veranstaltungen deutlich jenseits der 400 Personen. Das ist vielleicht keine Aufgabe für die nächsten Jahre, aber die dafür notwendige Fläche müssen wir heute bereits vordenken, damit sie nicht anderweitig bebaut wird. Dasselbe gilt übrigens auch für ein Open-Air-Gelände.

Der Wunsch nach Musikveranstaltungen im Kellerwald ist groß: Wie würden Sie sich dafür einsetzen?

Hier gibt es keinerlei Beschränkungen. Die Stadt begleitet die Wünsche wie bisher stets positiv.

Angebote sind Mangelware: Wie wollen Sie die Jugend dazu bewegen, in Forchheim zu bleiben?

Angebote gibt es bereits vielfältig. Die freie Kulturszene ist extrem lebendig. Diese wollen wir weiter unterstützen. Ein künftiges Kulturzentrum wird mit Sicherheit z.B. auch Proberäume für Bands haben. Der Platz wäre da.

Welches Thema würden Sie überdies als allerstes angehen wollen?

Der erste Forchheimer Kulturentwicklungsplan, den wir im Juli 2019 beschlossen haben, zeigt den Weg. Ein Thema ist das Kulturamt. Das kommt. Damit schaffen wir eine gute Basis für viele weitere Maßnahmen.

Annette Prechtel (Grüne): Kultur braucht Raum

Kolpinghaus: Generalsanieren oder Stück für Stück?

Das Kolpinghaus braucht dringend eine Ertüchtigung - was Technik, Toiletten und Barrierefreiheit angeht - damit es möglichst schnell wieder als Spielstätte und Veranstaltungsraum für unsere Kulturschaffenden zur Verfügung steht. Gleichzeitig muss endlich ambitioniert mit der Planung für die Generalsanierung und den Umbau zum Kulturzentrum begonnen werden. Erst nach der Generalsanierung des Kolpinghauses steht der Stadt ein Kulturzentrum mit Charme, nahe an der Innenstadt und mit etwa 650 Plätzen zur Verfügung.

Braucht Forchheim künftig eine eigene Mehrzweckhalle? Wofür?

Wenn überhaupt, braucht Forchheim in Zukunft eine moderne Stadthalle als Veranstaltungshalle. Diesen Bedarf können wir erst nach der Generalsanierung und Bespielung des Kulturzentrums Kolpinghaus ernsthaft und sinnvoll definieren.

Der Wunsch nach Musikveranstaltungen im Kellerwald ist groß: Wie würden Sie sich dafür einsetzen?

Wir brauchen eine Kellerwald-Konferenz mit den Wirten, Anwohnern, Kulturschaffenden, den Experten aus der Verwaltung und dem Stadtrat, um alle Interessen offen anzusprechen und für einen fairen Umgang zu sorgen. Konzerte soll es weiterhin im Kellerwald geben, aber so, dass es für die Anwohner erträglich ist und auch für diejenigen noch schön, die einfach in Ruhe `nauf die Keller gehen wollen.

Angebote sind Mangelware: Wie wollen Sie die Jugend dazu bewegen, in Forchheim zu bleiben?

Durch eigene Räume u.a. im Kolpinghaus, ein Jugendcafé, attraktive Veranstaltungen und Förderung der Jugendarbeit.

Welches Thema würden Sie überdies als allerstes angehen wollen?

Das Kulturreferat muss endlich mit Leben gefüllt werden - sprich mit geeignetem Personal. Dann kann es der Motor für die Kultur werden, auf den wir alle schon so lange warten!

Udo Schönfelder (CSU): Fördermittel erhöhen

Kolpinghaus: Generalsanieren oder Stück für Stück?

Wir haben unter der aktuellen Regieführung vier Jahre verloren! Beides ist nun erforderlich: Zunächst provisorische Maßnahmen zwecks baldmöglicher Bespielbarkeit und unmittelbar auch die Weiterführung der Planung einer Generalsanierung und im Anschluss deren Realisierung.

Braucht Forchheim künftig eine eigene Mehrzweckhalle? Wofür?

Mittelfristig möglicherweise, nicht aber anstatt des Kulturzentrums Kolpinghaus. Der Zweck könnte dann eher im sportlichen Bereich liegen. Ich favorisiere ggf. eine Kooperation mit dem Landkreis: Neubau einer Mehrzweckhalle am Standort der bisherigen Herder-Sporthalle.

Der Wunsch nach Musikveranstaltungen im Kellerwald ist groß: Wie würden Sie sich dafür einsetzen?

Zusammensetzen mit allen Beteiligten und Betroffenen, Ausloten des Sinnvollen, Umsetzen und ggf. Nachjustieren.

Angebote sind Mangelware: Wie wollen Sie die Jugend dazu bewegen, in Forchheim zu bleiben?

Sie meinen sicherlich nicht die vielfältigen und attraktiven Angebote unserer Vereine oder auch städtischer oder kirchlicher Jugendtreffs. Nachholbedarf gibt es hinsichtlich räumlicher Angebote, so was wie das Mosom sollte wieder da sein. Daneben brauchen wir attraktive Einrichtungen wie eine modernere Skaterbahn auf der Sportinsel, wie die Jungen Bürger das beantragt haben, oder Vergleichbares auf der Schleuseninsel und in den Stadtteilen. Wichtig ist auch für (ältere) Jugendliche und Junggebliebene ein neues Open Air-Gelände.

Welches Thema würden Sie überdies als allerstes angehen wollen?

Erhöhung der Fördermittel für die Arbeitsgemeinschaft der Jugend Forchheim (AGJF) von 35 000 auf 50 000 Euro. Hier profitieren (rechnerisch) etwa 7000 Jugendliche innerhalb circa 70 Vereinen und Organisationen mit Jugendarbeit.

Kommentar von Ekkehard Roepert, FT-Redaktion Forchheim Das Schlagwort von der "Forchheimer Kulturwüste" war vor drei Jahrzehnten in aller Munde. Es ist zu Recht vergessen. Was seitdem an Kulturvielfalt entstand, ist beeindruckend, zum Teil, denkt man etwa an das Zirkart-Festival, sogar atemberaubend. Aus der Wüste wurde eine blühende Landschaft, die aber leider von junglehaften Auswüchsen bedroht ist. Denn der Kulturentwicklungsplan wirkt in der Umsetzung planlos. Symptomatisch: der Beschluss eines Kulturamtes, dessen Aufgabe niemand kennt. Symptomatisch auch: eine städtische Kulturbeauftragte, die öffentlich kaum wahrnehmbar ist, den Medien gegenüber keine Auskunft gibt - und dafür die Rückendeckung des Oberbürgermeisters genießt.

Wie im Jungle müssen sich zudem jene Kulturschaffenden fühlen, die ihre neue Bühne bereits im Kolpinghaus wähnten, für das es aber nur "Ertüchtigungspläne" gibt. Kulturzentrum? Stadthalle? Haus der Begegnung? Kulturamt? So viele Begriffe, die die Politik so unterschiedlich füllt. Im Kulturjungle sind die Begriffe Fallen, in denen die Kulturschaffenden feststecken.