Forchheim
Sitzung

Forchheimer Stadträte lehnen großes Bauprojekt in Wohngebiet ab

Ein neuer Investor möchte in der Nähe der Forchheimer Kreishandwerkerschaft sechs Häuser mit 31 Wohneinheiten errichten. Doch der Bauausschuss lehnt ab.
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Das Modell zeigt das Vorhaben mit den sechs Wohnhäusern aus nördlicher Richtung. Rechts unten sind die beiden Häuser bei der Kreishandwerkerschaft dargestellt. Foto: Pauline Lindner
Das Modell zeigt das Vorhaben mit den sechs Wohnhäusern aus nördlicher Richtung. Rechts unten sind die beiden Häuser bei der Kreishandwerkerschaft dargestellt. Foto: Pauline Lindner
Nachverdichtung ist das Stichwort, das in jeder Forchheimer Bauausschussitzung fällt. Zum einen wollen Privatpersonen Gebäude erweitern und brauchen dazu Befreiungen von den Festsetzungen oft schon jahrzehntealter Bebauungspläne, die auf ganz anderen Bedarf ausgerichtet waren. Zum anderen erwerben Investoren Grundstücke, bei denen die vorhandene Nutzung zugunsten neuen Wohnraums weichen soll.

Ein solches Grundstück bilden die bislang gärtnerisch genutzten Parzellen der Gärtnerei Merklein in der Nähe der Kreishandwerkerschaft. Vor einem halben Jahr sprach ein Bauträger vor. Er wolle sie erwerben, um dort 13 Wohneinheiten zu schaffen. Doch anstatt eines Bauantrags ging bei der Stadt eine neuerliche Voranfrage ein: Ein anderer Investor möchte nun das Areal plus eines kleinen Nachbargrundstücks kaufen, um dort 31 Wohneinheiten mit einer zentralen Tiefgarage zu bauen.


60 Jahre alter Bebauungsplan


Der Bebauungsplan aus dem Jahr 1957 lässt eine Randbebauung des Geländes mit Häusern in der Größe der schon längst gebauten zu. Der Investor legte eine Planung vor mit sechs Baukörpern, von denen zwei völlig außerhalb der Baugrenzen liegen und die anderen die Größenvorgaben überschreiten. Da nur zwei Wohngeschosse vorgesehen sind, gäbe es wegen der Gebäudehöhen keine Probleme. Doch das Vorhaben fand nur bei zwei Ausschussmitgliedern Gefallen.
"31 ist kein Zahlendreher, musste ich feststellen. Das ist dort viel zu viel", äußerte sich Markus Schmidt (CSU). Bis zu 20 Wohneinheiten könne er sich vorstellen, brachte er die Meinung der Ausschussmehrheit auf den Punkt.

Als planerischen Knackpunkt sah Sebastian Körber (FDP) die Tiefgarage mit ihrer Zufahrt über die schmale Beethovenstraße. Sie sei wohl die einzige Möglichkeit, um die notwendigen fast 50 Stellplätze überhaupt zu schaffen. Maßvolle Bebauung sei sein Grundsatz, gegen diesen verstießen die "viel massigeren Baukörper".

Albert Dorn (SPD) war zwar inhaltlich derselben Meinung wie seine Vorredner, sah aber vor allem "die Argumente der Anwohner nonchalant vom Bauwerber vom Tisch gewischt". Er stieß sich sehr daran, dass das Bauamt dem Ausschuss einen positiv formulierten Beschlussvorschlag vorgelegt hatte.


"Gar nicht so schlecht"


Da in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Gelände der Kreishandwerkerschaft zwei Häuser mit je sechs Wohneinheiten genehmigt wurden, fand Erwin Held (FW) das Vorhaben "gar nicht so schlecht". Er schränkte aber im Nachsatz ein: "Wenn die Häuser etwas kleiner werden, passen sie rein."
Käme das so, gäbe es wohl nur um die 20 Wohneinheiten. Denn bei den geplanten Außenmaßen von 16 mal 11, 5 Metern beträgt die absolut maximale Nutzfläche pro Etage nur 184 Quadratmeter, was abzüglich der Zugänge und Treppenhäuser zwei Wohnungen mit etwa 75 Quadratmetern oder drei Wohneinheiten mit kaum mehr als 50 Quadratmetern entsprechen würde.

Der Vertreter des Bauwerbers begründete das Konzept mit dem Mangel an oberirdischen Parkmöglichkeiten. Wenn aber nur deutlich weniger Wohneinheiten erlaubt würden, entfiele die Tiefgarage. Am Ende wurde die Voranfrage abgelehnt.


Gremium lehnt neuen Asphaltlagerplatz ab


Abgelehnt hat der Forchheimer Bauausschuss auch ein Vorhaben der Bayerischen Asphalt-Mischwerke, auf dem Eckgrundstück zwischen Kersbacher Kreisel und Firma Waasner für drei Jahre einen Asphaltlagerplatz zu errichten. Das Gelände diente bislang der Bahn als Schotterlagerplatz.

Die Lagerfläche sollte etwa 8000 Quadratmeter groß sein, die Schütthöhe maximal fünf Meter , was eine Gesamtmenge betragen. 100 Lastwagen sollten am Tag den Lagerplatz anfahren, um alten Asphalt von den Ausbaustrecken der A 73 herbeizukarren. Das hätte wegen der Brückensperre in Verlängerung der Franz-Josef-Strauß-Straße deutlich mehr Verkehr durch den Kersbacher Ortskern bedeutet.


Sorge um das Grundwasser


Wesentlicher Aspekt für die Ablehnung war aber die Nähe zum Trinkwasserschutzgebiet. Das Gremium befürchtete ein Auswaschen der Teerstoffe oder gar ein Eindringen von Schadstoffen ins Grundwasser. Auch wurde gefragt, woher das Material überhaupt kommen würde, da die A 73 südlich von Forchheim schon erneuert sei.

Eine bereits bestehende Überdachung auf dem Annafestgelände billigte der Ausschuss nachträglich einstimmig. Die Lebensmittelüberwachung hatte diese als Schutz am Hauptgebäude des Schlössla-Kellers gefordert.


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