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Forchheim
Stadtgeschichte

Forchheimer Schüler widmen sich Kanal und Eisenbahn

Das Kunstwerk Porta Vorchheimensis bildet die Grundlage für den seit 2008 stattfindenden Schüler-Schreibwettbewerb in Forchheim: Thema 2019: Kanal und Eisenbahn.
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Clara Eder Foto: Sonja Hoffmann
Clara Eder Foto: Sonja Hoffmann
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In festlichem Ambiente in den Räumen der Kaiserpfalz sind die Teilnehmer des Aufsatzwettbewerbes des Rotary-Clubs Forchheim geehrt worden. Bereits seit 2008 findet der Schreibwettbewerb für die beiden Gymnasien in Forchheim - Herder-Gymnasium (HGF) und Ehrenbürg-Gymnasium (EGF) - statt.

Jeder Forchheimer kennt wahrscheinlich das Kunstwerk, die Porta Vorchheimensis, in der Hauptstraße. Seit 2002 schmückt sie die Fußgängerzone und erzählt auf zwölf Tafeln die bedeutendsten Stationen der Forchheimer Geschichte. Das Werk von Künstler Harro Frey ist ein Geschenk des Rotary-Clubs Forchheim an seine Heimatstadt. Jedes Jahr wird eine der zwölf Tafeln des bronzenen Kunstwerks thematisiert.

Abschließend in diesem Jahr wurde die zwölfte Tafel behandelt. Sie widmet sich dem Thema "Neue Verkehrswege: Kanal und Eisenbahn".

In den Jahren 1837 und 1838 befasste man sich mit Plänen zum Bau einer Schifffahrtsstraße, später auch einer Eisenbahnlinie zwischen Nürnberg und Bamberg. Auf der Grundlage des Flussnetzes musste dabei das Regnitztal eine wichtige Rolle einnehmen. Die Regnitz selbst war schon vorher mit kleineren Schiffen und Kähnen befahren worden, woran noch heute das Wappen der Brauerei Neder (ehemaliges Gasthaus "Zum Schiff") erinnert.

Erst 1950 Auflassung des Kanals

Die verkehrsökonomische Geschichte des 1843 in Betrieb genommenen neuen Ludwigkanals sollte sich jedoch wenig glücklich gestalten. Bereits zwischen 1852 und 1894 musste man einen Gesamtverlust von 58 Millionen Mark errechnen, und von daher darf es erstaunen, dass erst am 1. Mai 1950 die offizielle Auflassung als Schifffahrtsstraße erfolgte.

Maßgebliche Ursache hierfür war zweifellos die am 21. August 1844 eröffnete Eisenbahnlinie Nürnberg-Bamberg, eine der ältesten Bahnstrecken überhaupt. Deren Trasse führte nahezu parallel zum Kanal, und immer mehr wurde die Schiene auch für den Gütertransport genutzt. 1891 verlief der Streckenabschnitt zwischen Hirschaid und Erlangen, also auch über Forchheim, zweigleisig.

Die Lokalbahnen

1892 nahmen die Lokalbahnen nach Ebermannstadt und Höchstadt ihren Betrieb auf. Diese Nebenstrecken erhöhten die Bedeutung des Bahnhofs Forchheim.

Nach langer Skepsis während der Planung und des Baus der neuen Verkehrswege der Forchheimer Bürger stellte sich dann vor allem die direkte Eisenbahnverbindung an das Industriezentrum Nürnberg-Fürth als wahrer Segen dar. Für viele Unternehmer und Unternehmen waren damit Forchheim und seine Umgebung mit ihrer großen Kapazität an Wasserkraft und preisgünstigen Grundstücken näher herangerückt. Mit dem Erwerb des alten Folienhammers durch die Fürther Fabrikanten Joseph Pfeifer Morgenstern und Moritz Frankenthal 1854 begann eine blühende Phase Forchheimer Industriegeschichte. Diesen Streifzug durch die Forchheimer Geschichte setzen die Schüler nicht nur mit viel Wissen, sondern vor allem auch mit Witz und lebhaften Darstellungen um. Die Zuhörer bekamen jeweils einen kleinen Auszug von den Gewinnern vorgetragen.

"Von ganz weit oben"

Eva-Maria Knauer (HGF) hatte sich für die Vogelperspektive entschieden und erzählte aus der Sicht einer Brieftaube, die über Forchheim fliegt und Veränderungen beobachtet und kommentiert. Die Taube war nahe liegend, weil sie ja damals die Post transportierte und so unmittelbar von der Veränderung im Kommunikationswesen betroffen war. Das Ganze geschrieben aus dem Jahr 1884.

Ein "Minidrama" in Theaterform erzählten Felix Jurgovsky und Fabian Schramm (EGF). Sie stellten eine typische Szene des Bauern Karl Oertel aus Hausen dar, der seine Erzeugnisse seit 30 Jahren auf dem Forchheimer Markt verkaufte. Er führte viele Gespräche mit den unterschiedlichsten Kunden und lernte so die verschiedenen Perspektiven zur Stadtentwicklung kennen.

"Der Postillion von Forchheim"

Clara Eder und Ilayda Kaya (HGF) berichteten über einen Briefträger bei seiner Arbeit. Auch er erzählt von den Veränderungen, von den Hoffnungen, aber auch vom Alltag. Clara und Ilaydas Interesse gilt vor allem den sozialen Auswirkungen der Industrialisierung.

Nina Freund (HGF) ist bei den Recherchen zur Industriegeschichte auf die Biografie eines jüdischen Industriellen gestoßen: David Morgenstern, der mit seinem Bruder Joseph und Moritz Frankenthal den Grundstein für die Folienfabrik gelegt hat. Was die Schülerin aber vor allem bemerkenswert fand, ist die persönliche Geschichte, die zeigt, wie Politik, Wirtschaft und Persönliches miteinander verwoben sind.

"Des einen Untergang ist des anderen Rettung"

Maximilian Bechtel (EGF) beschreibt die damalige Entwicklung der neuen Verkehrswege auf eindrucksvolle und lebendige Weise aus Sicht des damals zwölfjährigen Friedrich, Sohn des überaus angesehenen Brauers Neder.

"Ein Condukteur bei der Arbeit"

Moritz Weidt und Sebastian Ritter (HGF) haben sorgfältig recherchiert und sich zum Ziel gesetzt, Forchheimer aus unterschiedlichen sozialen Ständen zu Wort kommen zu lassen, vom Wirt bis zum Bürgermeister. Ein Schaffner wurde auf seinem Rundgang durch den Zug begleitet und bei den Gesprächen mit den Fahrgästen belauscht.

Alle Preisträger erhielten einen Geldpreis vom Rotary-Club für ihre Meisterwerke. Jean Leder, der Präsident des Rotary-Clubs Forchheim, führte durch den Abend. Er bedankte sich bei den Schülern für ihr Engagement, und die Mühe, die sie sich auch teils in ihrer Freizeit gemacht hätten, um Bürger an diesem Stück Geschichte Forchheims teilhaben zu lassen. Ein Dank ging auch an Clubmitglied Ulrich von Hintzenstern, welcher zusammen mit den Lehrerinnen Margit Seidelmann (HGF), Annemarie Luksch (EGF) und Kerstin Meyer (EGF) den Wettbewerb leitete. Außerdem erging ein besonderer Dank an den langjährigen Lehrer des HGF, Friedbert Stühler, welcher Mitinitiator des Schreibwettbewerbs ist und auch den ersten Band "Blickpunkt Porta Vorchheimensis" sowie "Latinitas Vorchheimensis" mitbetreute. OB Uwe Kirschstein (SPD) sprach ein Grußwort.

Der Schreibwettbewerb pausiert nun ein Jahr, anschließend wird ein neues Thema ausgelobt.