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Forchheim
Handwerk

Forchheimer Schüler lernen das Häkeln

Auf Außenstehende mag das Häkeln manchmal so kompliziert wie eine Geheimwissenschaft wirken. Im Forchheimer Herder-Gymnasium tritt Elternbeiratsvorsitzende Corina Gallmetzer jetzt den Gegenbeweis an.
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Corina Gallmetzer zeigt den Schülern die ersten Maschen. Fotos: Lindner
Corina Gallmetzer zeigt den Schülern die ersten Maschen. Fotos: Lindner
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Elf hST in den LM-Ring häkeln, R mit einer Kettmasche schließen. Das klingt nach einem Fachjargon oder gar einer Geheimsprache. In Wirklichkeit ist es aber nur die übliche Codierung einer Häkelanleitung. "Das habe ich im Anfang auch nicht lesen können", bestätigt Hanna einer ehemaligen Herderianerin, die wie die Neuntklässerin zum ersten Häkelabend der Schule, des Elternbeirats und des Freundeskreises gekommen ist.

Fast ein Viertel der Teilnehmer ist männlich: vier junge Männer aus der Siebten, die wie einige Klassenkameradinnen für den anstehenden Ski-Kurs eine Boshi-Mütze herstellen wollen. Auf die Idee gebracht hat sie ihre Englischlehrerin Ellen Franze. Sie hatte ihnen sogar erste Übungsstunden in der Mittagpause angeboten. Allerdings ist sie mittlerweile erkrankt.

So entsteht zwangsläufig eine Selbsthilfegruppe im wörtlichen Sinn. Diejenigen , die schon Erfahrung haben, wie zum Beispiel Elternbeiratsvorsitzende Corina Gallmetzer, erklären den anderen all die Tricks, die in an Anleitungen schon als bekannt vorausgesetzt werden.


Nicht mehr auf dem Lehrplan

Und natürlich klären sie auch über die vermeintliche Geheimschrift auf: Hinter "LM" verbirgt sich "Luftmasche" und "R" steht für "Runde". "HST" sind "halbe Stäbchen", die dritte Art des Fadenschlingens, die man für eine Häkelmütze braucht. Das zu lesen, hat die eine Vertreterin der Müttergeneration damals in der Schule nicht gelernt. Ihrer Erinnerung hilft das Vorlesen.

Der Anfang ist das Schwierigste, für Mützen gilt das sowieso und für einen Häkelneuling ohnehin. "Es ist schade, dass Häkeln nicht mehr auf dem Lehrplan steht, weil Handarbeiten mal völlig aus der Mode waren", beklagt die Mutter. Hanna findet das dagegen nicht so schlimm.


"Wo muss man einstechen?"

Der Do-it-yourself-Gedanke käme bei den Unterzwanzigjährigen immer mehr auf. Und die bunten Mützen der Boshi-Erfinder und ihrer Häkelkollegen verlockten zum Selbermachen, auch und vor allem Jungs. Man kann das schon so sagen: Bei diesem Trend sind Männer die Vorreiter.

Hannes hat eine wunderschöne Wolle in Rot-Tönen dabei, aber er plagt sich schon mit den ersten Maschen sehr. Der Grund ist schnell ausgemacht: Die sehr ungleichmäßig versponnene Effektwolle ist für die festere Häkeltechnik nicht geeignet. "Ich stricke ja sonst", erklärt der Schüler - sehr zum Erstaunen der Älteren. "Wo muss ich nun einstechen?" Oder: "Sind das 22 Maschen in der Runde?" Die Fragen sind individuell, denn die ungewohnte Technik irritiert jeden Neuling auf eine andere Weise. "Ab der dritten Mütze ist alles plötzlich ganz einfach", verspricht Hanna der Siebtklässerin Monja. Sie kämpf damit, die richtige Fadenschlinge für die nächste Masche zu finden. Langsam werden die Gebilde in den Händen größer.

Etwa drei Stunden hat Gallmetzer für den ersten Häkelabend angesetzt - und so melden schon einige Eltern, die ihre Kinder abholen "Machen wir schon Schluss?", fragen etliche, die sich nun in das Häkeln hineingefunden haben.

Nein, sie dürften solange bleiben, wie sie wollten, versichert ihnen Schulleiterin Liselotte Rall-Weiß. "Ich hätte gerne eine Mütze für meine Enkelin gehäkelt. Nur hänge ich jetzt noch an meinem Schreibtisch fest", erklärt Rall-Weiß. Die Forchheimer Schulleiterin selbst sieht in der Handarbeiten ein Mittel zur Entspannung.

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