Forchheim
Prozess

Forchheimer misshandelt Noch-Ehefrau - schwieriger Prozess

Ein 40-Jähriger aus Forchheim soll seine in Trennung lebende Frau mehrmals misshandelt, bedroht und beleidigt haben. Die Richterin glaubte dem Opfer.
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Ein Forchheimer soll mehrmals handgreiflich gegen seine Frau geworden sein: Nur einmal war eine Zeugin dabei.  Symbolfoto: ninocare/pixabay
Ein Forchheimer soll mehrmals handgreiflich gegen seine Frau geworden sein: Nur einmal war eine Zeugin dabei. Symbolfoto: ninocare/pixabay
Der Angeklagte soll seine Noch-Ehefrau körperlich und psychisch misshandelt, bedroht und beleidigt haben. Vor dem Amtsgericht Forchheim stritt der 40-Jährige alle Taten ab und behauptete, dass die Frau lügt. Die Verhandlung gestaltete sich schwierig, denn der Angeklagte sprach nur wenig Deutsch. Er erschien mit einem Dolmetscher aber ohne Verteidiger vor Gericht.

Der 40-Jährige soll laut Anklage mehrmals handgreiflich gegen seine in Trennung lebende Frau geworden sein: Im Mai 2014 soll er sie in der gemeinsamen Wohnung in Forchheim mit beiden Händen gewürgt haben. Der Vorfall ereignete sich nach einer Hochzeit, der Neffe der Frau hatte geheiratet. "Ich durfte keinen großen Kontakt mit meiner Familie haben und er wollte nicht zulassen, dass ich auf die Hochzeit gehe", sagte die Frau, die gut Deutsch spricht. Vor Gericht betonte sie, dass sie unter Asthma leidet und ihr Mann das auch wisse. Die Geschädigte erlitt durch das Würgen Atemnot.


Geschädigte ist psychisch stabil

Der Angeklagte behauptete, dass sei alles gelogen und seine Noch-Ehefrau habe psychische Störungen. "Dafür gibt es keine Belege", entgegnete Amtsrichterin Silke Schneider und verweist auf eine Einschätzung des Jugendamts. Das Ehepaar hat vier Kinder, drei davon sind schwer behindert. In der Stellungnahme der Behörde kommt zum Ausdruck, dass die Mutter psychisch stabil ist und es keine Hinweise auf selbst- oder fremdgefährdende Tendenzen gibt.

Anfang Oktober 2016 kam es wieder zu einem Streit. Die beiden Eheleute waren in der Kinder- und Jugendklinik in Erlangen. Der Noch-Ehemann soll dem Opfer beide Hände auf den Hinterkopf gelegt haben und wollte sie zwingen, ihn zu küssen. Die Frau soll deutlich gemacht haben, dass sie das nicht wollte und versuchte ihn wegzudrücken. Sie konnte sich jedoch nicht wehren und wurde gegen ihren Willen auf die linke Gesichtshälfte geküsst. Eine Zeugin beobachtete die Auseinandersetzung. "Die Frau stand an der Wand und wurde körperlich bedrängt. Für mich war es eindeutig, dass es von ihr nicht gewollt ist", erklärte die Zeugin. Der Angeklagte erinnerte sich an den Kuss, beharrte aber darauf, dass es nicht gegen ihren Willen war, schließlich sei sie seit über 20 Jahren seine Ehefrau. Er beteuerte mehrmals, dass er sie liebe.


Misshandlung und Bedrohung

Genau eine Woche später soll der Angeklagte einen Zimmerschlüssel in Richtung des Kopfes der Frau geworfen haben. Sie konnte aber ausweichen. Daraufhin soll er das Opfer mit beiden Händen an Mund und Wange gefasst und fest zugedrückt haben. "Mein Kinn tat noch tagelang weh. Und ich hatte Panik", sagte das Opfer. Auf Türkisch soll er ihr außerdem gedroht haben, dass er ihr "das Leben nehmen wird" und beschimpfte sie als "Schlampe". Währenddessen war auch ein Krankenpfleger in der Wohnung, der sich um die behinderten Kinder kümmerte. Er bekam den Streit nicht direkt mit, aber die Frau rannte zu ihm. "Sie war etwas theatralisch", sagte der Zeuge. Er habe keine Zeichen eines Übergriffs gesehen. "Mir ist nie aufgefallen, dass der Ehemann gewalttätig wäre", so der Krankenpfleger.

Amtsrichterin Silke Schneider glaubte dem Opfer und geht von vorsätzlicher Körperverletzung aus. Sie verurteilte den nicht vorbestraften Mann, der derzeit Hartz IV bezieht, zu 150 Tagessätzen zu je 15 Euro.

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