Forchheim
Beweissicherung

Forchheimer Königsbad: Die Klage-Welle wächst

Das Forchheimer Königsbad leidet unter einem maroden Leitungssystem, doch die Sanierung kann nicht beginnen.
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Das Königsbad  bedarf einer Millionen-Sanierung.Barbara Herbst
Das Königsbad bedarf einer Millionen-Sanierung.Barbara Herbst

Das Rohrleitungssystem im Forchheimer Königsbad ist marode. Seit Februar liegt der Stadt ein 60-seitiges Gutachten vor. Es belegt, dass "planerische Mängel" zu den Schäden geführt haben. Doch die Sanierung kann nicht beginnen, weil die Stadt in ein zeitraubendes Beweissicherungsverfahren hineingezogen wird.

Im Streit um die Schadenskosten glaubte sich der Forchheimer Bäderchef Walter Mirschberger in den vergangenen Wochen kurz vor dem "Durchbruch". Doch seit Mittwoch (9. Oktober) weiß Mirschberger, dass die außergerichtliche Einigung, die vom Versicherer der Bad-Planer in Aussicht gestellt worden war, geplatzt ist. Stattdessen fordern die Planer ein Ergänzungsgutachten.

Seit zehn Jahren läuft nun der Betrieb im Königsbad. In dieser Zeit musste die Stadt bereits ein halbes Dutzend Beweissicherungsverfahren durchstehen. Das einzig Positive daran: Mit der Architektin Sigrun Wagner hat die Stadt eine Expertin in ihren Reihen, die "eine Nase für solche Verfahren hat", lobt Walter Mirschberger. Mit anderen Worten: Immer wenn es in der Vergangenheit darum ging, Beweise für Schäden im Königsbad zu sichern, war die Stadt Forchheim vor Gericht erfolgreich.

Der aktuelle Streit um das Rohrleitungssystem ist vor dem Landgericht Bamberg anhängig. Parallel läuft noch ein zweites Beweissicherungsverfahren. Das Gutachten dazu wurde am 17. September begonnen und es ist noch nicht ausgewertet. Dabei geht es um die Frage, ob das austretende Wasser die Stahlträger des Königsbades angreift.

Während sich die Stadt mit dem Planungsbüro Plafog (Kulmbach), dem Ingenieurbüro Hölzlein (Bamberg) und dem Statikbüro Hofmann (Forchheim) darüber streitet, wer für welchen Schaden aufkommen muss, ersehnen die Badegäste des Königsbades die Sanierung herbei. Mittlerweile sind Sanierungskosten von mindestens einer Million Euro aufgelaufen, so die "vorsichtige Schätzung" von Bäderchef Mirschberger. Der signalisierte den Stadträten im Finanzausschuss, dass es noch ein weiteres Jahr dauern könnte, bis sich die Wogen um das Königsbad geglättet haben. Denn das "Ergänzungsgutachten " dürfte wohl kaum vor April vorliegen. Und dann sei ja noch lange nichts entschieden.

Währenddessen steht unter den Bodenplatten des Bades das Wasser - und die extra gegründete Arbeitsgruppe "Sanierung intern" sitzt auf Kohlen. Denn sie weiß beispielsweise nicht, wie sie mit den Mitarbeitern des Königsbades umgehen soll. Wie Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) betont, würden viele Mitarbeiter während der Sanierung im Bad nicht benötigt; gleichzeitig wolle die Stadt die Mitarbeiter unbedingt für die Zeit nach der Sanierung halten. Das heißt: Die Stadt denkt über einen Sozialplan nach, um die Mitarbeiter während der Sanierungszeit anderweitig einzusetzen.

"Mindestens ein Jahr lang wird die Sanierung dauern", betont Walter Mirschberger. Er und seine Mitarbeiter schmieden Pläne, während der Sanierung "einen Parallelbetrieb aufrecht zu erhalten". CSU-Stadtrat Udo Schönfelder spricht von einer "Durststrecke des Königsbades". Er hat einen Förder- und Freundeskreis angeregt, der sich in Kürze gründen wird - und dem beispielsweise der Schwimmverein, die DLRG , die Stadt und der Landkreis Forchheim angehören werden.

FGL-Rätin Annette Prechtel regte am Mittwoch an, das "erschütternde Kapitel in der unendlichen Geschichte des Königsbades" abzukürzen - und mit der Sanierung unabhängig vom laufenden Rechtsstreit zu beginnen. Auch Reinhold Otzelberger (CSU) fordert, "die Hängepartie wenigstens effizienter zu gestalten" und erste Schäden im Königsbad zu beheben.

Doch davor warnte Walter Mirschberger mit Hinweis auf die Kanzlei Waldmann (Nürnberg). Die leiste der Stadt exzellenten Beistand; die Nürnberger Baurechtsanwälte hätten abgeraten, eine Sanierung zu beginnen, bevor das Beweissicherungsverfahren abgeschlossen sei. Sonst könne die Stadt auf einer hohen Summe ungeklärter Kosten sitzen bleiben. Sebastian Platzek (FDP-Stadtrat und selbst Jurist) meinte, dass er nicht überrascht wäre, wenn in diesem Verfahren noch weitere Gutachten gefordert werden würden. Über dieses "Spielchen" ärgerte sich nicht nur Arnd Feistel (Freie Wähler): "Wie oft können die das noch machen", fragte er im Finanzausschuss. Antwort Platzek: Verfahren mit zehn oder mehr Ergänzungsgutachten seien nicht unüblich

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