Forchheim
Ordnungsamt

Forchheimer Kellerwald: Politik beschränkt Musikveranstaltungen der Kellerbetriebe

Die Entscheidung ist gefallen: Ab sofort ist den Forchheimer Kellerwirten nur eine begrenzte Anzahl an Musik-Events erlaubt. Und es gilt eine Sperrstunde.
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Ballermann oder Biergarten? Wie viele Musikdarbietungen mit Verstärker im Kellerwald genehmigt werden, haben die Stadträte des Forchheimer Hauptausschusses nun limitiert. Foto: Josef Hofbauer/Archiv
Ballermann oder Biergarten? Wie viele Musikdarbietungen mit Verstärker im Kellerwald genehmigt werden, haben die Stadträte des Forchheimer Hauptausschusses nun limitiert. Foto: Josef Hofbauer/Archiv

In der Frage, wie viel Musik der Kellerwald verträgt, haben die Mitglieder des Forchheimer Hauptausschusses am Donnerstag Fakten geschaffen. Jeder Kellerbetrieb darf ab sofort in der Saison nicht mehr als drei "Musikdarbietungen mit Verstärker" veranstalten. Zudem gilt: Die Musik muss dabei um 22 Uhr enden. Ausgenommen sind das Annafest, der Kellerauftakt und der Saisonabschluss.

Der Hintergrund: Ordnungsamtsleiter Klaus Backer wollte vom Forchheimer Hauptausschuss eine klarere Linie haben, wie viele solcher Veranstaltungen im Kellerwald sein Amt genehmigen solle. Ein Kellerwirt habe vermehrt Anträge gestellt. Das Gremium vertagte die Entscheidung zunächst.

Partymeile überschreitet Grenze

Auf Anregung von Stadtrat Manfred Hümmer (FW) wurde bei allen Kellerwirten abgefragt, wie viele Musik-Events mit Verstärker jeweils gewollt sind. "Ich bin schockiert, was auf uns zukommen könnte. Von 109 Außen-Veranstaltungen wären nur 28 ohne Verstärker. Wenn wir das erlauben, haben wir eine Partymeile und da wären ganz klar Grenzen überschritten", fand Hümmer. Eine Mehrheit der Stadträte und Stadträtinnen begrüßte deshalb die Limitierung dieser Musik-Events. Bei "Disco-Musik" forderte Paul Nerb (FBF) gar eine "massive Beschränkung".

Mit der neuen Verordnung sind bei zwölf Forchheimer Kellern rund 36 Veranstaltungen möglich. "Eine Art Rockfestival auf den Kellern - das geht gar nicht", appellierte CSU-Stadtrat Karl-Heinz Fleckenstein und schlug deshalb eine Überprüfung des Lärmpegels bei diesen Musik-Events vor. Das sei von den Mitarbeitern "nicht zu stemmen", betonte Sigrid Mauser vom Ordnungsamt. Annette Prechtel (FGL) fand die Regel, auf drei Veranstaltungen zu limitieren, sei ein guter Ausgleich zwischen den Interessen der Kellerwirte und der Anwohner.

Freiheit statt Friedhof

Mehr Freiheiten für die Kellerbetreiber hätte sich hingegen FDP-Stadtrat Sebastian Platzek gewünscht, der vergebens vier Musikveranstaltungen pro Keller vorschlug. Die Befürchtung, dass der Kellerwald "zu einer Partymeile und einem Ballermann" wird, teilte er nicht und konterte: "Wir müssen mit dem Blick auf die jüngere Bevölkerung der Stadt aufpassen, dass uns der Kellerwald nicht zu einem großen Friedhof wird."

Auch Stadtrat Albert Dorn (FW) kritisierte den Beschluss aber aus ganz anderen Gründen. "Ich höre gerne Musik, aber ich will mich noch unterhalten können. Deswegen bin ich dafür, Musik zuzulassen - aber nur ohne Verstärker." Dorn stimmte als einziger gegen den Beschluss.

Musik-Veranstaltungen ohne elektrische Unterstützung seien für alle Kellerwirte an jedem Tag genehmigungsfrei möglich, betonte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Musik mit Verstärker generell zu verbieten, halte aber "einer Klage nicht Stand". Jeder gastronomische Betrieb habe das Recht darauf. Der Beschluss regelt nun allerdings die Anzahl und die Dauer der genehmigten Veranstaltungen. Mit drei Events könnten die Wirte nun beispielsweise einmal im Monat eine Veranstaltung machen.

Zunächst sollte das Musikende auf 23 Uhr begrenzt werden. Sabine Dittrich (FGL) schlug jedoch vor, sich an die Biergarten-Ordnung zu halten, wonach die Sperrstunde eine Stunde nach vorne verschoben wurde

Schlössla-Wirtin findet es schade

Kellerwirtin Alina Bajric vom Schlössla-Keller reagiert enttäuscht auf die Entscheidung: "Das ist schade. Drei Veranstaltungen ist schon etwas wenig", sagt Bajric, die für ihren Keller rund 20 Veranstaltungen angegeben hatte. Vergangenes Jahr wurden zum Beispiel ein 30. Geburtstag und die Four-Kings-Party am Schlössla-Keller gefeiert. Gerade um mehr junge Leute auf private oder öffentliche Events in den Kellerwald zu locken, hätte sich Bajric die Verstärkermusik gewünscht.

Kommentar: Unerhörte Zwischentöne bei der Kellerwald-Entscheidung

von Ronald Heck

Wie klingt der Kellerwald? Nach klirrenden Bierkrügen, geselligen Runden und rauschenden Laubblättern - das ist klar. Und die passende Musik dazu? Am besten gar keine, wünschen sich die Bierkeller-Traditionalisten. Wenn überhaupt, dann hallt wohl auch künftig eher zünftige Blasmusik durch die Forchheimer Keller. Der Sound der Instrumente aus vor-elektronischen Zeiten bestimmt den Takt.

Ob der Kellerwald eine Partymeile oder ein Friedhof wird, stand am Donnerstag gar nicht zur Diskussion, wage ich zu behaupten. Gleichwohl ist die Entscheidung des Hauptausschusses nachvollziehbar: Jetzt sind die Musikspiel-Regeln vermeintlich klar. Aber für sanfte Zwischentöne bleibt leider wenig Raum.

Wie FW-Stadtrat Erwin Held richtigerweise anmerkte, kann ein Spielsmannszug deutlich lauter sein als ein elektronisch verstärkter Gitarrist. Somit bleibt zumindest zu befürchten, dass es moderne Musik und junge Hörer im Kellerwald nun schwerer haben, gehört zu werden. Ich würde mich freuen, wenn Kellerwirte und moderne Unplugged-Musiker mich eines besseren belehren.

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