Forchheim
Wirtschaft

Forchheimer Elektro-Markt steckt in der Krise

Die Zeiten sind nicht rosig für Elektronik-Geschäfte. Viele Kunden sind ins Internet abgewandert, um Fernseher und Co. zu kaufen. Bei Alpha Tecc in Forchheim scheint die Situation besonders prekär. Die Mitarbeiter bangen um ihre Stelle.
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Die Zukunft des Elektro-Marktes Alpha Tecc in Forchheim ist unsicher. Die Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze. Foto: Pelke
Die Zukunft des Elektro-Marktes Alpha Tecc in Forchheim ist unsicher. Die Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze. Foto: Pelke
Es könnte so schön sein. Gemeinsam erfolgreich - Märkte und Mitarbeiter. Davon träumt der Elektronik-Händler Alpha Tecc zumindest auf seiner Homepage im Internet. Dort schreibt die Firma aus Völklingen im Saarland beispielsweise Sätze wie diesen: "Das wichtigste Kapital der Alpha Tecc Märkte sind seine Mitarbeiter."
Doch wie ist es um dieses "Kapital" in der Zukunft bestellt?
"Für die Mitarbeiter bei Alpha Tecc in Forchheim schaut es nach wie vor schlecht aus", sagt Dominik Datz von der Gewerkschaft Verdi in Bamberg. Mit einem Blog im Internet versucht die Gewerkschaft auf die angespannte Situation der Mitarbeiter bei dem angeschlagenen Elektronik-Händler aufmerksam zu machen.

Die zunehmende Konkurrenz des Online-Handels mache den Elektronik-Märkten das Leben schwer, sagt Dominik Datz von Verdi. Seit einigen Jahren gingen die Profite der Elektronik-Händler zurück. Den Gewinn-Einbruch versuche das Unternehmen auf Kosten der Mitarbeiter zu kompensieren. Zunächst beim Lohn. "Tarifverträge zählen bei Alpha Tecc nicht mehr, nachdem man aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten ist." Mit dem Lohndruck sei es aber nicht zu Ende. Schnell gerate die Mitarbeiterzahl ins Visier. "Plötzlich arbeiten in dem selben Laden nur noch dreißig statt bisher vierzig Mitarbeiter", schreibt die Gewerkschaft in ihrem Alpha-Tecc-Forchheim-Blog im Internet.

"Nebulöse Kündigungen" hätten zur Gründung eines Betriebsrates im Sommer letzten Jahres geführt, bestätigt Udo Storck. Der Betriebsratsvorsitzende der Forchheimer Alpha- Tecc-Filiale will sich zur aktuellen Lage nicht äußern. Nur so viel: Die Branche sei schwieriger, der Ton in der Firma gereizter geworden, sagt Storck. Die Konsequenzen dieser gereizten Atmosphäre hat eine Mitarbeiterin vor einiger Zeit deutlich zu spüren bekommen. Als neun Euro in der Kasse fehlten, wurde die alleinerziehende Mutter fristlos entlassen. Die Firma stellte sogar Strafanzeige gegen die Frau, die elf Jahre bei dem Elektronik-Laden an der Kasse gesessen hatte. Diese Klage wurde mittlerweile abgewiesen. Die Kündigung ist aber nach wie vor rechtskräftig. Ein Urteil des Arbeitsgerichtes steht hier noch aus. Deswegen will sich die Frau auch nicht öffentlich zu dem Fall äußern.

Ein "unglaublicher Skandal"

Die "absolut überzogene Kündigung der alleinerziehenden Mutter" nennt Dominik Datz von Verdi einen "Super-Gau" und "unglaublichen Skandal". Damit habe die Marktleitung in Forchheim versucht, die Belegschaft einzuschüchtern. "Dieser Fall hat schon für Ruhe im Karton gesorgt", sagt Dominik Datz.

Die betroffene Frau versteht die Welt nicht mehr. Dominik Datz sieht darin den Versuch des Elektro-Marktes, um jeden Preis die (Lohn)Kosten zu senken. Die Firma gebe dies freilich nicht zu. Im Gegenteil. Nach Meinung der Gewerkschaft dreht der Arbeitgeber den Spieß einfach um, und mache im Gegenzug "massiv Stimmung" gegen den Betriebsrat. Die Arbeitnehmervertretung werde sogar für die wirtschaftliche Schieflage der Firma verantwortlich gemacht. "Zusammenhalt in der Belegschaft wäre jetzt wichtiger denn je", ruft Dominik Datz den verblieben Alpha-Tecc-Mitarbeitern zu. Derweil ist die Zukunft des Elektro-Marktes in Forchheim weiter ungewiss. Seit fast einem halben Jahr lasse die Firma ihre Mitarbeiter im Unklaren darüber, ob und wie es mit dem Laden weiter geht. Spekuliert wird derzeit über angebliche Investoren, die den Laden in Forchheim übernehmen wollen. Im Gespräch ist auch ein Elektro-Markt-Riese, der den laufenden Mietvertrag übernehmen könnte. Weder die Geschäftsleitung in Forchheim noch die Unternehmensführung im Saarland wollte sich zu den Schwierigkeiten bei Alpha Tecc aktuell äußern.

Zwist auch bei Globus?

Die Globus-Warenhäuser spüren offenbar von der Krise beim Tochter-Unternehmen Alpha Tecc nichts. Laut Gewerkschaft kam es aber zuletzt auch hier zu Streitigkeiten zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat. Im Globus in Forchheim arbeiten derzeit rund 250 Menschen.

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