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Forchheim
Sanierung

Forchheimer Bierkeller werden vor dem Einsturz bewahrt

Drei gefährdete Forchheimer Bierkeller werden durch eine aufwändige Sanierung vor dem Einsturz bewahrt. Bergbau-Firmen sollen das Projektbis Mai abgeschlossen haben. Kostenpunkt: rund 300.000 Euro.
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Lena Klahr erläutert die Kratzspuren an den Wänden des Bauernkellers.  Foto: Josef Hofbauer
Lena Klahr erläutert die Kratzspuren an den Wänden des Bauernkellers. Foto: Josef Hofbauer
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Jetzt kann es los gehen. Die Voruntersuchungen der Geologen, Bauforscher, Biologen, Denkmalpfleger und Historiker am "Bauern-Keller", dem letzten von drei Kellern, die im Zuge eines Pilotprojektes der Deutschen Stiftung Umwelt saniert werden, sind abgeschlossen. Bis Mai sollen Bergbau-Firmen die Stollen nach den Vorgaben der Experten sanieren. Kostenpunkt: Rund 300.000 Euro.

Der Bauern-Keller ist zwar kein Rolls Royce unter den Kellern, gehört aber mit 110 Metern Tunnel-Länge zu den größeren Bier-Lagerstätten. Über das Alter kann Lena Klahr, Mitarbeiterin des Bamberger Instituts für Bauforschung und Denkmalpflege nur Mutmaßungen anstellen. Die Bearbeitungsspuren an den Wänden ließen keine Rückschlüsse auf die Entstehung der Grabung zu. Die Zahn eisen-Spuren an den Wänden könnten von einer Nachbearbeitung stammen, mutmaßt Klahr.


Viel Mühe gemacht

Der Keller, den sich mindestens acht Erbbau-Berechtigte teilen, muss aber wichtig gewesen sein, denn in dem Labyrinth wurden sogar Türbögen gesetzt. Darunter sind Schwellen aus Holz und die Steinquader der steinernen Lagerbänke für die Bierfässer sind teilweise mit Ziegelsteinen untermauert. "Da wurde ein ziemlicher Aufwand betrieben" stellt die Denkmalpflegerin fest.

Entdeckt hat das zehnköpfige Forscherteam auch ein Abfluss-System, denn in dem Keller ist es feucht. "Vor allem wenn es regnet, tropft es überall", schildert Lena Klahr. Möglicherweise eine Folge der geringen Überdeckung des Kellers, denn über dem Kellergewölbe lagert eine maximal drei Meter mächtige Gesteinsschicht. Nicht klar ist, in welche Richtung sich das Gefälle neigt. "Das geht aus den Höhenschicht-Linien leider nicht hervor", bedauert Klahr. Ein Wasser-Test würde wenig Klarheit b ringen, weil das Drainage-System stark verschmutzt ist und an einem Ende, einem früheren Zugang zu einem Nachbarkeller sogar zugemauert wurde.

Im Vergleich zum Weiß-Taben-Keller oder zum Rappenkeller, wo die Erbauer dem Kluft-Verlauf der Sandstein-Schichten gefolgt seien und die Gangführung danach ausgerichtet hätten, sei dies im Bauernkeller überhaupt nicht feststellbar. Warum dies hier anders ist? "Darauf haben wir noch keine Antwort" , bedauert Geologe Rupert Utz.

Auch im Bauernkeller hat das Expertenteam ein ausgeklügeltes Nischensystem entdeckt, in das Kerzen zur Beleuchtung der Gänge gestellt wurden. Dabei gingen die Nutzer offenbar pragmatisch vor. Im hinteren Teil des Kellerbereiches sind diese Nischen nicht mehr exakt ausgearbeitet. Hier begnügten sich die Erbauer damit, Haken an den Wänden anzubringen, damit Lampen aufgehängt werden konnten.

Lockeres Gestein

Problematisch sind vor allem zwei Bereiche des Kellers, in dem ein paar Gesteins-Segmente buchstäblich in der Luft hängen. Damit diese Bereich nicht einstürzen - wie in einem kleinen Seitentrakt bereits geschehen - suchen die Experten nach kostengünstigen Möglichkeiten, wie die Stollen stabilisiert werden können. "Stützen einbringen, untermauern oder Gewölbe einziehen" nennt Projektleiter Rolf Snethlage an Alternativen.

Beispielhaftes Vorgehen

Der pensionierte Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege in München und ehemalige Inhaber des Lehrstuhls für Ingenieur-Geologie will die Erkenntnisse aus der Untersuchung der Forchheimer Keller nutzen, um Rückschlüsse auf die Sanierung anderer Keller ziehen zu können. Ziel ist ein Leitfaden für die Kellersanierung. Wichtig dabei: Die Sandsteingewölbe sollen möglichst in ihrer ursprünglichen Struktur erhalten bleiben. "Wir wollen keine U-Bahn-Schächte" erklärt Bauamtsleiter Gerhard Zedler .

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