Forchheim

Forchheimer Aufforderung zum Tanz!

Die Forchheimer Tanzveranstalter fordern den Stadtrat auf, schleunigst Konsequenzen aus dem Verschwinden der Jahn-Kulturhalle zu ziehen.
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Für Beate Ritschka (links) und Gisela Steinlein ist der Ball des Liedervereins in der Jahn-Kulturhalle nicht wegzudenken. Doch ab 2019 steht der Liederverein ohne Halle da. Daher fordert Gisela Steinlein die Stadträte auf, sich für den Gesellschaftstanz zu engagieren.  Foto: Barbara Herbst
Für Beate Ritschka (links) und Gisela Steinlein ist der Ball des Liedervereins in der Jahn-Kulturhalle nicht wegzudenken. Doch ab 2019 steht der Liederverein ohne Halle da. Daher fordert Gisela Steinlein die Stadträte auf, sich für den Gesellschaftstanz zu engagieren. Foto: Barbara Herbst
Beate Ritschka ist seit über 50 Jahren Mitglied beim Liederverein und war 14 Jahre lang Zweite Vorsitzende. Beim jährlichen Ball des Liedervereins hat sie schon als Zwölfjährige mitgetanzt. Für Beate Ritschka und für Gisela Steinlein (aktuelle Vorsitzende beim Liederverein Forchheim) ist es schier unvorstellbar, dass es mit der Ball-Tradition des Vereins plötzlich vorbei sein soll.
Weil die Jahnhalle bekanntlich der Wohnbebauung des sogenannten Philosophenviertels weichen wird, steht nicht nur der Liederverein vor einem Dilemma: "Das Kulturgut Gesellschaftstanz ist in Forchheim bedroht", sagt Gisela Steinlein. Der Ball des Liedervereins, den es in Forchheim seit 1881 gibt, wird am 5. Mai zum letzten Mal in der Jahnhalle stattfinden.
Mit dem geplanten Abriss der Jahn-Kulturhalle falle "die einzige Möglichkeit für Ballveranstaltungen in unserer Stadt weg", kritisiert Steinlein. Für eine "kostendeckende Durchführung" werde ein Veranstaltungsort benötigt, an dem rund 300 Personen Platz finden; das sei weder im Kolpinghaus (385 Quadratmeter Saalfläche) noch in einer anderen Halle der Stadt möglich.


Nach Rosenmontag ist Schluss

Auch Uli Pechtold wird die 500 Quadratmeter große Jahnhalle (zuzüglich Bühne) vermissen. Am 30. April wird er zum Tanz in den Mai einladen. Vier Mal pro Jahr organsiert Pechtold Tanzveranstaltungen in der Jahnhalle. "Für Rosenmontag 2019 habe ich noch gebucht, dann ist Schluss", sagt Pechtold, der sich wundert, dass in der Stadt-Politik nicht schon lange intensiv über die Konsequenzen des Jahnhallen-Abrisses nachgedacht werde. Er persönlich könne mit den meisten seiner Veranstaltungen zwar ins Kolpinghaus oder in die Hirtenbachhalle nach Heroldsbach ausweichen. Aber für seine Silvester-Tanz-Party zum Beispiel sei das Kolpinghaus zu klein. "Die Jahnhalle wird uns in der Stadt fehlen. Es muss eine Alternative her."

Uli Pechtold und Gisela Steinlein kritisieren, dass die Tanzveranstalter der Stadt "nicht enger in die Kulturdebatte einbezogen" (Pechtold) würden. Zwar sei sie wiederholt am Runden Tisch Kultur gesessen, sagt Gisela Steinlein. Aber das habe mehr zur Irritation als zu Klärung des Problems beigetragen, betont die Liedervereins-Vorsitzende. Denn: Das erste Konzept für ein Kulturzentrum Kolpinghaus habe Bälle wie jene des Liedervereins noch vorgesehen. Mittlerweile werde aber von einer Multifunktionshalle am Kolpingplatz nicht mehr geredet; nur noch von einer "kleinen Variante" des Kulturzentrums, die für Bälle mit 300 Besuchern ungeeignet wäre.
"Die Stadt sollte die Kultur des Tanzes wahrnehmen", appelliert Steinlein. Und verweist auf die Magnetwirkung, den der Ball des Liedervereins ausübe: Die Tänzer kämen bis aus Kulmbach und Bayreuth.
"Wir helfen der Stadt, bekannt zu werden", sagt Gisela Steinlein. Deshalb wünscht sie sich, dass "die Oberen der Stadt an den Liederverein herantreten und eine Übergangslösung anbieten". Etwa könnte die Stadt, solange es kein geeignetes Parkett in Forchheim gebe, einen Bus-Shuttle nach Erlangen organisieren, wo der Liederverein mit seinem Ball vorübergehend im Redouten-Saal unterkommen könnte. "Statt uns Steine in den Weg zu legen, sollte die Stadt uns begleiten", meint Gisela Steinlein.

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