Forchheim
Trauerarbeit

Forchheim: Wie Unfallkreuze am Straßenrand den Trauernden helfen

Am 25. November ist Totensonntag, an dem Menschen ihrer Verstorbenen gedenken. Nach einem tödlichen Unfall trauern Hinterbliebene auch in Form von Straßenkreuzen. Doch dabei sollten die Trauernden einiges beachten.
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Im Kreis Forchheim erinnern vielerorts Kreuze, Grablichter und Blumen an geliebte Personen, die im Straßenverkehr tödlich verunglückt sind.  Foto: Ronald Heck
Im Kreis Forchheim erinnern vielerorts Kreuze, Grablichter und Blumen an geliebte Personen, die im Straßenverkehr tödlich verunglückt sind. Foto: Ronald Heck

Liebevoll geschmückt steht das Holzkreuz mahnend an der Bundesstraße, während direkt daneben Autos, Lkws und Motorräder laut vorbeirauschen. Trauernde haben Grablichter angezündet, eine Engelsfigur ist sorgsam neben den frischen Blumen drapiert. Kreuze wie dieses erinnern an mehreren Straßen im Kreis Forchheim daran, dass dort geliebte Menschen tödlich verunglückt sind.

Verwandte und Freunde gedenken mit den Unfallkreuzen ihren Verstorbenen, für einige sind es wichtige Orte zum Trauern. Für unbeteiligte Verkehrsteilnehmer können sie Mahnungen im Straßenverkehr sein. Doch was die wenigsten vorher wissen: Wer Kreuze, Blumen und Figuren am Straßenrand neben der Unfallstelle aufstellen möchte, darf dies nicht einfach so und nicht überall machen.

Unfallkreuze werden nur geduldet

Einheitliche Regeln oder eine offizielle Genehmigung für Unfallkreuze gibt es in Deutschland nicht. Doch die Hinterbliebenen müssen sich mit der Behörde, die für den Straßenabschnitt zuständig ist, absprechen. Bei einem Unfall auf der Bundesstraße im Landkreis Forchheim ist das zum Beispiel das Staatliche Bauamt in Bamberg. "Grundsätzlich werden die Straßenkreuze nur geduldet und müssen vorher abgestimmt werden", erklärt Bauamts-Mitarbeiter Rainer Eichfelder, der für das Gebiet Forchheim zuständig ist.

Das Wichtigste dabei: Die Kreuze und Beigaben dürfen den Straßenverkehr nicht gefährden. Es habe in der Vergangenheit bereits Fälle gegeben, an denen die Angehörigen kein Kreuz direkt an der Unfallstelle - beispielsweise in einer Kurve - aufstellen durften, erinnert sich Eichfelder. Außerdem sollten an der Straße keine massiven und übergroßen Kreuze und Figuren errichtet werden. "Gedenken ja - aber es sollte kein Friedhof entstehen."

Im besten Fall besichtigen Trauernde und Mitarbeiter der Straßenmeisterei die Unfallstelle zusammen und entscheiden vor Ort, wo am Wegrand ein Mahnmal aufgestellt werden kann. "Meistens finden wir dann eine gemeinsame Lösung", betont Eichfelder.

Kreuze sind wichtig um Unfall zu verarbeiten

Auch die Forchheimer Polizei hat nichts gegen das Aufstellen von kleinen Holzkreuzen am Straßenrand. "Manche Hinterbliebenen brauchen die Straßenkreuze zum Verarbeiten des Unfalls", weiß Hartmut Demele, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizei Forchheim. Wenn ein tödlicher Unfall in ihrem Zuständigkeitsbereich passiert ist, haben die Forchheimer Beamten auch die folgenden Wochen noch oft Kontakt mit den Trauernden. Demele hat es als Polizist selbst schon erlebt, wie wichtig den Familienangehörigen oder Freunden der Unfallort sein kann. Häufig stellen die Betroffenen die Kreuze, Kerzen und Blumen bereits wenige Tage nach dem Unglück an der Unfallstelle auf.

Polizeihauptkommissar Demele hat für die Trauerarbeit am Straßenrand durchaus Verständnis: Einige Angehörige wohnen beispielsweise unweit der Unfallstelle, fahren regelmäßig daran vorbei und werden so immer wieder an den Verstorbenen erinnert. "Wir kennen auch Örtlichkeiten im Landkreis Forchheim, an denen die Trauerstelle noch über Jahre hinweg liebevoll gepflegt wird", betont Demele. "Ich persönlich finde es sogar positiv, dass Unfallkreuze aufgestellt werden." Auch bei der Polizei stehe hier der Pietätsgedanke im Vordergrund.



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