Forchheim
Historie

Forchheim: Wie über Nacht plötzlich die Linden am Paradeplatz für die Tiefgarage fielen

Für die 80er-Serie haben wir im FT-Archiv gestöbert: Kaum ein Ereignis spaltete Forchheim damals so wie der Bau der Tiefgarage am Paradeplatz. Eine umstrittene Aktion schaffte am 5. April 1982 Fakten.
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In wenigen Minuten war alles vorbei. Foto: Hans Grün/FT-Archiv
In wenigen Minuten war alles vorbei. Foto: Hans Grün/FT-Archiv
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Es geschah in den frühen Morgenstunden. An einem Montag um 5.45 Uhr heulten am Forchheimer Paradeplatz die Motorsägen auf - an mehreren Stellen gleichzeitig. Nur eine halbe Stunde später war alles vorbei. Die Linden an der Nordseite des Paradeplatzes standen nicht mehr. Am 5. April 1982 wurden die Bäume in einer "generalstabsmäßigen" Aktion gefällt. Wer die Fotos von FT-Fotograf Hans Grün s betrachtet, sieht noch heute, welche Bedeutung die Baumfällaktion in der Königsstadt hatte. Bürger stehen betroffen neben umgesägten Linden, Polizisten diskutieren mit Anwohnern.

Junge "Lindenbesetzer" wehrten sich gegen Baumfällung

Die hohen, alten Linden mussten weichen, damit mit dem Bau der Tiefgarage am Paradeplatz begonnen werden konnte. Vergeblich hatten sich vorher meist junge "Lindenbesetzer" gegen das Baumsterben stark gemacht. Auch andere Tiefgaragengegner lehnten den Bau ab, weil sie das finanzielle Risiko für die Stadt fürchteten. Selten war die Forchheimer Gesellschaft so gespalten wie in der Tiefgaragen-Frage. In den vorangegangenen 14 Tagen machten die jungen "Lindenbesetzer" die Öffentlichkeit in einem (gewaltlosen) Kampf gegen das Baumsterben aufmerksam.

Viele hatten es bereits erwartet, als die Spezialfirma aus Hof die Bäume umlegte. Am Sonntag vorher waren die Linden noch Kulisse für den April-Jahrmarkt. Nun lagen die Bäume auf dem Pflaster. Als die ersten Augenzeugen kamen, war alles schon vorüber. Trotzdem machten die Gegner der Maßnahme ihrem Unmut nochmals Luft. Es war auch viel Betroffenheit und Trauer zu spüren. Andere sicherten sich so manches Stück Holz als Andenken oder als Heizvorrat.

Als die Arbeiten begannen, waren acht Forchheimer Polizisten vor Ort. Die Beamten sollten die Arbeitsstelle absichern, waren aber auch auf mögliche Protestaktionen vorbereitet. Eine Polizei-Reserve stand "für alle Fälle" bereit. Doch an diesem entscheidenden Tag kam es zu keinerlei Übergriffen. Ein Jahr später wurde die Tiefgarage im Herzen Forchheims eröffnet.

Und heute, 38 Jahre später, gibt es Pläne, bei der Umgestaltung des Paradeplatzes wieder Bäume zu pflanzen.

Die Schlagzeilen der 80er

1980 Eröffnung der Piastenbrücke und der Autobahn A 73 in Forchheim

1981 Eröffnung der Jahn-Kultur-Halle

1982 Linden am Paradeplatz werden wegen der Tiefgarage gefällt

1983 Fertigstellung der A 73 bis Hirschaid und Eröffnung der Tiefgarage Paradeplatz

1984 Erstmals Weihnachtsmarkt am Rathausplatz und Sprengung des Seltsamkamines

1985 Einweihungsfeier der Sportinsel

1986 Die GWS wird gegründet und das neue VFB-Sportgelände sowie das Pfarrzentrum Verklärung Christi eingeweiht.

1987 Erste Stadtparkserenade

1988 Parkhaus Kronengarten wird eröffnet

1989 Stadt kauft für 800 000 DM die Kaiserpfalz. Das "Bächla" fließt in der Hauptstraße, die zur Fußgängerzone wird

1990 Jubiläum 150 Jahre Annafest; Franz Stumpf tritt die Nachfolge von Traitteur als Oberbürgermeister an

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