Forchheim
Prozess

Forchheim: Widerspenstiger Spucker landet vor Gericht

Eine beleidigende Geste gegen Polizeibeamte kommt einem 28-jährigen Forchheimer womöglich teuer zu stehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
In der Bamberger Straße soll der Mann in Richtung eines Streifenwagens gespuckt haben. Die Polizeikontrolle eskalierte. Foto: Ronald Heck
In der Bamberger Straße soll der Mann in Richtung eines Streifenwagens gespuckt haben. Die Polizeikontrolle eskalierte. Foto: Ronald Heck

Wie ein vermeintlich kleiner Zwischenfall mit der Polizei strafrechtliche Auswirkungen haben kann, bekam ein Mann aus Forchheim zu spüren. Die Folgen einer provokanten Spuckattacke brachten den 28-Jährigen auf die Anklagebank.

Anfang Januar lief er früh am Abend mit Freunden in der Bamberger Straße, als ihnen ein Streifenwagen entgegenfuhr. "Da reißt er die Hände hoch und spuckt in Richtung unseres Streifenwagens", erinnert sich der Beamte. Vor Gericht versucht sich der Angeklagte herauszureden. Er und seine Kumpels hätten sich chinesisches Essen geholt und dabei eine Flasche Sangria getrunken. "Vielleicht habe ich mich dabei verschluckt", rechtfertigte sich der 28-Jährige.

Forchheimer rennt vor Polizei weg

Als der Angeklagte bemerkte, dass das Polizeiauto umdrehte, rannte er weg. An seiner Wohnung um die Ecke angekommen, versuchte er schnell hineinzukommen und klingelte. "Ich bin halt bei der Polizei vorsichtig", erklärte er. Der Polizeibeamte und seine Kollegin stellten ihn vor der Haustür und kontrollierten ihn. Der Angeklagte beteuert, dass er sich dabei kooperativ verhalten habe. Doch die Personenkontrolle eskalierte.

"Wir wollten gerade die Personalien feststellen. Dann geht er mit drohender Geste und erhobener Faust auf mich zu", sagt der Polizist und fügt hinzu: "Eigentlich wäre nichts passiert, wahrscheinlich nicht einmal eine Anzeige." Zudem kam der Vater des Angeklagten aus der Wohnung und habe die ganze Zeit herumgebrüllt.

Der Beamte wehrte die vermeintliche Attacke des 28-Jährigen ab und drückte ihn auf den Boden. Der Polizisten fixierte ihn und legten ihm Handschellen an. Es kam zu weiteren Schubsereien. Weil dieser es als ungerecht empfand, habe er sich gewehrt, räumt der Beschuldigte ein. "Nur weil sie Polizisten sind, dürfen sie mir doch nicht einfach Handschellen anlegen", meint er.

Ungewöhnliche Beleidigung

Der 28-Jährige soll die Polizistin außerdem mit den Worten "Du bist ein Pinocchio" beleidigt haben. An die Beleidigungen könne sich der Angeklagte nicht erinnern - aber ausschließen ebenso wenig. Dafür ist sich der Polizeikollege sicher: "Denn das war schon eine ungewöhnliche Beleidigung."

Umso erstaunlicher für die Beamten: Im Streifenwagen sei der Forchheimer plötzlich kooperativ gewesen und habe sich sogar entschuldigt. Das passiere den Polizisten nicht häufig. Der Angeklagte habe auch keinen betrunkenen Eindruck gemacht.

Auch im Landkreis Forchheim werden Einsatzkräfte zunehmend mit Gewalt konfrontiert: Sie werden beleidigt, bedroht, geschlagen - und das, obwohl sie helfen wollen.

Der Beschuldigte hat drei Vorstrafen auf dem Kerbholz: Körperverletzung, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der Staatsanwalt Ralph Zenger war von der Schuld überzeugt. Der Angeklagte habe das Schubsen zugegeben, aber die Verantwortung eben auf die Polizei geschoben. Der Bamberger Staatsanwalt hielt eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 30 Euro für angemessen. "Die Gewalteinwirkung war relativ gering, die Beamten trugen keine Verletzung davon und er hat sich danach direkt entschuldigt", hielt Zenger ihm zugute. Von einer Freiheitsstrafe könne abgesehen werden.

Amtsrichterin Silke Schneider teilte diese Einschätzung und verurteilte den 28-Jährigen zu den geforderten 4500 Euro Strafe. "Ihre Aussage war nur halbgar. Sie wissen, dass es so war und nicht in Ordnung war", sagte Schneider. Mit der Spuckaktion habe er seine Missachtung ausdrücken wollen. Zudem habe auch der Vater zur Eskalation beigetragen. Beim Verlassen des Verhandlungssaals tönte der erboste Vater, der als Zuhörer das Urteil verfolgte: "Wir werden in Berufung gehen!"

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.