Forchheim
Protest

Forchheim widersetzt sich lautstark den AfD-Reizfiguren

Rund 1000 Demonstranten machten am Mittwochabend in Forchheim ihrem Ärger über den Auftritt von Björn Höcke Luft.
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Abgeriegelt durch Polizeiautos protestierten am Paradeplatz Hunderte gegen die AfD. Fotos: Barbara Herbst
Abgeriegelt durch Polizeiautos protestierten am Paradeplatz Hunderte gegen die AfD. Fotos: Barbara Herbst
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Auf dem Paradeplatz wartete um 18 Uhr ein Häuflein AfD-Anhänger vor der leeren Rednerbühne, während sich nebenan auf dem Marktplatz mehrere hundert Gegendemonstranten versammelt hatten. Schon zu diesem Zeitpunkt schien die von Bunt statt Braun (Bsb) und vom Bündnis gegen Extremismus jeder Art organisierte Kundgebung gegen Björn Höcke ihr Ziel erreicht zu haben. "Mit der eigenen Veranstaltung zeigen wir, dass denen nicht die Straße gehört", sagte Laurenz Kuhmann, der SPD-Kreisvorsitzende.
Hundert Gegendemonstranten habe er anfangs erwartet, sagte Bsb-Sprecher Ludwig Preusch. Schnell waren es dann aber mindestens 400 geworden. Der Marktplatz war dicht bepackt mit Menschen. Unter ihnen auch viele Stadträte, Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) oder der Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz (SPD). Er werde sich von "Reizfiguren" wie Björn Höcke "nicht provozieren lassen, aber dennoch darauf hinweisen, was für eine Person Höcke ist", betonte Ludwig Preusch.
Der SPD-Landtagskandidat Richard Schmidt war einer von elf Rednern, die auf der Bsb-Redner-Liste standen. Er wolle rüberbringen, dass die AfD-Politik ein "Lügengeflecht" sei, sagte der 21-Jährige kurz vor seinem Auftritt. Auch Redner wie Emmerich Huber (er sprach im Namen von Pulse of Europe, FGL und Bsb), Atila Karabag (SPD, Bsb) oder Günter Pierdzig (Nordbayerische Bündnisse gegen Rechts) klärten über das AfD-Weltbild auf. "Dieses Programm richtet sich gegen die kleinen Leute", ist Atila Karabag überzeugt. Ein "Sammelsurium von Unsinn" nannte Emmerich Huber das AfD-Programm. Vordergründig klinge manches nach Vielfalt. Doch letztlich fordere die AfD ein "Europa der Vaterländer" und ziele darauf, "ein friedliches Europa aufzulösen".


Besucher aus Weiden begeistert

Nach den Reden setzte sich der Zug der Gegendemonstranten lautstark in Richtung Paradeplatz in Bewegung. In der Platzmitte hatte die Polizei einige hundert Quadratmeter für die AfD-Anhänger mit Gittern gesichert. Dort standen rund 200 Besucher, die Georg Hock (Mitglied im Vorstand der bayerischen AfD), Dominik Pflaum (Forchheimer Kreis-Vorsitzender), MdB Johannes Huber und Björn Höcke (AfD-Fraktionsvorsitzender im thüringischen Landtag) hören wollten. Nach seinen Erwartungen befragt, sagte ein Mann mit Deutschlandfahne: "Kein Interesse, mit ihnen zu reden, ihr schreibt eh, was ihr wollt." Eine Frau aus der Oberpfalz, die mit ihren Freunden vom AfD-Ortsverband Weiden im Bus nach Forchheim gereist war, sagte: Sie sehe Björn Höcke heute Abend nicht das erste Mal. Höcke begeistere sie: "Er hat das Herz am rechten Fleck, er liebt Deutschland."
Jenseits des Sperrgitters hatten sich die Gegendemonstranten mit Transparenten und Trillerpfeifen versammelt. Viele hielten rote Karten hoch oder schrien "Schämt euch", "Nazis raus", "Höcke abschieben". Die Anhänger auf der Platzmitte skandierten "Haut ab" oder "Merkel muss weg".


Flüchtlingshilfe profitiert

Björn Höcke eiferte gegen die "Sozialstaatsvernichter"; gegen die "vermerkelte Amigo-CSU" oder gegen die Willkommenskultur als "geistige Krankheit der Selbstauflösung". Er sprach vom "Ein-Parteien-Kartell, das eine Spur der Verwüstung durch das Land gezogen hat" - und er rief zu Widerstand und Renitenz als "erste Bürgerpflicht" auf.
An den Sperrgittern war Hass zu spüren, wenn sich radikale Anhänger und Gegner der AfD gegenseitig beleidigten und anschrien. Am Ende der Kundgebung bildeten Polizistinnen und Polizisten lange Ketten, die die beiden abziehenden Lager trennten. Die FDP Forchheim münzte die AfD-Beiträge vom Mittwochabend am Donnerstagmorgen in eine "gute Aktion" um. FDP-Chef und Stadtrat Sebastian Körber: "Wir fanden es eine gute Idee, die Redezeit der AfD in Euros aufzuwiegen und so einem guten Zweck zuführen zu können." Die gesamte Redezeit betrug etwa 112 Minuten, sagte Körber: "Wir haben uns entschlossen, 175 Euro an die Flüchtlingshilfe Forchheim zu überweisen."


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