Forchheim
Design

Forchheim: So sehen die Geländer aus, die im Kellerwald kommen sollen

Aus Sicherheitsgründen müssen die Geländer im Kellerwald ausgetauscht werden. Nun wurde die speziell für Forchheim gestaltete Stabkonstruktion vorgestellt.
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Zur Veranschaulichung wurde das Miniaturmodell des neuen Geländers vor dem Schützenhaus-Keller platziert. Foto: Stadt Forchheim
Zur Veranschaulichung wurde das Miniaturmodell des neuen Geländers vor dem Schützenhaus-Keller platziert. Foto: Stadt Forchheim
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Das Geländer soll einzigartig sein und zum Ambiente des Kellerwaldes passen. Der beauftragte Erlanger Bauingenieur Markus Gräßel präsentierte am Dienstag seinen Entwurf. Herausgekommen sind filigrane Stahlstäbe, die teils leicht schräg von oben nach unten verlaufen. "Die Konstruktion hat den Vorteil, dass sie nicht wie ein Gitter aussieht", erläuterte Gräßel. Die Stäbe sind dreiecksförmig angeordnet, wodurch das Geländer die nötige Stabilität bekommt.

Wald-Ästhetik und Sicherheit

Weil die bestehenden Geländer im Forchheimer Kellerwald nicht sicher genug sind, müssen sie gegen neue, dauerhafte Umwehrungen getauscht werden. Der Architekt, der auch die Geländer für die Erlanger Bergkirchweih entwickelte, erklärte die Besonderheiten und Herausforderungen im Kellerwald: Das Gelände in Forchheim ist weitläufig und liegt mitten im Wald. Ringsum die 23 Keller ragen hohe Bäume in den Himmel. Neben der Ästhetik müssen die neuen Geländer dem geforderten Sicherheitsstandard entsprechen: Der neue Geländerholm auf einer Höhe von 1,10 Meter hält ausreichend Last aus (ein Kilonewton). Aktuell gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Geländern, die fast alle aus Holz sind. Sie sind teilweise sehr massiv, entsprechen aber nicht den Bestimmungen der Bauordnung.

Für das Annafest 2019 wurden deshalb Provisorien installiert. Die neuen, exklusiv für den Forchheimer Kellerwald entworfenen Geländer sollen dauerhaft befestigt werden. Gräßel stellte den Mitgliedern des Planungsausschusses am Dienstag vier leicht unterschiedliche Varianten seines Kellerwaldgeländer-Designs vor. Sie unterscheiden sich vor allem an der Anordnung und der Verschränkung der Stäbe.

Ein Merkmal des Entwurfs sei die hohe Transparenz, die dünnen Stäbe versperrten kaum die Sicht, betont der Ingenieur. Das Design mit den schräg stehenden Stäben entspräche - analog zu schrägen Bäumen - dem "Kellerwald-Bild". Der Ausschuss einigte sich auf Variante 4: In einigen Abständen kreuzen sich jeweils zwei Stäbe. Das macht das Geländer einerseits noch stabiler, andererseits sei es eine moderne Reminiszenz an die bestehenden, gekreuzten Holzgeländer im Kellerwald.

Die Spalten zwischen den Stäben weiten sich nach unten auf, dadurch soll verhindert werden, dass Besucher stecken bleiben. Die Abstände seien zudem breit genug, so dass keine Gefahr durch "Daumenquetschungen" bestehe, warb Gräßel. Weitere Vorteile: Die Bauweise könne "quasi endlos" erfolgen und die Geländer lassen sich flexibel aneinanderreihen. Über dünne Rohrhülsen wird das Geländer im Boden verankert und ist dadurch an kein Raster gebunden. Die Konstruktion kann jeder Form folgen, über Ecken verlaufen und berücksichtigt Bäume sowie deren Wurzeln. "Das ist ein Geländer, das es so noch nicht gab und auf die Eigenschaften des Kellerwaldes eingeht", warb Gräßel.

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) lobte den Entwurf: "Forchheim geht voran mit diesem Kellerwaldgeländer. Getreu dem Motto ,fränkisch modern mit altem Kern'." Insgesamt müssen im Kellerwald 1135 Meter Geländer ausgetauscht werden. Die Stabkonstruktion soll aus feuerverzinktem Stahl mit einer "Duplexbeschichtung" gefertigt werden. Es gibt vier Farbvarianten, unter anderem grau bis dunkelbraun. Das Modell des Ingenieurbüros ist grünbraun. Die Kosten seien nicht höher wie bei einem normalen Stahlgeländer, fügte Architekt Gräßel hinzu. Der laufende Meter kostet 950 Euro ohne Nebenkosten. Material und Konstruktion seien beständig und für das Kellerwald-Gelände gut geeignet - unter anderem können Höhenunterschiede ausgeglichen werden. Die Geländer sollen nicht in den Sandstein, sondern dahinter im Boden verankert werden. Einzelne erhaltenswerte, historische Holzgeländer könnten stehen bleiben, indem die Stabkonstruktion dahinter installiert wird.

Die Stadträtinnen und Stadträte im Planungsausschuss lobten Gräßels Entwurf und beschlossen einstimmig, ein 1-zu-1-Modell fertigen und im Kellerwald aufstellen zu lassen. Der finale Beschluss fällt im Stadtrat. Bei einer Besprechung hätten sich laut OB die Kellerwirte auch für die Stahlkonstruktion ausgesprochen. Die Wirte sind für die Pflege der Geländer zuständig. Stadt und Kellerwirte seien über die Kostenbeteiligung an den neuen Geländern noch im Gespräch. Auch Stadtheimatpfleger Franz Schürr habe die neue Konstruktion für in Ordnung befunden, so Kirschstein.

Erste Geländer am Annafest 2020

Bereits am kommenden Annafest 2020 könnte der erste Keller mit dem neuen Geländer ausgestattet werden. In den folgenden Jahren sollen sukzessive alle Freischankflächen im Kellerwald die neuen Stabgeländer bekommen, erklärte Stadtbauamtsleiter René Franz.

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