Forchheim
Europawahl

Forchheim: Sind Schüler reif genug, um zu wählen?

An der Ritter-von-Traitteur-Mittelschule in Forchheim wählten Jugendliche am Freitag für die anstehende Europawahl. Sie nahmen an dem Projekt U18 teil, um die Frage zu beantworten, ob die Schüler reif genug sind, um zu wählen.
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Damian Marciallopez von der Ritter-von-Traitteur-Mittelschule in Forchheim bei der Wahl. Der Schüler nimmt an der Initiative für politische Bildung teil und darf bei diesem Projekt als Jugendlicher wählen. Foto: Christoph Wiedemann
Damian Marciallopez von der Ritter-von-Traitteur-Mittelschule in Forchheim bei der Wahl. Der Schüler nimmt an der Initiative für politische Bildung teil und darf bei diesem Projekt als Jugendlicher wählen. Foto: Christoph Wiedemann

Informieren, Zettel holen, Kreuzchen machen, falten und einwerfen. Für Erwachsene ist das nichts Neues. Der Ablauf einer Wahl ist klar. Doch für Schüler ist diese Erfahrung neu. In der Aula der Ritter-von-Traitteur-Mittelschule konnten Schüler die anstehende Europawahl hautnah miterleben: U18 heißt die Initiative politischer Bildung, mit dem Ziel, Schüler und Kinder mit Demokratie in Kontakt zu bringen.

Schon im Vorfeld der Wahl haben sich die Schüler zusammen mit den Lehrern informiert. "Wir haben im Internet geschaut", sagt Damian Marciallopez, "und haben den Wahl-O-Mat gemacht". Außerdem haben die Schüler das TV Duell analysiert, ergänzt die Lehrerin Andrea Schulze.

Heraus kam sogar ein Slogan für die Europawahl: MEGA - Make Europe Great Again. Unter dem großen Motto Frieden haben sich die Schüler Gedanken gemacht, was ihnen wichtig an Europa ist.

Was Jugendlichen wichtig ist

Neben Meinungsfreiheit und einem Leben ohne Grenzen standen vor allem Themen wie CO2, die Umwelt, Arbeitsplätze und die Flüchtlingspolitik bei Schülern hoch im Kurs.

Das erkennt auch der Leiter dieser Wahl-Aktion in Forchheim, Mathias Breunlein. "Die meisten Schüler interessieren sich für den Klimaschutz und Migrationsthemen", fasst er zusammen.

Begonnen hat Breunlein mit diesem Projekt bereits 2013 zur Bundestagswahl. "Auch da waren wir an der Ritter-vonTraitteur-Mittelschule." Es gehe vor allem darum, "Hürden abzubauen und die Schüler auf eine Wahl vorzubereiten".

2013 stand keine Diskussion im Raum, ob Jugendliche mit 16 Jahren wählen dürfen, erinnert sich Breunlein. Das sei bei dieser U18-Wahl neu, weil man "ernsthaft darüber nachdenken muss", sagt Breunlein.

Er sieht diese Diskussion zwiegespalten an. Auf der einen Seite sei Mitbestimmung auch von Jugendlichen gut. Sollten Jugendliche mit 16 wählen dürfen, ist Breunlein der Meinung, "dass in den Schulen Demokratie gelehrt werden muss."

Denn der Leiter des Jugendhauses in Forchheim glaubt, "dass die meisten 16-Jährigen nicht den Durchblick für komplexe Zusammenhänge haben". Mit dieser Meinung steht er nicht allein da. Selbst viele Jugendliche meinen, dass sie zu jung sind, um zu wählen: "Man sollte nicht unter 18 wählen dürfen, weil man sich in dem Alter nicht so für Politik interessiert", sagt die 17-jährige Schülerin, Ilayda Akyol.

Anderer Meinung ist der 15-jährige Damian Marciallopez. Er würde gerne wählen gehen, um mitbestimmen zu können: "Denn dann kann man sich nicht beschweren, wenn einem was nicht passt."

Genauso verschieden sind die Meinungen von den Parteien in Deutschland. "Ich finde die Grünen gut", sagt Damian Marciallopez, "weil die sich für die Umwelt einsetzen." Andere Schüler tendieren lieber zur CSU oder der FDP. Doch beinahe alle stimmen mit einigen Programmpunkten der AfD überein: "Andere Parteien holen Flüchtlinge nach Deutschland und die AfD sagt Stopp", sagt Damian Marciallopez, wobei ihm einige Schüler zustimmen. Allerdings erkennen sie auch, "dass die AfD ja gar keine Ausländer haben will", sagt Ilayda Aykol.

Ausgezählt werden die Stimmen der Schüler aus Forchheim am Freitagabend. Wie die Schüler deutschlandweit gewählt haben, wird in der kommenden Woche bekannt gegeben.

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