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Forchheim: Senioren waren drei Wochen im Jahnpark "eingesperrt"

In der Senioren-Wohnanlage Jahnpark, Betreutes Wohnen, streikte der Aufzug. Es dauerte drei Wochen, bis das defekte Ersatzteil beschafft und eingebaut werden konnte.
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Drei Wochen lang stand der Aufzug im Pflegezentrum Jahnpark still. Foto: Josef Hofbauer
Drei Wochen lang stand der Aufzug im Pflegezentrum Jahnpark still. Foto: Josef Hofbauer
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Seit drei Wochen ist in einem der vier Häuser der Senioren-Wohnanlage im Jahnpark der Aufzug defekt. Die zum Teil behinderten Bewohner, insbesondere Menschen in den oberen Etagen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, fühlen sich wie eingesperrt.

"Wir leiden sehr darunter, dass für uns ein selbst bestimmtes Leben unmöglich geworden ist", klagt Friedrich Pfister, der im zweiten Stock dieses Gebäudes wohnt. Unter Aufbietung all seiner Kräfte, schafft er es, einmal pro Tag die Treppe mit dem Rollstuhl zu überwinden. Anderen, die nicht so fit sind, ist es unmöglich, an ihren Briefkasten im Parterre des Hauses zu kommen oder Besorgungen selbst zu erledigen.

Keiner weiß Bescheid

Für Friedrich Pfister das Schlimmste: Weder sein Vermieter, noch die Gebäude-, Vermietungs- und Verwaltungsgesellschaft (GVV) Erlangen, die vom Verwaltungsbeirat des Hauses mit der technischen Betreuung betraut wurde, konnten ihm Auskunft geben, warum die Reparatur des Aufzuges ungewöhnlich lange dauert. "Wir haben keine Ahnung, was da los ist", bedauert BRK-Kreisgeschäftsführerin Birgit Kastura. Sie bestätigt aber, dass die BRK-Mitarbeiter, die für die Pflege und Versorgung der Bewohner des Jahnpark-Pflegezentrums zuständig sind, den Betroffenen in den oberen Stockwerken seit 31. Oktober das Essen aufs Zimmer bringen.

Alles Mögliche getan

Geschäftsführer Roland Feder von der GVV bestätigt: "Uns wurde am 30. Oktober gemeldet, dass eine Person in diesem Aufzug eingeschlossen sei. Darauf haben wir sofort reagiert und das für die Wartung der Aufzüge zuständige Partner-Unternehmen "Wico" (Winkler, Coburg) in Marsch gesetzt." Feder fügt an: "Technische Mängel werden von unserem Personal umgehend begutachtet und so schnell wie möglich behoben."

Warum der Aufzug seit drei Wochen außer Betrieb ist, dafür macht er die Münchner Aufzugsfirma Vestner verantwortlich, die 1996 in den Gebäuden baugleiche Aufzüge installiert hat. Damit technische Probleme möglichst rasch behoben werden können, habe die GVV das Nürnberger Unternehmen ubpa (Unterstützung zur Betreuung und Planung von Aufzugsanlagen) zu Rate gezogen.

Dies bestätigt Diplomingenieur Stefan Wetzel. Er habe versucht, von Vestner Ersatz für die defekte Steuerungsplatine zu bekommen, sei aber nur vertröstet worden. "Das ging fast zwei Wochen so", schildert Christian Winkler , Chef des Wartungsunternehmens Wico. "Vor zwei Jahren hatten wir ein ähnliches Problem", so Winkler. Damals habe Vestner das benötigte Bauteil umgehend geliefert. Deshalb sei er gar nicht auf die Idee gekommen, dass diesmal alles so schwierig werden würde.

Verwirrspiel bei Hersteller

Das Verwirrspiel des Aufzugherstellers aus der Landeshauptstadt schildert Winkler so: Erst habe Vestner erklärt, sie hätten mit Ersatzteilen nichts zu tun. Aber in Bamberg gebe es einen Partner, der sich bei ihm melden wolle. Das habe er aber nicht getan. Eine Woche lang habe er diesem Kontaktmann vergeblich hinterher telefoniert. Als Winkler ihn endlich an die Strippe bekam, erfuhr er, dass dieser Mitarbeiter krank geschrieben war.

"So geht das nicht weiter", beschloss Winkler, der fast zwei Wochen Zeit verloren hatte. Er wandte sich an eine Spezialwerkstatt in Berlin, mit der Bitte, die defekte Platine zu reparieren. Als dies nicht möglich war, habe er das defekte Teil nachbauen lassen.

Allein zwei, drei Tage habe es gedauert, das passende Relais zu beschaffen. Auch das sei nicht reibungslos vonstatten gegangen, denn das benötigte Teil werde nicht mehr hergestellt. Mittlerweile sei aber eine neue Platine fertiggestellt wenn auch nicht mit dem baugleichen Originalteil. Es sei aber kein Problem, das neue Teil zu installieren. Die Platine sei geprüft und wurde am Freitag eingebaut.

Soll nicht wieder vorkommen

Die betroffenen Bewohner zu informieren habe sich vor allem deshalb so schwierig gestaltet, weil das Wartungsunternehmen selbst nicht gewusst habe, wann das Ersatzteil verfügbar sein würde. "Aber das passiert kein zweites Mal", verspricht Christian Winkler.

Er weiß: Die Aufzüge im Pflegezentrum Jahnpark stammen alle aus der gleichen Zeit und von der gleichen Firma. Deshalb sei davon auszugehen, dass über kurz oder lang ähnliche Probleme bei den anderen Aufzügen auftreten. "Deshalb werde ich dem Verwaltungsbeirat vorschlagen, die Platinen rechtzeitig auszutauschen", so Winkler. Diesen Vorschlag hatte er bereits bei der Reparatur des anderen Aufzuges vor zwei Jahren gemacht. Damals hätten die Eigentümer noch abgelehnt.

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