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Forchheim schließt einen Pakt

Die Große Kreisstadt verpflichtet sich: Ab 2020 wird die Beschaffung von Lebensmitteln, Textilien oder Bürobedarf sozial- und umweltverträglich sein.
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Das Luftbild zeigt, wie stark der Forchheimer Süden mit Industriehallen belegt ist und wie schwer es demnach für die Stadt ist, nachhaltig mit Flächen umzugehen.  Foto: Ronald Rinklef
Das Luftbild zeigt, wie stark der Forchheimer Süden mit Industriehallen belegt ist und wie schwer es demnach für die Stadt ist, nachhaltig mit Flächen umzugehen. Foto: Ronald Rinklef

Eine Vorbild-Funktion hat Forchheim als Fairtrade Town bereits. Seit Donnerstag liegt die Messlatte aber noch deutlich höher. Denn die Stadträte im Kulturausschuss haben beschlossen, einen Pakt mit der Metropolregion Nürnberg zu schließen, der die Kommunen zur "nachhaltigen Beschaffung" verpflichtet.

"Das kann sehr weitreichend sein", sagte Annette Prechtel (FGL). Nachhaltige Beschaffung könne sich auf einen Geschenkkorb der Stadt genauso beziehen wie auf die Verpflegung in den Schulen oder auf die Verwendung von Baustoffen.

In jedem Falle würden die Ausgaben steigen, sagte die Grüne Fraktionssprecherin und regte an, über ein Budget nachzudenken, um die Bedingungen des Pakts auch erfüllen zu können.

Beschlossen hat ihn der Rat der Europäischen Metropolregion Nürnberg e.V am 19. Juli. Nach Auskunft des Vereins sind in der Metropolregion Nürnberg aktuell 56 Kommunen und Landkreise, sowie 76 Schulen und Hochschulen mit dem Titel "Fairtrade" ausgezeichnet.

Der "dynamische Prozess" des Beschaffungspaktes werde durch eine Entwicklungsagentur unterstützt. Damit die Agentur wirksam ist, wurden zweieinhalb Arbeitsplätze geschaffen. "Ein Schwerpunkt mit Hebelwirkung wird in der nachhaltigen Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen durch die Kommunen gesehen", heißt es im Ratsbeschluss.

Es sei "sinnvoll, klar definierte Standards" zu erfüllen, lobte der Forchheimer Stadtrat Manfred Hümmer (FW) den Pakt der Kommunen in der Metropolregion. "Überfällig" sei der Zusammenschluss, sagte Annette Prechtel; merkte aber auch selbstkritisch für Forchheim an, dass "wir leider keine Vorreiter sind".

Um den Pakt angemessen erfüllen zu können, müsse auch über eine entsprechende personelle Ausstattung in der Verwaltung nachgedacht werden, appellierte Paul Nerb (FBF). Und Udo Schönfelder (CSU), der sich "regelrecht begeistert" über den Vorstoß des Rats der Europäischen Metropolregion zeigte, hob vor allem das Thema Plastikmüll hervor. Teil des Paktes müsse es sein, dass Forchheim vom Plastik wegkomme. Er persönlich habe mittlerweile "fast schon eine Plastikallergie".

Ernüchternde Umfrage

Dass es aber nicht einfach sein wird, die Leitlinien und damit die Vorbildrolle zu erfüllen, das hat die Entwicklungsagentur der Metropolregion Nürnberg bereits dokumentiert: Im vergangenen Jahr hatte sie erstmals eine "Umfrage zur Beschaffung in den Kommunen der Metropolregion" durchgeführt. Dabei stellte sich heraus: Rund 60 Prozent der Kommunen befassen sich bisher "nicht oder nur marginal" mit einer ökologisch oder sozial verantwortungsvollen Beschaffung des kommunalen Bedarfs.

"Das Thema nachhaltige Beschaffung voranzubringen wird jedoch in der Region als unabdingbare Zukunfts- und Gemeinschaftsaufgabe gesehen", mahnt die Geschäftsstelle Metropolregion. Sie weist auch darauf hin, dass die Standards der kommunalen Beschaffung künftig geprüft werden würden.

Weil die Kommunen nicht von heute auf morgen ihre Produktvielfalt unter sozial- und umweltverträglichen Gesichtspunkten einkaufen kann, haben die am Pakt Beteiligten beschlossen, ab 2020 das Augenmerk vorerst auf Textilien, Lebensmittel, Sportbälle und Büromaterial zu legen. "Sukzessive" sollen die Standards dann auf andere Produkte ausgeweitet werden.

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