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Forchheim: Reuther Hut sorgt für Diskussionen im Stadtrat

Längst hätte die Stadt mit dem Bauen am Oberen Schulweg beginnen müssen, kritisiert die Forchheimer CSU. Sie wirft OB Kirschstein (SPD) vor, das Projekt bewusst zu verzögern.
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Auf der Reuther Hut sollen 30 Häuser gebaut werden. Doch noch sieht das Bebauungsareal so aus, als würden alle Räder still stehen. Foto: Ekkehard Roepert
Auf der Reuther Hut sollen 30 Häuser gebaut werden. Doch noch sieht das Bebauungsareal so aus, als würden alle Räder still stehen. Foto: Ekkehard Roepert
Forchheim Erste Planungen, auf der Reuther Hut (am Oberen Schulweg) ein Wohngebiet zu bauen, lösten 2014 große Debatten aus. Vor allem die Forchheimer SPD war es, die den "Schritt in die Hangbebauung" (Stadtrat Reinhold Otzelberger) fürchtete. Ab März 2015 begann sich die Bürgerinitiative "Schützt die Reuther Hänge" für ein Bürgerentscheid stark zu machen. Doch am 10. April 2016 signalisierten die Bürger, dass sie in der Mehrheit kein Interesse am Thema hatten: Mit einer Wahlbeteiligung von nur rund 13 Prozent wurde beim Bürgerentscheid das Quorum verfehlt.
Und was geschah dann? Aus Sicht der Forchheimer CSU zu wenig. Stadtrat Holger Lehnard kritisiert, dass OB Uwe Kirschstein das Thema "einfach nicht auf die Agenda bringt". Als der CSU-Rat den SPD-Oberbürgermeister jüngst im Ausschuss darauf ansprach, sicherte Kirschstein zu, die Bebauung auf der Hut "nach der Sommerpause" auf die Tagesordnung zu setzen.


Vorwurf: Verzögerung

Weil Uwe Kirschstein das von Ex-OB Franz Stumpf (CSU/WUO) favorisierte Baulandmodell bereits im Wahlkampf ablehnte, mutmaßt Holger Lehnard, dass Kirschstein die Angelegenheit bewusst verzögere. Denn am Oberen Schulweg würde noch das alte Modell greifen. Uwe Kirschstein hält Holger Lehnard entgegen, dass es nicht mehr darum gehe, das alte Modell durch ein neues zu ersetzen. Es werde in Forchheim längst nach verschiedenen Modellen gebaut.
Fakt ist: Für die 28 bis 30 Häuser, die am Oberen Schulweg geplant sind, wurde bereits Geld im städtischen Haushalt eingestellt. Die Bürger hätten durch den Bürgerentscheid signalisiert, dass sie "für das Bauen sind", betont Holger Lehnard. Einen gültigen Bebauungs- und Grünordnungsplan gebe es auch schon; weiterhin lägen Gutachten für Verkehr und Wasser vor, in die rund 100 000 Euro investiert worden seien. "Das Ding ist durch, alles ist richtig fortgeschritten, man hätte mit dem Bau längst beginnen können", meint Lehnard.
Dem widerspricht René Franz. Die Angelegenheit sei etwas komplizierter, betont der Chef des Forchheimer Bauamtes: "Das alte Baulandmodell greift Grundstücke von Bürgern ab, um sie jungen Familien zur Verfügung zu stellen." Die Idee sei, dass die Grundstückeigner 55 Prozent ihrer Fläche abgeben. Davon würden 15 Prozent kostenlos für die Erschließung verwendet. Für die restlichen 40 Prozent erhalte der Eigentümer 75 Euro pro Quadratmeter.
Jedoch, gibt René Franz zu bedenken: "Gerade bei den schwierigen Grundstücken auf der Hut funktioniert es nicht mehr, mit 75 Euro pro Quadratmeter die Erschließungskosten für das eigene Grundstück zu bezahlen."
Folglich: Bauamt und Liegenschaftsamt arbeiten daran, das alte Baulandmodel "mit der Rechtsgrundlagen des Umlegungsverfahrens zu parallelisieren", wie René Franz sagt. Das "neue Modell" ziele darauf ab, die Erschließung erschwinglich zu machen.
Grundsätzlich betont Franz, dass bei den Bauaktivitäten in Forchheim unterschiedliche Modelle zum Zuge kämen. Etwa sehe das Wohnraummodell vor, dass beim Geschosswohnungsbau 30 Prozent für geförderten Wohnungsbau zur Verfügung stehen. Oder, ganz anders, das Modell Weingartsteig: Dort sei wegen der Hanglage weder Geschosswohnungsbau vorgesehen, noch würden Grundstücke abgegeben. Die Ablöse funktioniere "monetär".
Für den Oberen Schulweg gelte zwar das alte Baulandmodell, sagt Franz: "Aber es ist ratsam, die Grundstückseigner in den Genuss des neuen Rahmenbedingungen kommen zu lassen." Genau das sei jetzt angesagt: Dem Stadtrat "nach dem Sommer" ein Baulandmodell vorzulegen, das die 22 Bauwilligen am Oberen Schulweg in den Genuss neuer Rahmenbedingungen bringt, "die besser sein sollten als die alten".
Sieben Wohneinheiten für junge Familien werden dank des Baulandmodells am Oberen Schulweg entstehen. Wer Interesse hat, könne sich beim Liegenschaftsamt melden, sagt René Franz: "Wir sind schon weit mit den Eigentümerverhandlungen. Aber das ist ja kein statisches Prinzip. Manche Leute ziehen weg oder es kommt ein Erbfall dazwischen und dann muss man neu verhandeln."
Der Bürgerentscheid habe das Vorhaben verzögert, sagt der Chef des Bauamtes: "Aber es gibt eben auch Verzögerungen anderer Art."


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