Forchheim
Archäologie

Forchheim: Forscher graben sensationelle Schätze am Rathaus aus

Höchst bedeutend sind die Funde, die unter dem Forchheimer Rathaus entdeckt wurden, in jedem Fall. Möglicherweise sind die Archäologen sogar auf die Pfalz und auf den Königshof gestoßen.
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Die archäologischen Untersuchungen im Rathaus Forchheim brachten Erstaunliches ans Licht. Foto: Grabungsfirma ReVe
Die archäologischen Untersuchungen im Rathaus Forchheim brachten Erstaunliches ans Licht. Foto: Grabungsfirma ReVe
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Einige Rätsel haben die Archäologen in Forchheim noch zu klären. Etwa wissen sie bislang nicht, wofür die vielen Öfen verwendet wurden, die sie unter dem Fundament des Forchheimer Rathauses fanden. Doch eines steht für Claus Vetterling (von der Bamberger Grabungsfirma ReVe) schon jetzt fest: Die Funde sind außergewöhnlich. Und sie deuten darauf hin, dass die Glanzzeit Forchheims als Pfalz und als Königshof ans Tageslicht kommt.

Funde am Forchheimer Rathaus machen Forscher nervös

Als Claus Vetterling am Donnerstag die Stadträte über den Stand der Grabungen informierte, wurde sein Vortrag plötzlich von Applaus unterbrochen. Nämlich genau in dem Moment, als Vetterling sagte, dass "die Funde auf ein Zentrum in Forchheim hindeuten, das bedeutender als Bamberg sein könnte".

Auf das Jahr 1402 wird das Fundament des Forchheimer Rathauses datiert. Mittlerweile sind die Altertumswissenschaftler in Schichten vorgestoßen, die bis zu 400 Jahre älter sind. Claus Vetterling spricht von "komplexen archäologischen Schichten", wie sie ihm noch selten begegnet seien: "Wenn man auf eine gebogene Mauer stößt, die ein Turm oder eine Apsis sein könnte, dann wird man als Archäologe nervös. Ich will nicht sagen wir haben die Pfalz gefunden, aber es ist möglich."

Neben den Öfen, die möglicherweise zum Bierbrauen verwendet wurden, fanden die Grabenden wertvolle Keramiken aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Unter anderem zwei kostbare Tüllenkannen, die nachweislich an Tafeln benutzt wurden.

Unter den Funden sind jede Menge Murmeln, mit denen in jenen Tagen sowohl Kinder als auch Erwachsene spielten. Oder: Würfel aus Elfenbein, Buntmetall-Schmuck, Spinnwirtel (die zum Garnspinnen verwendet wurden), Münzen, Tonfiguren, Reiter-Spielzeugfiguren aus Elfenbein - und eine Wärmekugel; sie wurde von Priestern verwendet, um sich die Hände zu wärmen, damit an kalten Tagen beim Gottesdienst nicht die Hostie aus den kalten Händen fiel.

In jedem Fall: "Sensationell"

Viele der Gegenstände, aber auch ein Hinterhof mit Gruben und Pfosten deuten auf ein Handwerksviertel hin. Oder auf einen Hof, an dem zahlreiche Handwerker beschäftigt worden waren. In jedem Fall könne man die Grabungsergebnisse "als sensationell betrachten", betonte Claus Vetterling.

Bei den Stadträten stieß sein Bericht über das "hoch komplizierte Abtragen der Erd- und Steinschichten" auf ungeteilte Begeisterung. Beim Zuhören sei sein "Lokalpatriotismus gewachsen", sagte Udo Schönfelder (CSU). Manfred Hümmer (FW) regte an, diese archäologischen Entdeckungen "erlebbar zu machen" und einige Fundstücke möglichst schnell der Öffentlichkeit zu präsentieren.

130 Kisten voller Grabungsfunde haben die Archäologen schon gestapelt. Ivonne Weiler-Rahnfeld, die Gebietsreferentin vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, wies darauf hin, dass sämtliche Objekte zwar der Stadt Forchheim gehörten; aber die Auswertung werde "Jahre dauern".

Natürlich würden die ausgegrabenen Gegenstände aber eines Tages im Museum der Kaiserpfalz zu sehen sein. Claus Vetterling schlug vor, schon bald den Bürgern zumindest eine Auswahl der Funde in Vitrinen zu präsentieren.

Eine interaktive Übersicht zur Historie der Rathaussanierung in Forchheim:

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