Forchheim
Wirtschaft

Forchheim erntet die Früchte des Wachstums

Plötzlich verbucht Forchheim zusätzliche 16 Millionen Euro Gewerbesteuern und die Stadträte sind sich nicht einig, wie sie mit den Mehreinnahmen umgehen sollen.
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Der Süden der Stadt ist seit 20 Jahren der wirtschaftliche  Motor    Forchheims. Foto: Ekkehard Roepert
Der Süden der Stadt ist seit 20 Jahren der wirtschaftliche Motor Forchheims. Foto: Ekkehard Roepert

So recht können die Stadträte ihr Glück über die unerwarteten 16 Millionen Euro nicht fassen. Vor allem die Reaktion von Kämmerer Detlef Winkler, der trotz des Geldsegens zur Sparsamkeit rät, sorgte für Kontroversen. "Vorsicht" sei angebracht, meinte Winkler im Finanzausschuss am Mittwoch. Denn "Schwankungen" bei den Gewerbesteuereinnahmen seien nichts Ungewöhnliches. Und dann sagte der Kämmerer den für einige Räte ernüchternden Satz: "Zum Rumspielen ist da nix."

Reinhold Otzelberger (CSU) konnte seine Verwunderung nicht verbergen. "Das war ein bemerkenswerter Zwischenbericht, den ich so noch nie gehört habe." Gewerbesteuer-Schwankungen von plus/minus zwei Millionen Euro seien bislang die "Range" gewesen. "Aber 16 Millionen netto? In einer Stadt wie Nürnberg wäre das eine Schlagzeile wert - und in Forchheim?" Otzelberger nahm die Millionen-Einnahmen zum Anlass, die Wirtschaftspolitik des vormaligen Oberbürgermeisters Franz Stumpf (CSU/WUO) zu loben: "Die Grundstücksbevorratung und die Ansiedlungspolitik, das war ein langer Weg. Nach 20 Jahren kommen jetzt die Früchte, der Dank geht an Franz Stumpf."

Annette Prechtel (FGL) relativierte dieses Lob: "Das sind auch die Früchte der Arbeit der Wirtschaftsförderung." Zudem habe das Wachstum im Süden auch eine Schattenseite - "die Innenstadt wurde hinten angestellt". Daher forderte Prechtel, die Steuer-Einnahmen jetzt auch für Sanierungen zu nutzen.

Dass der Kämmerer mehr von Rückstellungen und Entschuldung sprach als von Investitionen, das trübte die Begeisterung von Paul Nerb (FBF): "Das ist die Sicht dessen, der das Geld zusammenhalten will, aber die Politik muss mutiger sein und braucht mehr Liquidität." Wann sollte die Stadt denn investieren, wenn nicht jetzt mit diesen Summen, fragte Nerb; während andere, wie Hans-Werner Eisen (CSU) und Sebastian Platzek (FDP) ihre Nähe zur Position des Kämmerers betonten. Statt einen "Highflyer zu bekommen", sollte die Stadt Rückstellungen bilden und Schulden abbauen, forderte Platzek. Und auch Eisen warnte: "Der Konjunkturhimmel trübt sich bereits ein. Daher sollten wir gute Kaufleute sein."

Detlef Winkler, der "Botschafter des guten Zahlenwerkes", wie Anita Kern (SPD) ihn nannte, hörte das vermutlich gern. Udo Schönfelder (CSU) wollte aber "lieber Planungen anschieben". Er verwies auf Themen wie das Kolpinghaus und die Bodenbevorratung. Dagegen betonte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) die Verpflichtungen, die auf die Stadt zukämen. Wollte man beispielsweise sämtliche Überstunden "ausbezahlen", die sich im Lauf der Jahre in der Verwaltung angesammelt hätten, würden alleine dafür 800 000 Euro benötigt. Vor allem aber erinnerte der OB an die künftigen Umlage-Verpflichtungen. Die Schlüsselzuweisungen von sechs Millionen Euro, die zuletzt ohnehin überraschend hoch ausgefallen seien, würden in den kommenden Jahren gewiss nicht mehr fließen. Uwe Kirschstein: "Um es salopp zu sagen, wir wechseln von einer Bedarfs- zu einer Geber-Kommune."

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