Forchheim
Amtsgericht

Forchheim: Doping-Dealer - mit Ampullen und Tabletten gehandelt

In Forchheim haben zwei Männer mit Doping- und verbotenen Arzneimitteln gedealt.
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In Forchheim haben zwei Männer mit Doping- und damit verbunden verbotenen Arzneimitteln gedealt. Sie mussten sich vor dem Amtsgericht Forchheim verantworten. Symbolfoto: Patrick Lux/dpa
In Forchheim haben zwei Männer mit Doping- und damit verbunden verbotenen Arzneimitteln gedealt. Sie mussten sich vor dem Amtsgericht Forchheim verantworten. Symbolfoto: Patrick Lux/dpa

Jürgen F. bestellte bei Jens P. (Namen geändert) Dopingmittel. Jürgen F. nutzte einen Teil selbst und verkaufte einen anderen Teil wieder weiter. Da einige Mittel einen unerlaubten Wirkstoff hatten, kam ein weiterer Anklagepunkt hinzu.

Jürgen F. und Jens P. wurden deshalb angeklagt wegen "vorsätzlichem und unerlaubten Handeltreiben mit Dopingmitteln zum Zwecke des Dopings beim Menschen im Sport" mit "Handeltreiben mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln außerhalb von Apotheken" und "mit vorsätzlichem Inverkehrbringen bedenklicher Arzneimittel".

Beiden Verdächtigen konnten neun Ereignisse nachgewiesen werden. Denn die Ermittlungen haben auf den Handys der Angeklagten Chats entdeckt, in denen sich Jürgen F. und Jens P. über Mengen und Preise unterhielten und eine Übergabe vereinbarten.

Das Prozedere war bei jeder Bestellung beinahe identisch: Jürgen F. bestellt bei Jens P. eine gewisse Anzahl verschiedener Dopingmittel. Im Forchheimer Stadtgebiet fand dann die Übergabe statt. Jürgen F. soll anschließend die erhaltene Ware zum Teil selbst konsumiert und zum anderen Teil weiterverkauft haben. So geht es aus den Chatverläufen hervor.

Oxandrolon, Testosteron Cypionat, Stanozolol, Boldenon Undecylenoat oder Trenbolonacetat sind einige der Wirkstoffe, die Staatsanwältin Zur identifiziert hatte. Stanozolol und Oxandrolon sollen bei Konsumenten "inakzeptable leberschädigende Nebenwirkungen" haben. Die Angeklagten hätten somit die Gesundheit anderer Personen gefährdet.

Doch bevor andere Personen befragt wurden, wollten die Anwälte der beiden Angeklagten mit der Staatsanwältin eine Verständigung. Richterin Silke Schneider erklärt, dass sie bei einer Verständigung den Strafrahmen einhalten muss, auf den sich die Anwälte verständigt haben. Dazu gehört aber auch, dass der Angeklagte ein Geständnis ablegen muss. Sollten bei einer Verhandlung gravierende Neuigkeiten zu Tage kommen, könne der Richter allerdings von der Verständigung abweichen, erklärt Schneider.

Bei Jens P. wurde vor der Verhandlung schon gesprochen, die Anwälte verständigten sich auf einen Strafrahmen zwischen einem Jahr und drei beziehungsweise sechs Monate. Dabei werde eine weitere Bewährungsstrafe von sechs Monaten mit einbezogen.

Jens P. wurde in der Vergangenheit bereits mehrmals verurteilt: Leistungserschleichung, Besitz eines verbotenen Gegenstandes, Betrug, Beleidigung, schwere räuberische Erpressung mit einer Schusswaffe und Freiheitsberaubung oder der Beihilfe zum Handeltreiben von Betäubungsmitteln.

Da der aktuelle Fall bereits mehrere Jahre zurückliegt, forderte der Anwalt von Jens P., Martin Gelbricht, die Bewährungszeit auf zwei Jahre zu begrenzen. Sein Mandant könne nichts dafür, dass sich drei Jahre niemand um die Akte gekümmert habe.

Staats- und Rechtsanwalt verständigten sich. Danach las Martin Gelbricht das Geständnis seines Mandanten vor: Er räume die Tat voll und ganz ein. Es tue ihm leid.

Bei Jürgen F. war die Verständigung schwieriger. Zwischenzeitlich unterbrach Richterin Schneider und stellte fest, dass "hier wie auf einem Basar geschachert wird".

Angefangen bei Staatsanwältin Zur: Sie merkte, dass Jürgen F. nicht vorbestraft ist und die Tat schon drei Jahre zurückliegt. Sie hält "zwischen 120 und 130 Tagessätze” für angemessen.

"Das halte ich für kein schlechtes Angebot bei der großen Menge", kommentiert Schneider den Vorschlag.

Doch Anwalt Stefan Müller sieht das anders. Er möchte für seinen Mandanten maximal 90 Tagessätze. Darauf lässt sich die Staatsanwältin allerdings nicht ein: "Ich bin schon deutlich nach unten gegangen und die Menge ist schon sehr günstig gerechnet." Unter 120 Tagessätze werde sie nicht gehen. Der Anwalt versuchte es erneut, doch blitzte bei der Staatsanwältin ab. "Ich habe ihnen gesagt, dass ich nicht unter 120 Tagessätze gehe."

Nachdem sich der Anwalt mit Jürgen F. beraten hatte, stimmte er der Verständigung zu. Anwalt Müller sprach im Namen seines Mandanten, dass er die Tat zugibt, allerdings mit sehr geringen Mengen gehandelt hätte und den größten Teil selbst genommen hat. Außerdem hat Jürgen F. mit den Dopingmitteln nicht beim Sport betrogen, da er an keinen Wettkämpfen teilgenommen hatte.

In ihrem Plädoyer ging Staatsanwältin Zur nochmals auf die Straftaten ein, erläuterte Positives sowie Negatives der beiden Angeklagten. Die beiden Rechtsanwälte taten es ihr gleich.

Richterin Silke Schneider verurteilte Jürgen F. zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 45 Euro und Jens P. zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung, wobei die Bewährungszeit zwei Jahre beträgt. Zusätzlich muss er sich in unregelmäßigen Abständen einem Drogen- und Dopingtest unterziehen.

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