LKR Forchheim
Interview

Forchheim: Der politische Frühling für Heinrich Kattenbeck

Der Kreistag Forchheim bekommt ein meinungsstarkes Mitglied: Heinrich Kattenbeck rückt in das Gremium nach. Der streitbare Naturschützer verrät im Gespräch, wie er seine Ideen umsetzen will.
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Der 79-Jährige aus Kirchehrenbach will künftig im Kreistag vor allem bei den Themen Umweltschutz und Verkehr anregen und anstoßen. Foto: Ronald Heck
Der 79-Jährige aus Kirchehrenbach will künftig im Kreistag vor allem bei den Themen Umweltschutz und Verkehr anregen und anstoßen. Foto: Ronald Heck
Aus gesundheitlichen Gründen gibt Klaus Schwaab (Wählerinitiative Landkreis Forchheim) sein Mandat im Kreistag auf. Heinrich Kattenbeck aus Kirchehrenbach wird seine Position einnehmen. Der 79-Jährige ist parteilos, jedoch seit seiner Jugend politisch ehrenamtlich in der Region engagiert. Nachdem der gläubige Katholik in der Jungen Union seine "politische Schulung" bekommen hatte, trat er Anfang der 70er Jahre aus der CSU aus. Von 1972 bis 1990 saß er als Parteiloser (auf der Liste der Freien Wähler) im Kirchehrenbacher Gemeinderat. Er ist ein bekannter Naturschützer, Vorsitzender der Bürgerinitiative pro Wiesenttal gegen die Ostpange (Biwo) und seit über 40 Jahren Mitglied beim Bund Naturschutz.

FT: Wie haben Sie auf das Schreiben des Landratsamts reagiert, dass Sie unverhofft doch noch Kreisrat werden?
Heinrich Kattenbeck: Ich freue mich sehr darüber. Damit hat die Sprossenleiter meiner ehrenamtspolitischen Tätigkeit jetzt seinen krönenden Abschluss. Das ist die Vollendung, die ich mir gewünscht habe. Jetzt habe ich eine neue Möglichkeit, die Interessen, die mir am Herzen liegen, als Kreisrat durchzusetzen.Wenn ich bisher etwas gesagt habe, dann verpuffte das in der Politik. Aber jetzt muss mich die Politik anhören, ich kann Fragen stellen und Vorschläge machen.

Was möchten Sie konkret im Kreistag bewirken?
Bei der WLF bin ich Sprecher für das Thema Verkehr. Eines unserer Projekte ist es, ein intelligentes Verkehrskonzept für die Region zu entwickeln. Eines meiner Ziele ist es, eine Landkreis-Agenda Verkehr zu gründen. So wollen wir Konzepte erstellen, die den demografischen Wandel und die Mobilität aller Menschen, auch derjenigen, die kein Auto haben, zu berücksichtigen. Der Landkreis sollte den öffentlichen Personennahverkehr erweitern, so dass zum Beispiel mehr Menschen auf die Schiene umsteigen. Konkret sollte beispielsweise der Bahnverkehr über Ebermannstadt hinweg, zum Beispiel bis Gasseldorf, reichen. Wichtig ist mir, dass durch die Verkehrsbelastung an der B 470 nicht das Wiesenttal kaputt gemacht wird.

Sie sind als streitbarer Naturschützer und lautstarker Gegner der Ostspange bekannt. Wie wollen Sie im Kreisrat agieren?
Früher hat es manchmal geheißen: Kattenbeck ist ein Schreck, der gehört weg. Zum Beispiel als es darum ging, die Straße am Walberla zu teeren und es Demonstrationen gab. Als ich noch jung und unerfahren war, habe ich mich auch an Bäume gekettet und trotzdem sind die Bäume gefällt worden. Heute bin ich mehr für den Ausgleich: Ich versuche zu retten, was zu retten ist. Wir müssen gemeinsam nach Lösungen suchen und da muss man auch kompromissbereit sein. So versuche ich jetzt in der Biwo, dem Bund Naturschutz oder bald im Kreistag zu wirken.

Heißt das, Sie wollen zurückhaltender werden? Wie wollen Sie ihre politischen Ideen einbringen?
Ich gehöre definitiv nicht zu den "Da kann man nichts machen"-Typen. Ich finde, man braucht immer ein Ziel. Wenn man das hat, kann man politisch noch so klein sein, aber trotzdem etwas bewirken. Man muss sich Freunde und Begeisterte - aber auch Kritiker - suchen. Denn ich will kein Besserwisser aber ein Verbesserer sein. Im Kreistag möchte ich meine Meinungen kundtun - ob sie jetzt richtig oder falsch ist. Denn ich will auch anregen und anstoßen. Damit die anderen Kreisräte vielleicht finden: "Oh, daran habe ich noch gar nicht gedacht".

Sie sollen im Ausschuss für Umwelt und Natur sowie im Personalausschuss mitarbeiten: Was qualifiziert Sie für diese neue Aufgaben?
Es schließt sich ein Kreis: Diese Ausschüsse passen zu mir. Umwelt und Natur ist das Thema, mit dem ich mich seit Kindesbeinen an beschäftige. Außerdem bin ich diplomierter Betriebswirt, so dass mir meine Erfahrungen auch im Personalausschuss zu gute kommen. Ich war vor meinem Ruhestand fast 20 Jahre im Gesundheitswesen als Geschäftsführer in verschiedenen Kliniken tätig. Diese Berufserfahrung möchte ich einbringen.

Welche Themen möchten Sie außer dem Verkehr setzen?
Die WLF ist schwerpunktmäßig auf Ökologie ausgerichtet. Ich möchte auf den Artikel 141 der bayerischen Verfassung aufmerksam machen. Dort steht, dass es zu unseren Aufgaben als Politiker gehört, die "kennzeichnenden Orts- und Landschaftsbilder zu schonen und zu erhalten". Das ist der Schwerpunkt, den ich setzen will, um mit den Bürgermeistern, Kreisräten und dem Landrat gemeinsam Lösungen zu finden. Meine Themen sind aber auch Landkreisentwicklung, Energie, Tourismus und Demokratie. So habe ich zum Beispiel auch an der Demonstration gegen den Auftritt von Björn Höcke und der AfD in Forchheim teilgenommen.

Was bedeutet für Sie das neue politische Amt?
Kreispolitik sollte meiner Meinung nach keine Parteipolitik sein. In der Kreispolitik sollte es um die Bürger, um dessen Lebensqualität und das Wohlfühlen in der Heimat gehen. Ich will mit den Bürgermeistern, Kreisräten und dem Landrat Lösungen finden. Und zwar nicht parteipolitisch, sondern vom menschlichen Verstand her. So will ich helfen, dass diese unsere herrliche Wiesent-Landschaft erhalten bleibt.

Das Interview führte
Ronald Heck


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