LKR Forchheim
Ortsumgehung

Forchheim: Bürgerbegehren gegen Ostspange gefordert

Die Bürgerinitiative pro Wiesenttal ohne Ostspange möchte, dass die Parteien im laufenden Wahlkampf Stellung zum Neubau der Bundesstraße 470 beziehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Bürgerinitiative fordert seit dieser Woche ein Volksbegehren gegen die geplante vierspurige Umgehungsstraße. Archivfoto: Josef Hofbauer
Die Bürgerinitiative fordert seit dieser Woche ein Volksbegehren gegen die geplante vierspurige Umgehungsstraße. Archivfoto: Josef Hofbauer
Am Dienstag hat sich der Vorstand der Bürgerinitiative pro Wiesenttal ohne Ostspange (Biwo) getroffen. Sie haben entschlossen, ein Bürgerbegehren gegen den Neubau der Bundesstraße 470 in Angriff zu nehmen.


Flächenverbrauch reduzieren

Der Termin wurde bewusst gewählt. "Wir wollen den Wahlkampf ausnutzen, um der Politik vor Augen zu führen, wie wichtig die Reduzierung des Flächenverbrauchs ist", erklärt der Vorsitzende der Initiative, Heinrich Kattenbeck. In Bayern werden laut Bund Naturschutz täglich rund 13 Hektar neu als Siedlungs- und Verkehrsfläche ausgewiesen. Kattenbeck findet, viele Parteien würden mit der "schönen Landschaft" in der Region werben, doch Pläne, den Flächenverbrauch verringern zu wollen, gebe es wenige.

Hier möchte die Biwo mit ihren Forderungen ansetzen und die Ostspange wieder zum politischen Thema machen. "Die Biwo ist zuversichtlich, dass alle Parteien einsehen, dass der Flächenverbrauch reduziert werden muss und der nicht bedarfsnotwendige Neubau der B 470 auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden sollte", fordert Kattenbeck.

Die Südumgehung Forchheim soll den Verkehr entlasten. 2011 wurde bereits die Westspange fertiggestellt. Derzeit steht die Ostspange im Bundesverkehrswegeplan 2030 als "vordringlicher Bedarf". Durch eine vierspurige Ortsumgehung soll der Straßenverkehr verbessert werden. Befürworter der Ostspange betonen, dass die bisherige Bundesstraße an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt sei. Mit über 27 000 Fahrzeugen täglich sei die B 470 in Forchheim eine der am stärksten befahrenen Bundesstraßen. Durch Ausweichverkehr würden auch die Gemeinden im Umland, wie zum Beispiel Gosberg, stark belastet.


Mehrheit für das Projekt

"Der Kreistag hat sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen", betont Manfred Hümmer, Vorsitzender der Freien Wähler Forchheim. Die betroffenen Gemeinden hätten sich außerdem bereits auf einen Korridor geeinigt. Der Biwo-Vorsitzende hingegen hält die Pläne, die einen 6,9 Kilometer vierspurigen Ausbau vorsehen, für einen "Rohrkrepierer".

Die Initiative möchte nun zusammen mit dem Bund Naturschutz ein Bürgerbegehren anstoßen. Dafür wollen sie um Unterstützung von Parteien, Verbänden und Kirchen werben. "Denn der Bund Naturschutz kann das nicht alleine meistern", so Kattenbeck.

Er betont die Folgen der Ostspange, wie sie jetzt im Bundesverkehrswegeplan steht, für Natur und Landschaft: Der vierspurige Ausbau vernichte den Sigritzauer Wald, die sieben Meter hohe Trasse zerstöre eine "Storchenwiese" und die vorgesehenen neun Brücken würden die landschaftliche Schönheit des Wiesenttals zerschneiden.

Vielmehr setzt seine Bürgerinitiative auf die Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs, um den Straßenverkehr zu entlasten. "Die bisherige B 470 erfüllt alle Voraussetzungen, die für die Versorgung der Region notwendig sind", findet Kattenbeck. Die Biwo hat alternative Pläne erarbeitet: In Gass eldorf sollte beispielsweise ein Zugbahnhof mit Pendlerparkplatz und Bushalt errichtet werden. Außerdem sollten die Bahnverbindungen in den östlichen Landkreis verbessert werden. "Mit Sicherheit könnte man so die Ostspange vermeiden", meint Kattenbeck.


Kein Allheilmittel

Der ÖPNV sei wichtig, stimmt Hümmer zu, doch: "Das ist nicht das Allheilmittel." Ein Bürgerbegehren zu initiieren, sei natürlich jedermanns Recht. Er hält das Vorhaben aber nicht für erfolgsversprechend.

Für ihn ist die Ostspange ohnehin kein Thema für den Wahlkampf. Dafür sei es schlicht zu früh. Das Projekt befinde sich gerade einmal in der Vorausplanung für das Planfeststellungsverfahren. "In welcher Form die Ostspange verwirklicht wird, steht noch gar nicht fest", argumentiert Hümmer. "Das Thema wird uns noch bei der nächsten Bundestagswahl 2021 beschäftigen."

Die Ostspangen-Gegner haben am Sonntag, 10. September, eine Demonstration am Bahnhof Pinzberg angekündigt. Mit sieben Meter hohen Stangen und Querleisten wollen sie dort die Ausmaße der Trasse anschaulich machen, verrät Kattenbeck. Die Demo beginnt um 10.30 Uhr.
Verwandte Artikel
5 Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren