Forchheim
Verkehr

Forchheim belebt "AG Rad" wieder: So soll das Stadtgebiet fahrradfreundlicher werden

Forchheim für Radler verbessern: Das will die neue Fahrradbeauftragte. Die Ziele der reaktivierten Arbeitsgemeinschaft sind hoch, der Weg noch weit.
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Passend zur reaktivierten AG Rad haben die Ampelübergänge an der Kreuzung Adenauerallee/Bamberger Straße in Forchheim einen neuen, knallig roten Anstrich bekommen. Foto: Ronald Heck
Passend zur reaktivierten AG Rad haben die Ampelübergänge an der Kreuzung Adenauerallee/Bamberger Straße in Forchheim einen neuen, knallig roten Anstrich bekommen. Foto: Ronald Heck
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An Ideen mangelt es nicht. "In der Fahrradstadt Forchheim ließe sich noch viel verbessern", war sich Reinhilde Steinmetz sicher. Die neue städtische Fahrradbeauftragte arbeitet seit Januar beim Stadtplanungsamt, wo sie für Naturschutz und Landschaftspflege zuständig ist. In ihrer neuen Position hat die Landschaftspflegerin aus Neuses die "AG Rad" am Mittwoch wieder ins Leben gerufen.

Die Arbeitsgemeinschaft aus Stadtpolitikern, Verwaltungsmitarbeitern und Ehrenamtlichen soll "Impulsgeber" sein, um Radeln im Stadtgebiet besser zu machen, so Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Das Thema scheint vielen Entscheidungsträger wichtig zu sein: Der Einladung zur ersten Sitzung der AG Rad folgten 15 Leute.

Nach zwei Stunden wurde deutlich: Alle Beteiligten wünschen sich, Forchheim fahrradfreundlicher zu gestalten. Aber mit welchen Maßnahmen und wie schnell? Auch an Diskussionsstoff mangelt es in der neuen AG Rad nicht. Im deutschlandweiten "Fahrradklima"-Test des ADFC bekam Forchheim die Schulnote 3,9.

Zur Einführung ins Thema zeigte Verkehrsplaner Christoph Hessel (Ingenieurbüro Gevas), welche Rolle das Radfahren innerhalb des beauftragten Verkehrskonzeptes der Stadt Forchheim spielen wird. Das Projekt, das sich mit allen Verkehrsarten beschäftigt, ist bereits gestartet. Die Planer werden unter anderem die Forchheimerinnen und Forchheimer zu ihrem Verkehrsverhalten befragen und Zählungen durchführen. "Dadurch wollen wir Aussagen über die Verkehrsströme in der Stadt treffen", so Hessel. Die Stärken und Schwächen des Verkehrsnetzes sollen aufgezeigt werden.

"Kunst, einen Ausgleich zwischen Verkehrswegen zu schaffen"

Die Ziele sind hoch gesteckt: Konflikt-Schwerpunkte verträglich umgestalten, ÖPNV, Barrierefreiheit, Straßenführungen, Rad- und Fußwege optimieren. "Es ist eine Kunst, einen Ausgleich zwischen den Verkehrswegen zu schaffen", räumte der Diplomingenieur ein. Dabei gehe es nicht nur um die Innenstadt, sondern auch um die Vernetzung in die Stadtteile und das Forchheimer Umland. "Wir wollen Maßnahmen zielgenau an die Stadt anpassen und miteinander etwas Neues entwickeln", betonte Hessel.

Bei der AG Rad kamen viele Ideen und Probleme zur Sprache: Die Beschilderung der Radwege verbessern, Countdown-Zähler an den Ampeln prüfen oder sich bei der Deutschen Bahn für eine Fahrradschiene an den Bahnhofstreppen einsetzen. Der Fränkische Tag hat im September Bürger und Fahrradexperten gefragt, welches die größten Radverkehrsprobleme in Forchheim sind und eine interaktive Karte zusammengestellt.

 

CSU-Fraktionsvorsitzender Udo Schönfelder brachte den Vorschlag, Lastenräder in Forchheim zu fördern. Die Stadt könne selbst solche Transporträder zum Verleih anbieten oder die private Anschaffung bezuschussen. Nun kurz geriet im Verlauf der Sitzung eine Diskussion etwas hitziger: Über die Vorgehensweise, ob und wie die Ampelschaltung in der Stadt zugunsten der Radfahrer umprogrammiert werden sollte, waren sich ADFC -Mitglieder und Roland Brütting vom Straßenverkehrsamt nicht einig.

Die Ehrenamtlichen des ADFC Forchheim drängten zudem auf schnelle Maßnahmen, damit mehr Leute vom Auto aufs Rad umsteigen. "Nicht abwarten, sondern jetzt beginnen! Wir brauchen jedes Vierteljahr eine Verbesserung für Radfahrer in Forchheim", forderte Manfred Fluhrer-Zumstein. Auch die Fraktionsvorsitzende der Forchheimer Grünen, Anette Prechtel, wünschte sich "spürbare Ergebnisse".

Erste konkrete Handlungen

Die neue Fahrradbeauftragte Reinhilde Steinmetz stellte einige ihrer Vorstöße bereits vor: Erstens solle sich die Stadt bemühen, in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern aufgenommen zu werden. Entscheidet sich Forchheim dafür, würde eine Kommission die Stadt besuchen und bewerten. Wenn sich Forchheim in den kommenden vier Jahren als Fahrradstadt verbessert, kann sie die Auszeichnung "fahrradfreundliche Kommune" bekommen.

Zweitens möchte Steinmetz neue Radstellplätze am Forchheimer Bahnhof schaffen. Sie beantragte eine Aufnahme in die "Bike+Ride-Offensive" des Bundesumweltministeriums und der Deutschen Bahn. Mit dem Programm werden Sammelschließanlagen, die beispielsweise per Handy-App gebucht werden können, gefördert. In der angedachten Box könnten rund 30 Räder kostenpflichtig sicher geparkt werden. Die Nachfrage nach den Schließfächern sei jedoch groß. Die aktuell vorhandenen blauen Fahrradkästen am Bahnhof hingegen seien bereits seit Jahren ausgebucht. Die Fahrradbeauftragte gab zudem bekannt, dass die Landkreise Forchheim und Bamberg einen Radschnellweg an der Regnitz.

Abschließend wünschte sich Reinhilde Steinmetz, die ihre neue Aufgabe als Vermittlerrolle für die Belange der Radfahrer sieht, vor allem, dass sich die AG Rad ihren "Anfangsaktivismus" für die künftigen Treffen bewahrt.

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