Ich ertappe mich dabei, wie ich bedächtig auf dem Gehweg dahinschreite und nur Augen für mein Smartphone habe. Hat mein Neffe schon auf meine superlustige Nachricht zu seinem Namenstag geantwortet? Schreibt gerade jemand, was er heute Mittag Aufregendes gegessen hat? Wenn jetzt der Mann vor mir stehen bleibt. Oder plötzlich aus dem Nichts ein Laternenpfahl auftaucht! Ich hebe die Nase. Neue Medien sind gefährlich.
Knapp zwei Stunden später. In der Jahnhalle dudelt ein Handy. Der Medienexperte und Referent des Abends, Thomas Feibel, hatte es schon geahnt. Es haben bestimmt nicht alle Zuhörer ihr Handy ausgeschalten. Von wegen die Kids sind unvernünftig! Die Musik klingt nicht nach 15-Jährigem - eher nach 51. Wie sollen die Kleinen kompetent mit dem ganzen Technik-Schnickschnack umgehen, wenn es die Großen so vormachen.
Moment, diese Erkenntnis muss ich gleich auf Facebook posten. Smartphone gezückt - und gezuckt: kein Empfang! Die Initiatoren des Vortrags scheinen den ultimativen Weg gefunden zu haben, um dem Online-Wahn Einhalt zu gebieten. Das Funkloch.