Gößweinstein
Besuch

Florian Streibl lernt Projekte und Nöte Gößweinsteins kennen

Zum Politischen Aschermittwoch hatten die Freien Wähler Gößweinstein Florian Streibl, Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten, zu Gast.
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Der FW-Landtagsabgeordnete Florian Streibl (links, Sohn des früheren bayerischen  Ministerpräsidenten Max Streibl) staunt im Fürstensaal des Pfarrhauses. Foto: Thomas Weichert
Der FW-Landtagsabgeordnete Florian Streibl (links, Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl) staunt im Fürstensaal des Pfarrhauses. Foto: Thomas Weichert
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Der Politische Aschermittwoch der Freien Wähler im Gasthof "Zum Löwen" wurde einst vom ehemaligen Gößweinsteiner Bürgermeister Hans Backer ins Leben gerufen. Die schillerndste Politikerin, die jemals bei dieser Veranstaltung gesprochen hatte, war die ehemalige Fürther CSU- Landrätin und spätere FW-Landtagsabgeordnete Gabriele Pauli. Heuer konnte Gößweinsteins FW-Chef Rainer Polster den Sohn des früheren Bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl (CSU), Florian Streibl, in dessen Eigenschaft als parlamentarischer Geschäftsführer der FW-Landtagsfraktion als Gastredner begrüßen.

Streibl war mit seiner Frau Barbara nach Gößweinstein gereist und übernachtete auch im "Löwen". Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) nutzte vor der mäßig besuchten Abendveranstaltung die Gelegenheit, um den Landtagsabgeordneten aus Oberammergau über die Gößweinsteiner Probleme und Projekte zu informieren und um Unterstützung zu bitten.

Streibl war früher schon einmal in der Fränkischen Schweiz und findet die Landschaft hier heimeliger und vertrauter als in seiner Heimat, wo einen die riesigen Berge fast erschlagen würden. Florian Streibl kommt politisch ursprünglich, wie Pauli auch, aus der CSU. Ausgetreten ist er, als sein Vater nach der Amigo-Affäre von der CSU totgeschwiegen worden sei.


Vertrauen erschüttert

Dies habe sein Vertrauen in die CSU tief erschüttert, sagt er. Mit der Politik wollte er danach eigentlich nichts mehr zu tun haben. Doch es kam anders. 2001 fragte ihn ein guter Freund, ob er für eine Freie-Wähler-Gruppierung in Oberammergau die Listenführung für die Gemeinderatswahl übernehmen wolle. 2008 wurde er dann gefragt, ob er für die Freien für den Landtag kandidiert.

Damit gerechnet, tatsächlich in den Landtag einzuziehen, hat er damals nicht. Heute sagt Streibl, dass es richtig war. Denn Demokratie sei etwas für Menschen mit Zivilcourage. Abends im "Löwen" sagt er dann, dass man über Demokratie mit Begeisterung reden müsse.

Kritik übt Streibl an den etablierten Parteien in Berlin und deren Koalitionsverhandlungen. "Damit treibt man die Leute denen in die Arme, die was ganz anderes wollen", meint Streibl, ohne dabei die AfD zu nennen. Und der CSU-geführten Staatsregierung wirft er vor, sich mit sich selber zu beschäftigen.

Die Nachfolgediskussion um den Ministerpräsidentenposten nennt er ein "würdeloses Schauspiel". Außerdem verschlafe die Staatsregierung die Energiewende. Hier hätte man Bayern zu einer Musterregion machen können anstatt Monstertrassen zu bauen.

Die Freien Wähler hingegen seien der " Felsen im Schwarzen Meer, an dem die Wogen zerbrechen". Politik müsse man für die Menschen in den Städten und Dörfern machen."
Um gleiche Lebensbedingungen in ganz Bayern zu schaffen, würden die Freien Wähler vor allem für eine bessere Finanzausstattung der Kommunen kämpfen. Davon kann Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) ein Lied singen. Priorität für Zimmermann ist ein neues Rathaus. Denn im alten Gebäude würden unzumutbare Bedingungen für Mitarbeiter und Besucher herrschen.


Begeistert von Pfarrhaus-Idee

Mit dem Pfarrhaus habe man nun ein Projekt, an das Zimmermann fest glaubt. Auch Streibl und sein Forchheimer FW- Landtagskollege Thorsten Glauber sind begeistert von dieser Idee. So könne der Ortskern belebt und ein zentrales und historisches Gebäude gerettet werden. Mehr noch: Der herrliche Pfarrgarten werde der Öffentlichkeit zugänglich, die öffentlichen Toiletten könnten gleich mitsaniert werden und es liefen schon Gespräche mit einem Privatinvestor für ein Fernwärmenetz mit einer Fernwärmeanlage bei der Schule bis zum Pfarrhaus. Damit könne man die Schule, alle kirchlichen Gebäude und sogar die gesamte Viktor-von-Scheffel-Straße mit Fernwärme versorgen.

Für dies alles ist Kreativität und Unterstützung bei der Finanzierung gefragt, gibt Zimmermann beiden Abgeordneten mit auf den Weg. Ebenso beim Bau einer Mehrzweckturnhalle zusammen mit Obertrubach - ein Thema, das für Zimmermann an zweiter Stelle steht. Denn nur mit einer modernen Zweifachturnhalle lasse sich auch der Mittelschulstandort im Forchheimer Oberland dauerhaft sichern. Mit 19 Sportklassen komme auch nur eine Doppelturnhalle in Frage.


"Die ärmste Kommune"

"Wir sind die ärmste Kommune im Landkreis und leben teilweise von der Hand in den Mund", klagt Zimmermann. Entscheidend ist allerdings die Frage, wie hoch die Förderung für eine vier Millionen Euro teure Turnhalle ist.

Nächstes Thema war Breitband und Mobilfunk. Sogar im Hauptort gibt es noch kein flächendeckendes Mobilfunknetz. Es könne nicht sein, dass die Gemeinde selbst einen Mobilfunkmasten errichten soll, ohne zu wissen, ob dann überhaupt ein Mobilfunkbetreiber auf den Mast aufschließt.

Weiterhin bittet Zimmermann die Abgeordneten zu überlegen, wie man den neuen Besitzern der Burg helfen könne. Dringend nötig ist hier eine Substanzgrunduntersuchung, um dann abwägen zu können, ob sich eine Burgsanierung lohnt. Eine Bürgschaft für diese Kosten zu übernehmen sei für den Markt nicht möglich. "Wir sind Stabilisierungsgemeinde", sagt Zimmermann.


Bahnhof Behringersmühle

Doch die über 1000 Jahre alte Burg ist ortsbildprägend. Zimmermann bittet auch mitzuüberlegen, welche Finanzierungsmöglichkeiten es für eine Sanierung des Bahnhofs Behringersmühle gäbe. In einem Entwicklungskonzept wurden Kosten von elf Millionen Euro errechnet.

Noch viele Themen hat Zimmermann auf seiner Liste stehen, von barrierefreien Bushaltestellen, dem Straßenunterhalt, der Umgehungsstraße, der Facharztversorgung bis hin zur finanziellen Unterstützung von Flächengemeinden. Vieles mache er in seiner Freizeit oft bis spät abends und am Wochenende in seinem Büro im "Haus des Gastes. " Für all dies bräuchte man eigentlich einen Fachplaner. "Wir werden da schon alleine gelassen und in München kommt das nicht richtig an", sagt Zimmermann.
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