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Forchheim
Tierleben

Fischtreppe ermöglicht Weg von Florida bis Forchheim

Auf dem Weg von Florida nach Forchheim kam der Aal bislang nur bis zum Trubbachsee. Jetzt gibt es eine Treppe, die den Forchheimer Fischwanderweg wieder komplett macht.
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Albert Schütze bezeichnet die Fischtreppe am Ochsenklavier als eine "Musterlösung für den Forchheimer Fischwanderweg". Foto: Roepert
Albert Schütze bezeichnet die Fischtreppe am Ochsenklavier als eine "Musterlösung für den Forchheimer Fischwanderweg". Foto: Roepert
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Aale können 5000 Kilometer schwimmen, ohne Nahrung aufzunehmen. Sie können in 3000 Meter Tiefe tauchen, um dort abzulaichen. Sie können sich über ein Feld schlängeln, auf Hautatmung umstellen und so zeitweise außerhalb des Wassers überleben. Beinahe erscheinen diese Fische Wunderwesen zu sein. "Doch der Fisch ist im Verhältnis zum Mensch der in der Natur Unterlegene", sagt Albert Schütze - "daher braucht er unsere Fairness".

Schütze hat über 40 Jahre Erfahrung als Angler gesammelt und war Jahrzehnte im Fischereiverband aktiv, dessen Ehrenpräsident er ist. Zu der von ihm geforderten Fairness gehört es, den Wanderfischen ihren Weg frei zu machen.

Der führt - im Falle mancher Aalarten - vom Atlantik östlich von Florida bis in das Wiesent-System der Fränkischen Schweiz.
Schon seit den 90er-Jahren hatte der Fischereiverband dafür gekämpft, die Wiesent durchlässig zu machen, damit die Wanderfische nicht in der Trubbach hängen bleiben.

Ein Wunder

Durch den Bau eines Kraftwerkes und einer Fischtreppe am Ochsenklavier ist die Durchlässigkeit nun endlich wieder hergestellt. "Eigentlich ist es ein Wunder, dass sie hier ankommen", sagt Albert Schütze über die in Mittelamerika los schwimmenden Aale. Alleine auf ihrer Wanderung den Main aufwärts müssen die Tiere 32 Wehre überwinden. Doch die zunehmend verbauten Flüsse gefährden nicht nur die Aale. "Viele Kurzwanderfische wie die Bachforelle, die Barbe, die Nase, der Aitel oder die Äsche sind bedroht", sagt Albert Schütze.

Ohne die Wandermöglichkeit sind die "eingemauerten Fische" (Schütze) zur Inzucht gezwungen, die Kiefer der Tiere deformieren sich. "Wenn sie keinen Lebensraum mehr haben, reagieren Fische sehr radikal", erklärt Schütze: "Sie sterben einfach aus."

So gehört etwa die Aalrutte zu den "quasi ausgestorbenen Fischen". Auch der Eggolsheimer Umwelt-Aktivist Heinz Marquart wundert sich, dass etwa die Mühlkoppe oder das Bachneunauge "das Desaster der Verbauung der Flüsse überstehen konnten". Die neue Fischtreppe am Ochsenklavier sei ein wertvoller Beitrag, die Existenz der Bachneunaugen zu sichern.

"Dank der Durchwanderbarkeit hört die Inzucht auf", sagt Albert Schütze: "Die Kurzwanderfische können sich jetzt wieder genetisch aufladen."

Wanderung
70 Kilometer lang ist die bei Steinfeld entspringende Wiesent. Auf ihrem Weg in die Regnitz überbrückt sie ein Gefälle von 170 Metern. In früheren Zeiten konnten die Wanderfische wie der Lachs, der Aal, die Barbe, die Nase oder der Aitel auf ihrem Weg flussaufwärts das Forchheimer Stadtgebiet durchschwimmen. Dieser Durchgang ist längst verbaut. Daher ist die neue Fischtreppe am Ochsenklavier der einzige Zugang für die Wanderfische in die Wiesent.

Gefahren
Der europäische Aal wird in der Sargassosee geboren und braucht gut drei Jahre, bis er etwa nach Forchheim kommt. In den Flüssen Europas erlangt der Aal seine Laichreife, um sich dann auf den einjährigen Rückweg in den Atlantik zu machen. 90 Prozent der Aale, die dabei in schnell drehende Turbinen geraten, werden dort zerschnitten. Dagegen gilt die langsam drehende Schnecken-Turbine, wie sie am Forchheimer Ochsenklavier gebaut wurde, als fischfreundlich.

Fischtreppen
Weil die Flüsse verbaut sind und etwa die Lachse und die Aale das Wiesent-System gar nicht mehr erreichen, versuchte der Fischereiverband über Jahre den Bestand durch Besatz zu sichern. Doch die Aale werden nur in jenen Gewässern laichreif, aus denen ihre Eltern stammen. Daher scheiterte das Experiment mit den Setzlingen: Die wenigsten wuchsen heran. Erst etwa seit zehn Jahren werden Fischtreppen gebaut. Ab sofort könnten die Aale wieder über die Trubbach in die Wiesent einwandern. Dank der 68 Meter langen Treppe am Ochsenklavier. Sie besteht aus 30 Kammern. Jede fünfte Kammer ist 30 Zentimeter tief geformt, so dass sich die Fische ausruhen können. Denn die wenigsten sind so ausdauernde und kräftige Schwimmer wie der 80 Millionen Jahre alte Aal.

Auszeichnung
Der Wasserkraft-Unternehmer Johannes Kraus hat das Gosberger Wehr, dann den Schwedengraben und jetzt das Ochsenklavier in Forchheim mit einer Fischtreppe ausgestattet. Seine Verdienste um die Fische sollen nun gewürdigt werden. Heinz Marquart, der Vorsitzende des CSU-Arbeitskreises Umwelt und Kreisentwicklung, hat angekündigt: Johannes Kraus wird mit der Karl-Eugen-Koehl-Umwelt-Verdienstmedaille ausgezeichnet.

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