Egloffsteinerhüll
Bauernkalender

Fibi wohnt im "Hotel Stall" in Egloffstein

Vollerwerbs-Landwirt Jörg Porisch hat vor zwei Jahren eine neue Unterkunft für seine Milchkühe gebaut. Ein teurer Melkroboter entlastet den 30-Jährigen bei der Arbeit und gibt den Tieren mehr Freiraum.
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Fibi lässt sich von der Kuhbürste massieren. Alle Fotos: Barbara Herbst
Fibi lässt sich von der Kuhbürste massieren. Alle Fotos: Barbara Herbst
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Nr. 198 hat einen Namen: Fibi. Sie lebt mit ihren Freundinnen Viola, Helga und Alexandra in einem All-Inclusiv-Hotel am Ortsrand von Egloffsteinerhüll. Ihre 20 x 55 Meter große Gemeinschaftsunterkunft ist bestens klimatisiert im Sommer, wenn es Fibi nicht so heiß mag. Und dass im Winter mal ein paar Schneeflocken durch die offene Dachluke rieseln, gefällt der jungen Dame. Wenn für Fibi der Druck zu groß wird, braucht sie nur ihr Bein auf den rechten Fleck zu stellen und erhält automatisch Erleichterung. Und falls sie Streicheleinheiten benötigt, kann sie sich den Nacken massieren lassen.

Zweimal am Tag kommt ein Mann für den Roomservice vorbei. Pro Jahr bringt Fibi ein Kind zur Welt und darf sich in den Tagen davor in einem extra weichen Bett ausruhen. Essen und trinken kann sie stets so viel sie will. Fibi führt ein himmlisches Leben - fünf Jahre lang. Dann endet es im Erlanger Schlachthof.


Die Milch macht's

Fibi ist eine Kuh. Sie produziert Milch für Jörg Porisch, der einen von 331 Milchkuhbetrieben im Landkreis unterhält (Stand 2011) - elf Jahre zuvor waren es noch doppelt so viele gewesen (673). Der 30-Jährige besitzt und bewirtschaftet zwar auch noch Wald (12 Hektar), Grün- (45 Hektar) und Ackerland (55 Hektar), presst Rundballen, transportiert Silage, sät Mais für Landwirte und kümmert sich um den gemeindlichen Winterdienst, doch die Haupteinnahmequelle für den Landwirtschaft-Meister und Agrar-Betriebswirt ist die Milch von Fibi und ihren derzeit 64 Fleckvieh-Kolleginnen.

Im Schnitt 7000 Liter Milch gab eine von Porischs Kühen im vergangenen Jahr. Fibi brachte es auf 8000 Liter. Umgerechnet sind das rund 25 Liter pro Tag. "Der Gesamtwert war auch schon höher, aber da wir Tiere dazukaufen mussten und die bei ihrer ersten Laktation noch nicht so viel Milch geben, ist er jetzt niedriger", sagt Porisch, der bei der Arbeit von seinem Vater Georg (55 Jahre), seiner Mutter Gerlinde (53) und seiner Frau Martina (24) unterstützt wird. Von den 80 Plätzen im 2011 erbauten "Hotel Stall" sind derzeit noch 15 frei. Die sollen in nächster Zeit aus dem Kreis der 65 Jungtiere besetzt werden, die derzeit noch im alten Stall untergebracht sind.

Von der Besamung bis zur Geburt

Es gingen schon ein paar Jahre ins Land, bis Fibi zu einer der besten Arbeitskräfte von Porisch wurde. Ihre Mutter Franziska kälberte noch im alten Stall. Danach wurde Fibi 17 Monate lang hochgepäppelt, bis zum ersten Mal ein Besamungstechniker Hand anlegte und sie trächtig wurde. Direkt nach der Geburt ihres ersten Kalbs Freja begann sie mit der Milchproduktion (Laktation) - in den ersten sieben Tagen für das Kalb, danach für den 5000 Liter fassenden Edelstahltank von Porisch. Gut 50 Tage später wurde sie wieder besamt. Nachdem Fibi etwa 320 Tage lang Milch gegeben hatte, wurde sie trocken gestellt - sprich: ein paar Tage nicht mehr gemolken, so dass die zuletzt ohnehin verminderte Milchproduktion von selbst erlosch.

Nach "60 Tagen im Mutterschutz" (Porisch) brachte Fibi ihr zweites Kalb auf die Welt und der gut ein Jahr dauernde Kreislauf startete von vorne. Drei, vier solcher Phasen durchlaufen alle Kühe, bis ihre Milchleistung nachlässt und sie Platz für jüngere Tiere machen müssen. Fibi wird noch einmal kälbern und Milch geben, danach ist für sie Schluss.

Woran sich Fibi und Porisch erst mal gewöhnen mussten, war der Melkroboter im Stall. Die Kuh kann dank ihm ein Stück weit selbst bestimmen, wann sie gemolken wird. Sie muss ihren rechten Vorderhuf nur vor die Selektionsbox stellen, dann wird ihr "Fußbändel" (Porisch) elektronisch erfasst. Hat sie kein Melkrecht, wird sie mit der Kuhbürste getröstet, andernfalls darf sie in die Box mit dem Melkroboter. Dort umschließen vier Gummipfropfen nacheinander automatisch ihre Euter. "Die vibrieren dann leicht und animieren die Kuh zur Milchabgabe", erklärt Jörg Porisch. Fibi erhält währenddessen Kraftfutter, damit sie auch genügend Nährstoffe aufnimmt.
Am Anfang werden die Zitzen gereinigt und das Wasser abgesondert. Erst wenn reine Milch fließt, wird diese getestet und in den großen Tank weitergeleitet, das alle zwei Tage von einem Milchwagen abgeholt wird. Nach dem Melken werden die Leitungen automatisch desinfiziert, und Fibi trottet weiter in den großen Aufenthaltsraum, wo sie sich frei bewegen kann. Erst in sechs Stunden darf sie wiederkommen. Andere Tiere, die weniger Milch produzieren, können erst nach zwölf Stunden wieder ein Melkrecht erhalten. Das kann Porisch individuell steuern. Sein Ziel: "Dass pro Melkvorgang etwa ach Liter herauskommen."

Roboter warnt den Chef

Dank Computerauswertung ist Porisch genau informiert über Fibi. Am Samstag hat sie dreimal Milch geben, am Sonntag viermal und am Montag dreimal. Im Schnitt waren es 35 Liter pro Tag. Ihr Leitwert, der sich durch die elektronische Messung der Milch ergibt, beträgt derzeit 500. "Steigt dieser um 20 Prozent, erhalte ich eine Warnung und ich schaue mir die Kuh genauer an", erklärt Porisch. Wird Fibi krank und hat zum Beispiel ein entzündetes Euter, dann werden ihm sanft mit der Hand die Melkpfropfen angelegt. Auf diese Weise werden Tiere auch bei ihrer ersten Laktation mit dem Roboter vertraut gemacht.

Fibis Mutter Franziska wurde im alten Stall mit Anbindehaltung noch per Hand mit Melkemaschine gemolken. "Das hat gut zwei Stunden gedauert für die 30 Kühe, die wir damals hatten. Und das früh und abends", erinnert sich Vater Georg Porisch, der den Betrieb vor 24 Jahren von seinem Onkel Fritz Bauer geerbt hat. Die Anschaffung des Melkroboters hat eine enorme Arbeitserleichterung mit sich gebracht, vieles funktioniert nun automatisch. Auch weitgehend das Säubern des Stalls, nur ein kleiner Teil muss von Menschenhand erledigt werden. "Das ist gut für den Rücken und gut für den ganzen Kerl", lacht Georg Porisch. Die Anschaffung des Roboters habe er jedenfalls nie bereut.

Eine große Investition

Sein Sohn Jörg stimmt zu. Über die Kosten von 150.000 Euro für die komplette Melktechnik - insgesamt habe der neue Stall eine Dreiviertel Million Euro verschlungen - musste er jedoch schon ein paar Nächte schlafen. "Aber wenn man zweifelt, sollte man es lieber nicht machen", meint er. Bislang ist er zuversichtlich, dass er die Kosten in 20 Jahren wieder reingeholt hat.

Über den Milchpreis will er nicht meckern. 34,5 Cent sind der Grundpreis für einen Liter, mit Zuschlägen für mehr Fett und Eiweiß erhält er von der Milcherzeugergemeinschaft Nordbayern 38 Cent. "Der Preis ist in Ordnung, aber die Futterkosten sind sehr hoch", erklärt Jörg Porisch. So seien deutschlandweit im letzten Jahr die Futterkosten um 30 Prozent gestiegen, während die Preise um 20 Prozent gefallen sind. Er sei davon allerdings nicht so stark betroffen, weil er das Futter - ein Gemisch aus Mais, Stroh, Grassilage, Getreide- und Rapsschrott - größtenteils selbst herstellt. An Protestaktionen gegen zu niedrige Milchpreise beteiligt sich Porisch nicht, der seit Februar nun Vorsitzender des Verbandes für Landwirtschaftliche Fachbildung ist. "Ich kann das nicht fordern, weil entscheidend ist doch, was am Ende für ein Ertrag rauskommt."

Das Wohlfühl-Paket

Fibi macht sich über solche Dinge keine Gedanken. Sie genießt ihre Rund-um-Versorgung im Stall. Und wenn ihr Euter drückt, weiß sie, dass sie nur einen Huftritt von der Erleichterung entfernt ist.

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