Kreis Forchheim

Fensterbrettla

Die Menschen am Straßenrand stehen dicht gedrängt, sie schreien, pfeifen, jubeln. Aus den Lautsprecherboxen tönt eine Männerstimme, aber ich höre nicht, was sie sagt.
Artikel drucken Artikel einbetten
"Simple Plan" schreien mir ins Ohr, meine Augen sind starr auf einen Punkt gerichtet: Es ist ein weißes Banner, auf dem in großen, schwarzen Buchstaben "Ziel" steht. Bei jedem Schritt, den ich laufe, scheint es sich weiter von mir zu entfernen, dabei liegen schon über 15 Kilometer hinter mir. Ich schlucke meinen Traubenzucker hinunter, atme noch einmal tief durch und renne, so schnell ich es nach dieser Strecke eben noch kann. Ich überhole eine Frau im orangenen T-Shirt. Geschafft! Ein erlösender Piepton erklingt, als ich die Ziellinie überquere. Mein Gesicht hat die Farbe eines Feuerwehrautos und an meinem Fuß hat sich eine Blase gebildet. Aber das juckt mich nicht! Erschöpft, aber glücklich lasse ich mir die Medaille um den Hals hängen. Stolz drehe ich sie in meinen Händen und lese: "Fränkische Schweiz Marathon, 2.
September 2012". Ich habe tatsächlich die 16 Kilometer geschafft, obwohl es unterwegs viele Momente gab, in denen ich am liebsten stehen geblieben und mich neben die B470 ins Gras geworfen hätte. Aber der Ehrgeiz hat meinem inneren Schweinehund einen Maulkorb verpasst.
Am Ende ist es Platz 92 von 104 mit einer Zeit von etwas mehr als 105 Minuten geworden - wahrlich keine Glanzleistung, aber für mein erstes Mal bin ich zufrieden - und dafür dass ich so manches Wochenende, an dem ich lieber hätte trainieren sollen, auf der Couch verbracht habe. Mein Tagesziel habe ich jedenfalls erreicht: Nicht Letzter werden.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren