Forchheim
Themenwoche Mut & Courage

Existenzgründung im Landkreis Forchheim: Hinter der eigenen Theke stehen

Sich beruflich zu verändern, erfordert nicht nur einen guten Plan, sondern auch eine Portion Mut: Lübbis-Inhaberin Kathrin Grüner hat vor einem Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.
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Vor einem Jahr hat sich Kathrin Grüner mit ihrem Restaurant Lübbis selbstständig gemacht.  Foto: Franziska Rieger
Vor einem Jahr hat sich Kathrin Grüner mit ihrem Restaurant Lübbis selbstständig gemacht. Foto: Franziska Rieger

Eine Festanstellung kündigen und den Schritt in die Selbstständigkeit wagen: "Wenn ich das heute reflektiere, dann muss ich sagen, dass es mutig war", sagt Kathrin Grüner, während sie in ihrem Restaurant Lübbis auf einem Barhocker sitzt.

Vor einem Jahr hat sie das Lübbis in der Apothekenstraße eröffnet. Selbstständig einen Betrieb zu führen, das kannte Grüner von ihren Eltern, die das Hotel Grüner in Obertrubach betrieben. Im Berliner Nobelhotel Adlon absolvierte sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, arbeitete für die Kempinski-Kette in Berlin und an der Ostsee. 2007 kehrte Grüner nach Forchheim zurück. Bevor sie das Lübbis eröffnete, war sie Hotel-Direktorin in Weisendorf.

Die passende Gelegenheit

"Der Gedanke an die Selbstständigkeit war immer im Hinterkopf", sagt sie. Als sie erfahren hat, dass der Laden in der Apothekenstraße wieder verpachtet werden soll, war das die Gelegenheit für die Gastronomin. Nach dem ersten Kontakt mit dem Verpächter hat Grüner einen Businessplan aufgestellt.

Danach ging sie zu Banken und Anwälten, die die Verträge prüften. Dann folgten Gespräche mit künftigen Partnern und Lieferanten, am Marketing wurde gefeilt.

Ihren Laden in Forchheim zu eröffnen, das hat sich Grüner gut überlegt. Forchheim sei noch nicht so gesättigt wie andere Städte, ihr Ladenkonzept im "Urban Jungle" Stil gab es noch nicht. Das Flair und die gute Nachbarschaft in der Apothekenstraße hätten sie überzeugt. Außerdem: "Die Forchheimer sind ein tolles Publikum. Wenn man den Forchheimern etwas bietet, dann kommen sie", sagt die 38-Jährige.

Fundierte Ausbildung und Berufserfahrung

Ohne ihre fundierte Ausbildung und die vielen Berufserfahrungen hätte sie es nicht gewagt, ein solches Restaurant zu eröffnen. Hygienevorschriften, Lebensmittelgesetze, Zoll- und Steuerprüfungen, welches Schneidebrett für welche Lebensmittel verwendet wird: "Wenn ich mir das alles hätte erst noch aneignen müssen, dann wäre ich untergegangen." Zugute kam ihr außerdem, dass sie den Laden in einem guten Zustand übernommen hat. Hauptsächlich hat sie in die Einrichtung investiert, für die Küche zahlt sie eine Mietpacht. Rund ein Drittel ihrer Finanzen kommen aus Rücklagen.

Wie schwierig die Selbstständigkeit sein kann, hat Grüner selbst schon erfahren. Nach dem "Anfangshype" der Eröffnung und vielen Weihnachtsfeiern sei sie im Februar in ein Loch gefallen, die Gästen wurden kurzzeitig weniger.

"Da bekommt man schon schneller Existenzängste, als wenn ein festes Gehalt aufs Konto kommt", sagt sie. Und fügt gleich an: "Obwohl ich ja ganz genau weiß, dass diese Zeit in der Gastronomie Saure-Gurken-Zeit ist." Seit 25 Jahren arbeitet sie nun in der Gastronomie. "Ich dachte, mich schockt nichts mehr." Doch der Wechsel von der Arbeitnehmer- auf die Arbeitgeberseite hat verdeutlicht: "Man hängt an den eigenen Laden mehr Emotionen", sagt Grüner.

Nie Kontakt zu Gästen verlieren

Falls ihr Traum von der Selbstständigkeit irgendwann einmal zu Ende sein sollte, dann hat Grüner einen Plan-B: "Wenn es nicht klappt, dann lasse ich mich wieder fest anstellen", sagt sie. Ihr Handwerk habe sie schließlich von der Pike auf gelernt. Der Kontakt zu den Gästen motiviere sie ohnehin am meisten. Trotz Büroarbeit bedient sie deshalb im Lübbis weiterhin oder hilft in der Küche. "Ohne das würde es mir keinen Spaß machen."

Interview Einstieg in die Selbstständigkeit: "Der Finanzplan ist das A und O"

Hilfe finden Existenzgründer beim Fachbereich Wirtschaftsförderung am Landratsamt Forchheim. Andreas Rösch, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung, und Anastasia Buglov, Sachbearbeiterin Wirtschaftsförderung, geben Tipps für den Schritt in die Selbstständigkeit. Was sind die ersten Schritte auf dem Weg zur Selbstständigkeit? Andreas Rösch: Der Existenzgründer sollte sich vor allem klar machen, ob er das wirklich will, seine persönlichen Voraussetzungen, und welche Geschäftsidee, welches Geschäftsmodell dahinter steckt. Dann kommt der Businessplan. Anastasia Buglov: Zuerst sollte man wissen, ob man der Typ dazu ist, Unternehmer zu sein oder ob man es lieber hat, angestellt zu sein. Mann sollte sich fragen: Gehe ich gerne Risiken ein, übernehme ich gerne Verantwortung? Wenn die Idee steht, wohin die Reise gehen soll, dann kommt der Businessplan, das ist der Fahrplan. Der Finanzplan darin ist das A und O. Bei unseren Beratungen zur Existenzgründung helfen die Wirtschaftsexperten der Aktivsenioren beim Erstellen eines Businessplans. Wenn der Businessplan steht, folgen die Gewerbeanmeldung und die Bankgespräche. Welche Fördermittel gibt es für Selbstständige? Andreas Rösch: Das ist sehr unterschiedlich - je nach persönlichen Voraussetzungen und Lebensumständen. Zu den personenbezogenen Fördermitteln zählt zum Beispiel der Gründerzuschuss der Agentur für Arbeit bei Arbeitslosigkeit. Das hängt aber immer von der Ausgangslage ab und muss für jeden Einzelfall geprüft werden. Welche Branchen eigenen sich besonders für die Selbstständigkeit? Andreas Rösch: Sicher sind die Hemmschwellen niedriger im Dienstleistungsbereich, weil die Investitionskosten geringer sind, aber grundsätzlich gibt es in fast jeder Branche die Möglichkeit der Selbstständigkeit. Wie sollten sich Selbstständige absichern? Anastasia Buglov: Je genauer der Businessplan ist, desto besser sind die Aussichten, dass es funktioniert. Die Gründer dürfen nicht aufhören, sich beraten zu lassen. Wenn man merkt, dass die Zahlen nicht mehr passen, dann sollte man so schnell wie möglich Hilfe holen. Selbstständige müssen sich außerdem selbst krankenversichern. Dazu kommt, je nach Geschäftsmodell, eine Betriebshaftpflicht.

Tipps für den Einstieg in die Selbstständigkeit

Geschäftsplan Zu Beginn der Selbstständigkeit steht oft ein Businessplan (Geschäftsplan). Bei Verhandlungen mit Banken,

Kapitalgebern oder Kunden ist das die wichtigste Visitenkarte. Der Businessplan hat folgende Bestandteile: Zusammenfassung, Geschäftsidee, Produkt / Dienstleistung, Markt- und Konkurrenzübersicht, Marketing, Unternehmensorganisation, Finanzierung, Chancen und Risiken, ergänzende Unterlagen (Lebenslauf, Finanzierungsplan,

Verträge u.ä.).

Hilfe Beratungen zur Existenzgründung, -sicherung und Unternehmensnachfolge durch die IHK für Oberfranken gemeinsam mit den Wirtschaftsexperten der Aktivsenioren Bayern am Donnerstag, 22. August 2019, ab 9 Uhr, Landratsamt Forchheim. Die Beratungen sind kostenfrei. Terminvergabe jeweils bis 15 Uhr. Vorherige Anmeldung erforderlich bei der Wirtschaftsförderung unter Tel. 09191/86-1021 oder E-Mail an: wifoe@lra-fo.de.

Netzwerkveranstaltung Am 15. Oktober findet in Ebermannstadt eine Veranstaltung für Existenzgründer statt. In Fachvorträgen wird unter anderem erläutert, wie ein Businessplan erstellt wird, und was die passende Rechtsform ist. Infos bei der Wirtschaftsförderung. fr

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