Ebermannstadt
Diskussion

Ex-Staatsminister Thomas Goppel: Individualität ist enorm wichtig

Ex-Staatsminister Thomas Goppel analysiert in Ebermannstadt gesellschaftspolitische Trends und ruft zu mehr Eigenverantwortung auf. Lösungen könnten nur in gemeinsamem Ringen gefunden werden.
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Engagiert, launig und pointiert legte Thomas Goppel den Finger in gesellschaftspolitische Wunden. Foto: Josef Hofbauer
Engagiert, launig und pointiert legte Thomas Goppel den Finger in gesellschaftspolitische Wunden. Foto: Josef Hofbauer
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"Sommers in Ebermannstadt zeigt dem Auswärtigen die Schönheiten einer fast 800 Jahre alten Stadt mit all ihren Schönheiten". Mit diesen Worten verewigte sich Staatsminister a.D. Thomas Goppel im "Goldenen Buch" der Stadt Ebermannstadt. Anschließend analysierte er in einer einstündigen, frei vorgetragenen Rede auf dem Marktplatz zum Auftakt des Altstadtfestes, was in unserer Gesellschaft schief läuft, mahnte zu einer differenzierteren Betrachtung der Dinge und rief zu mehr eigenverantwortlichem Handeln auf.

Hart kritisierte Goppel eine Kultur des Anklagens und Forderns. Der Staat könne nicht alle Probleme lösen. "Wir brauchen eine andere Diskussionskultur, müssen uns in den Meinungen zusammenraufen und nach sinnvollen Lösungen suchen", forderte der dienstälteste Minister Bayerns.

Ein Appell, dem der CSU- Fraktionschef im Stadtrat Ebermannstadt, Rainer Schmeußer, nur zustimmen kann. "Jeder ist Teil des Problemes. Wir alle müssen uns mehr hinterfragen", so Schmeußer

Nur gemeinsam geht's

Bei der Suche nach Lösungen, gelte es die Vielschichtigkeit der Probleme genau zu analysieren, pflichtet Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) bei. Im Gegensatz zu dem Gast habe sie das Bürgerbegehren "Rettet die Bienen" aber nicht als Anklage, sonders als gemeinsamen Appell empfunden. Meyer stimmt Goppel aber zu, wenn sie betont, dass die Herausforderungen der Gesellschaft nur durch gemeinsames Ringen um Lösungen Leider, bewältigt werden könnten.

Leider, so MdL Michael Hofmann (CSU) , sei eine tiefgründige Diskussionskultur verloren gegangen. In einer schnelllebigen Zeit erwarteten die Bürger schnelle Lösungen. Sinnvoller sei es, sich mehr Zeit zu lassen. Hofmann findet, Goppel habe hier einen Nerv getroffen. Die Frage ist, ob der Staat alles regeln muss oder ob es nicht besser wäre, die Leitplanken zu erweitern und die Eigenverantwortung zu stärken.

Das findet auch MdB Silke Launert (CSU). Sie zitiert hier John F. Kennedy, der gesagt hat: "Fragt nicht, was euer Land tun kann, fragt was ihr für euer Land tun könnt". Würde der Staat alle Probleme der Bürger lösen, würde das sogar zu einer Abhängigkeit führen. Die Menschen würden unfrei, so Launert. Dass Probleme nur gemeinsam gelöst werden können, hatte Goppel mit einem Stimmungsbild von Europa verdeutlicht. "Alle finden's zum Speib'n, aber keiner kann aussteigen!" Deshalb gelte es, die Einmaligkeit und Einzigartigkeit zu erkennen und zu fördern, Die Politik müsse dafür sorgen, dass jeder seinen Platz in der Gesellschaft findet. Sonst fühlten sich Menschen abgehängt, im Stich gelassen. Gleichmacherei sei daher fehl am Platze.

Keine Gleichmacherei

"Wenn alle das Gleiche bekommen, klingt das per se schön, doch bleibt dabei die Individualität auf der Strecke", findet Rainer Schmeußer. Auch Michael Hofmann findet, heutzutage werde vieles über einen Kamm geschert. "Die Gleichheit für alle ist nicht das Stichwort. Jeder müsse nach seinen Bedürfnissen und Chancen gefördert werden.

Ein gestopptes Bürgerbegehren, das den jährlichen Flächenverbrauch der Kommunen für Betriebsansiedlungen auf 2400 Quadratmeter begrenzt hätte, wäre auch deshalb kein tragfähiges Konzept gewesen, weil dadurch jegliche Entwicklung verhindert worden wäre. Die Ansiedlung eines größeren Betriebes wäre damit unmöglich geworden, verdeutlicht Silke Launert. Sie plädiert hier für "kreative Lösungen".

Bürgermeisterin Christiane Meyer treibt der Flächenverbrauch zwar um, doch eine einheitliche Regelung lehnt sie ab. "Wir haben uns da in eine Klemme begeben, aus der wir schwer herauskommen." Ihr Vorschlag: Innenentwicklung vor Außenentwicklung und Siedlungsgebiete nur noch mit Bauzwang ausweisen. "Das haben wir bereits, aber es wird nicht konsequent angewendet. Hier wünsche ich mir klarere Richtlinien von den Landratsämtern und der Regierung", so Meyer.

Im Gegensatz zu Thomas Goppel, der so gar keine Sympathie für die "Fridays For Future"-Bewegung aufbringen konnte, erinnert Meyer, dass sich alle heutigen Mandatsträger eine politische Jugend gewünscht hätten. Ihr Handeln löse einen Prozess aus. Als wohltuend habe sie den Dialog mit Goppel im Rathaussaal empfunden. Dort hatte er spontan seine Unterstützung für die Dampfbahn durch den Bayerischen Denkmalrat angeboten.

Erfreut nahmen die rund hundert Zuhörer des Vortrages zur Kenntnis, dass sich Goppel durchaus selbstkritisch zeigte. Er räumte ein, dass er bei Entscheidungen die Hand gehoben habe, bei denen er es besser gelassen hätte. Auch an den gesellschaftlichen Fehlentwicklungen sei die CSU nicht unschuldig. Er räumt ein: "Wir haben vieles einfach laufen lassen und haben nichts dagegen unternommen". .

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