Forchheim
Amtsgericht

Ex-Partner schwärzt Gräfenbergerin wegen Gewehr an

Eine Gräfenbergerin stand wegen Waffenbesitzes vor Gericht. Die Anklage entpuppte sich als Teil einer Schlammschlacht einer gescheiterten Beziehung.
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Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa
Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa
Wegen unerlaubten Waffenbesitzes hat sich am Donnerstag eine 49-Jährige aus Gräfenberg vor dem Amtsgericht verantworten müssen. Während der Verhandlung zeigte sich: Die Anklage war eine weitere Episode eines anhaltenden Streits mit ihrem früherem Beziehungspartner.

3000 Euro sollte die Gräfenbergerin laut Strafbefehl zahlen, weil sie ohne die erforderliche Erlaubnis ein Gewehr in ihrer Wohnung besaß. Die Frau legte Einspruch ein. Vor Gericht beharrte sie darauf, dass die Waffe der Marke Winchester nicht ihr gehöre. Sie erhob auch keine Ansprüche auf das Gewehr. "Das, was meiner Mandantin vorgeworfen wird, trifft nicht zu", meinte ihr Verteidiger Stephan Kronast. Der Verwurf sei ein Versuch, des Ex-Partners sich an der Frau zu rächen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Rosenkrieg vor Gericht ausgefochten wurde: Die beiden Parteien haben sich in der Vergangenheit bereits mehrmals gegenseitig angezeigt, merkte der Rechtsanwalt an. Auch die Familie, die bei dem vorliegenden Fall als Nebenklägerin auftrat, wäre bereits öfters im Streit beteiligt gewesen. "Die Familie und mein Ex stecken unter einer Decke", betonte die Gräfenbergerin.

Die Anklage stütze sich hauptsächlich auf deren Aussagen. Vor diesem Hintergrund drängte der Verteidiger darauf, das Verfahren nach Möglichkeit einzustellen. Kronast betonte jedoch: "Ansonsten werden wir es im Bösen ausfechten."

Er stellte den Ex-Partner seiner Mandantin als Lügner und unglaubwürdig dar. Dem Gericht legte er Unterlagen vor, die beweisen würden, dass der Mann bei vorherigen Verhandlungen bereits gelogen habe. Auch in den Angaben zu dem gefundenen Gewehr sei "einiges an Widersprüchen dabei".


"Vernichtungskrieg"

So habe die gefundene Winchester-Waffe entgegen der Aussage des Mannes weder einen silbernen, noch einen geknickten Lauf. Es gehe dem Mann nur darum, der 49-Jährigen zu schaden. Kronast sprach deshalb von einem "Vernichtungskrieg gegen seine Mandantin". Die Gerichtsverhandlungen seien für die Hofbesitzerin ein finanzielles Desaster, sagte die Angeklagte. Die hohen Anwaltskosten könne sie kaum noch stemmen. "Ich kann nicht mehr. Ich bin definitiv am Ende. Ich versuche nach und nach in meinem Geschäft Fuß zu fassen", erklärte sie mit weinerlicher Stimme.

Ihre Kontrahenten wollten sie dazu bringen, ihren Hof in Gräfenberg zu verkaufen. Ihr Ex-Partner habe dafür sogar eine Halle in der Nähe ihres Hofes angemietet, um regelmäßig bei ihr vorbei zu fahren. In früheren Gerichtsverhandlungen ging es unter anderem um gestohlene Unterlagen. Der Mann habe zum Beispiel ihre Fahrzeugbriefe gestohlen und Steuern über ihre Steuernummer abgewickelt. "Sie versuchen mich mit allen Mitteln zu vernichten", schluchzte die Frau.

Staatsanwältin Isabel Brzezicha und Amtsrichterin Silke Schneider kannten die anhaltende Fehde bereits. So war es möglich, dass sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft darauf einigten, das Verfahren gegen eine Geldauflage von 500 Euro einzustellen.

Weil die Gräfenbergerin ihrem Ex auf keinen Fall begegnen wollte, schickte Richterin Schneider den als Zeugen Geladenen ins Obergeschoss, während die Frau das Gerichtsgebäude verließ.
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