Forchheim
Interview

Ewald Maier: Sparkasse ist mit der Region verwurzelt

Die Sparkasse Forchheim begeht im neuen Jahr ihr 175. Jubiläum. Sie will mehr als ein Finanzdienstleister sein, erklärt der Vorstandsvorsitzende Ewald Maier im Gespräch. Impulse geben und Nutzen vor Ort zu stiften, das sei ihr Ziel.
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Ewald Maier lenkt bereits seit zwölf Jahren die Sparkasse Forchheim. Foto: Michael Memmel
Ewald Maier lenkt bereits seit zwölf Jahren die Sparkasse Forchheim. Foto: Michael Memmel
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30 Filialen, rund 400 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von 1564 Millionen Euro (progostiziert im Jahr 2013) - das ist die Sparkasse Forchheim. Im Jahr 2014 feiert das Finanzinstitut seinen 175. Geburtstag. Aus diesem Anlass hat sich der Fränkische Tag zum Interview mit Dr. Ewald Maier getroffen. Der 56-Jährige, der über Informationsschutz promoviert hat, ist seit 1. März 2002 der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse.

Im Gespräch verrät der Vater von zwei Töchtern, der in Frohn hof im Markt Ecktenal und damit gerade noch im Geschäftsgebiet seiner Bank wohnt, worauf er sich im Jahr 2014 besonders freut und warum seine Frau das Wort "Sparkasse" immer noch hören kann. Und er trifft Aussagen zur Zukunftssicherheit von Bankfilialen im ländlichen Raum.


Können Sie sich noch daran erinnern, wann Sie das erste Mal mit einer Sparkasse in Berührung gekommen sind?
Ewald Maier: Den ersten Kontakt mit der Sparkasse hatte ich in meiner Kindheit über das Schulsparen. Die Sparkassen treten in den Schulen auf, um das Thema Sparen in den Fokus zu rücken.

Zum Jubiläum sucht die Sparkasse Forchheim das schönste Sparschwein im Landkreis? Wie hat denn Ihr eigenes ausgesehen?
An mein erstes kann ich mich eigentlich nicht mehr erinnern. Aber dass ich mithilfe des Sparschweins regelmäßig gespart habe, habe ich bis heute nicht vergessen. Im Rahmen des Jubiläums soll über den Wettbewerb "Das schönste Sparschwein" der Gedanke des Sparens hochgehalten werden.

Und zum Weltspartag kam ihr Schwein dann auch zur Bank?
Natürlich habe ich mein Erspartes zum Weltspartag zur Bank getragen, weil es dann ja immer schöne Preise gibt. Der jährliche Weltspartag hat in Zeiten des Konsums meines Erachtens mehr denn je die Aufgabe, das Sparen als Geisteshaltung lebendig zu halten. Nur so lässt sich langfristig eine Verschuldung vermeiden.

Sie sind seit zwölf Jahren Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Forchheim. Wenn Sie diesen Satz hören, welches Bild erscheint vor Ihren Augen?
In den zwölf Jahren meiner leitenden Tätigkeit in der Sparkasse Forchheim habe ich mich immer als Dienstleister für die Kunden unserer Bank verstanden. Das Bemühen um ein kunden- und serviceorientiertes, modernes und verlässliches Finanzdienstleitungsinstitut hat unser Haus in seiner Wahrnehmung entscheidend geprägt. So haben wir neben den klassischen Bankdienstleistungen eine Reihe von Mehrwerten für unsere Kunden geschaffen. Ich denke beispielsweise an unseren Cash-In, die Testarossa-Cafébar sowie die Preisvorteile bei vielen kulturellen Veranstaltungen in der Region.

Was verbinden Sie speziell mit ihrem Anfang in Forchheim?
Denke ich an die ersten Jahre in Forchheim zurück, so kommen mir vor allem drei Aspekte in den Sinn: Zum einen empfand ich die neue Aufgabe als große Herausforderung. Zum anderen verspürte ich bei den Gewährträgern aus Stadt und Landkreis hohe Erwartungen an meine Person. Zum Dritten musste ich dem starken technischen Wandel, der die Bankenlandschaft in den letzten zehn Jahren massiv verändert hat, Rechnung tragen, ohne die Kundenbindung bzw. den Kundenkontakt zu verlieren.

Nach welcher Maxime versuchen Sie, die Sparkasse Forchheim zu führen?
Wir möchten für möglichst viele Bürger in Stadt und Land langfristig der Partner bei finanziellen Fragestellungen sein. Dabei steht für uns die Qualität an erster Stelle. Und im Haus ist mir ein partnerschaftliches Miteinander wichtig - gepaart mit einem hohen Engagement für unsere Kunden.

In welcher Form haben Sie der Sparkasse Forchheim Ihren Stempel aufgedrückt?
(lacht) Da müssen Sie meine Mitarbeiter und Kunden fragen. (überlegt) Ja, ich denke, wir sind heute stärker mit und in der Region verwurzelt und versuchen, mit allen wichtigen Partnern vor Ort - vor allem den Kommunen, aber auch den Unternehmen - die Region mit zu entwickeln. Diese Zusammenarbeit ist viel intensiver geworden. Wir sind heute deutlich häufiger als Partner gefragt, nicht nur um Finanzdienstleistungen zu positionieren, sondern auch um Projekte zu unterstützen - sei es über Spenden oder eine direkte Förderung.

Ist das aus Ihrer Sicht auch das wesentliche Unterscheidungsmerkmal der Sparkasse gegenüber anderen Finanzinstituten?
Also die Verankerung in der Region über die verschiedenen Partner ist sicherlich ein Wesensmerkmal der Sparkasse. Darüber hinaus versuchen wir über unser Filialnetz - entgegen dem allgemeinen Trend der Großbanken - Kundennähe zu bewahren. Und schließlich unterscheidet sich die Sparkasse von anderen Banken vor allem in ihrer geschäftspolitischen Ausrichtung. Unser unternehmerisches Handeln wird nämlich nicht einseitig von Gewinnmaximierung, sondern insbesondere vom öffentlichen Auftrag bestimmt, das heißt Nutzen in und für die Region zu stiften. So fließt ein Teil unserer Gewinne regelmäßig in die regionale Förderung und Entwicklung zurück.

Bei ihrem Jubiläumsprogramm stehen viele hochkarätige Veranstaltungen auf dem Programm. Außerdem unterstützt die Sparkasse viele Initiativen und Vereine in der Region. Haben Sie keine Angst, dass ihre Kunden sagen: Verzichtet doch lieber auf dieses ganze Sponsoring und gebt uns lieber ein bisschen mehr Zinsen?
Wir stehen als Sparkasse Forchheim in Konkurrenz zu allen anderen Geldinstituten. Deshalb müssen wir die am Markt üblichen Konditionen bieten. Wir haben folglich gar keine Chance, uns merklich anders zu positionieren. Zudem versuchen wir - wie bereits erwähnt - einen kleinen Teil der Gewinne unseren Kunden über Veranstaltungen und Projekte zu gute kommen zu lassen. Bei dem Einsatz der Ressourcen haben wir immer die Verantwortung gegenüber den Kunden im Blick. Natürlich werden im Jubiläumsjahr andere, einmalige Themen hinzukommen, aber wir sind insgesamt auf einem Niveau angelangt, das wir nicht weiter ausbauen werden.

Im Jahr 2013 hat sich die Sparkasse - wie auch ein Mitbewerber - aus Unterleinleiter zurückgezogen. Die Filiale rentierte sich nicht mehr. Sind solche Schließungen auch in anderen Gemeinden zu erwarten?
Im Moment sind keine weiteren Schließungen angedacht. Aber dennoch werden die Filialen jedes Jahr neu auf den Prüfstand gestellt werden müssen, weil die Zweigstellen selbstverständlich auch Kostenträger sind. Wenn in einer Kommune allerdings nur noch Bankfilialen vorhanden sind und sich alle übrigen Geschäfte aus diesem Raum zurückgezogen haben, ist ein kommunaler Wirtschaftskreislauf nicht mehr existent, so dass auch eine Filiale vor Ort keinen wirtschaftlichen Sinn mehr macht. Aber wir gehen nicht als erste, sondern reagieren in der Regel nur auf eine bereits seit langem eingetretene Entwicklung.

Was sind die größten Probleme für die kleinen Filialen?
Neben den Kosten ist es vor allem die geringe Frequenz der kleinen Filialen, die uns vor unternehmerische Probleme stellt. Vor diesem Hintergrund steht für uns außer Frage, dass Ein-Mann-Filialen langfristig nicht mehr zukunftsfähig sind. Deshalb haben wir inzwischen nur noch Geschäftsstellen mit zwei Mitarbeitern oder mehr.

Wo liegen die Ursachen für diese Entwicklung?
Ich denke, da gibt es mehrere. Zunächst mal sind heute die Bankgeschäfte über verschiedene Wege möglich. Eine Möglichkeit ist das Online-Banking. Das erleichtert vieles für den Kunden, da verschiedene Bankgeschäfte direkt von zu Hause getätigt werden können. Da die Bürger für ihre Einkäufe in größere Kommunen fahren oder dort arbeiten, erledigen sie zum Teil ihre Bankgeschäfte gleich mit. Hinzu kommen sicherlich die bereits angesprochenen Kosten. Wenn in einer Filiale die Kosten größer sind als die Erträge, dann muss man auch über eine Schließung nachdenken.

Zum 175. Jubiläum haben Sie den Kalender Ihres Kreditinstituts mit Luftaufnahmen aus dem Landkreis Forchheim versehen und veröffentlichen viele weitere Bilder von oben bald auch in einem Buch. Welcher Gedanke steckt dahinter?
Luftaufnahmen sind immer etwas Besonderes für die Menschen, weil sie eine Perspektive bieten, die sie sich nicht so leicht selber ermöglichen können. Zum anderen wollten wir den Landkreis in seiner ganzen Schönheit zur Geltung kommen lassen. Der deutschlandweit bekannte Fotograf Gerhard Launer präsentiert seine Aufnahmen in einem einzigartigen Bildband.

Auf welche Veranstaltung im Jubiläumsjahr freuen Sie sich am meisten?
Es ist vor allem die Vielzahl an Themen und Aktionen, auf die ich mich freue. Zudem gefällt mir, dass die Geschäftsstellen vor Ort dieses Jubiläum aktiv begleiten werden. Dafür haben wir uns ganz bewusst entschieden. Ein Highlight wird sicherlich der Jubiläumsabend im historischen Rathaussaal der Stadt Forchheim sein. Und darüber hinaus stellt das Open-Air mit Xavier Naidoo ein ganz besonderes Novum in unserer Region dar.

Sie hätten auch gerne Zirkus Krone nach Forchheim geholt, doch das hat nicht geklappt. Warum?
Zirkus Krone war ja schon zwei Mal da mit sehr großem Erfolg. Jeweils 3000 Kunden, Jung und Alt, haben sich die Gala angesehen. Diesmal hat es leider aus organisatorischen Gründen nicht geklappt. Die jungen Kunden können deshalb dieses Jahr im Rahmen des Jugendmarktaus fluges zu Zirkus Krone nach München fahren.

Fühlen Sie sich gut unterstützt bei den Veranstaltungen durch die Stadt Forchheim?Auf jeden Fall. Die Unterstützung ist erstklassig und in jeder Form gewinnbringend.

Die Sparkasse ist ein prägender Teil des Forchheimer Stadtbildes. In den Straßennamen schlägt sich das bislang nicht nieder. Könnte sich das im Jubiläumsjahr ändern?
(lacht) Hier ist wie so oft der Wunsch der Vater des Gedanken. Wie dem auch sei, gilt es, die Entscheidungen der Stadt abzuwarten. Bis dato ist noch nichts spruchreif.

Kann Ihre Frau das Wort Sparkasse noch hören?
Ja, mein Frau ist immer für das Wort Sparkasse offen. Und ich denke, sie findet die Idee, regional unterstützend zu wirken, durchaus positiv. Sie ist ja als Lehrerin ein Stück weit in der Region unterwegs, um Kinder für das Leben fit zu machen.

Wie schaffen Sie die Trennung zwischen Beruf und Privatleben?
Natürlich ist man in dieser Funktion nie ausschließlich Privatperson. Das muss man wissen, wenn man eine solche Aufgabe übernimmt. Angesichts meines langjährigen ehrenamtlichen Engagements bin ich Bürgernähe durchaus gewohnt. Eine intakte Gesellschaft lebt schließlich von einem intensiven Austausch.

Die Fragen stellte Michael Memmel

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