Forchheim
Medizin

Es gibt zu wenig Hebammen

In Stadt und Landkreis herrscht Notstand. Frauen suchen bereits ab der sechsten Schwangerschaftswoche verzweifelt Unterstützung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Eva Schmitt ist Hebamme aus Leidenschaft und wirbt für ihren Berufsstand, der in Forchheim Nachwuchs gut gebrauchen könnte.: "Kommt gerne zu uns, wir brauchen euch dringend." Foto: Eva-Maria Turnwald
Eva Schmitt ist Hebamme aus Leidenschaft und wirbt für ihren Berufsstand, der in Forchheim Nachwuchs gut gebrauchen könnte.: "Kommt gerne zu uns, wir brauchen euch dringend." Foto: Eva-Maria Turnwald
+1 Bild

Eine Hebamme in Stadt und Landkreis Forchheim mit freien Terminen zu bekommen, ist keine einfache Sache. Nachdem immer mehr schwangere Frauen Schwierigkeiten haben, eine Hebamme für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett-Betreuung zu finden, hat der Landkreis Forchheim nun reagiert und ein eigenes Vermittlungsportal im Internet eingerichtet.

Eva Schmitt (36) aus Hausen ist Hebamme. "Der Beruf ist toll", schwärmt die 36-Jährige, die sich 2003 entschied, ihren bisherigen Job als Verlagskauffrau an den Nagel zu hängen und noch einmal eine dreijährige Ausbildung zu machen - an der Erlanger Hebammenschule. "Die Ausbildung ist so konzipiert, dass man immer zwei Wochen Schule hat und dann zwei Wochen Praxiseinsätze, hauptsächlich in der Gynäkologie oder im Kreißsaal", erzählt Schmitt, die in der Gemeinschaftspraxis "Storchenviertel" in Forchheim arbeitet.

Problem weitet sich aus

Die 36-Jährige weiß, dass es für Schwangere immer schwieriger wird, eine Hebamme zu finden: "Auf 1000 Geburten kommen in Stadt und Landkreis Forchheim gerade einmal 16 Hebammen, was natürlich viel zu wenig ist." Diese Minderversorgung sei nicht plötzlich gekommen, sondern habe sich in den letzten Jahren abgezeichnet - zuerst in größeren Städten. Zwischenzeitlich habe sich das Problem ausgeweitet.

Wie ein solches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zustande kommt, hat mehrere Ursachen. "Unsere Betreuungszeiten sind sehr schwer zu takten, denn mal gibt es weniger Geburten und mal mehr", erläutert Schmitt, die selbst Mutter ist und deswegen nur in Teilzeit arbeitet, "ein weiterer Grund sind mit Sicherheit die stark gestiegenen Dokumentationspflichten und anderen Auflagen." Hebammen sind selbstständig, müssen deshalb höhere Versicherungsbeiträge an die Krankenkassen entrichten als Angestellte.

Die Ausgabenseite ist hoch - die Erlöse sind reglementiert. "Die Krankenkassen zahlen für einen Wochenbettbesuch eine Pauschale und kalkulieren 20 Minuten je Einsatz", nennt Schmitt als Beispiel. Diese 20 Minuten seien viel zu knapp bemessen, es bräuchte eigentlich durchschnittlich 45 Minuten je Wochenbettbesuch.

Trotzdem hat es Eva Schmitt nie bereut, Hebamme geworden zu sein. "Es ist einfach ein ganz besonderer Beruf", rührt sie die Werbetrommel. Die dreijährige Ausbildung ist aber schon bald Geschichte, denn die Lehre wird durch ein zu absolvierendes Studium ersetzt.

Der Landkreis Forchheim will sich aber nicht nur auf diese Aufwertung des Berufes verlassen, sondern aktiv Schwangere bei ihrer Suche nach einer freien Hebamme unterstützen und im Gegenzug Hebammen mit freien Kapazitäten mit Kundinnen zusammenbringen. Die Lösung ist ein Vermittlungsportal auf der Internetseite des Landratsamtes (www.lra-fo.de), das im Reiter Aufgabenbereich unter Sicherheit, Gesundheit und Verbraucherschutz zu finden ist.

"Wir suchten nach einer Lösung, wie wir nicht täglich so vielen Schwangeren absagen müssen. Wenn sich Frauen zentral vermitteln ließen, wäre das eine enorme Erleichterung", sagt auch die Kauernhofenerin Petra Saffer, die die Hebammen in der "Gesundheitsregion plus" des Landkreises vertritt, wo die Idee geboren wurde. Das Vermittlungsportal findet für Schwangere die passende Hebamme: einfach und digital - egal, ob mit PC, Tablet oder Smartphone.

Im Landratsamt ist man davon überzeugt, dass das neue Angebot von Schwangeren gut angenommen wird - zumal die Hebammen entlastet werden und dadurch mehr Zeit für die Betreuung von Schwangeren und Wöchnerinnen bekommen.

Oft verplant, plötzlich frei

"Eine gute Einrichtung", lobt auch Schmitt, die schwangeren Frauen bisher immer geraten hat, nicht nur einmal bei Hebammen anzufragen, ob Kapazitäten frei sind, sondern mehrfach. "Oftmals ändern sich die Umstände, und eine Hebamme ist, obwohl sie eigentlich gestern noch verplant war, heute wieder frei." Wie drastisch der Hebammenmangel sich im Landkreis Forchheim bemerkbar macht, skizziert die 36-jährige Hausenerin so: "Aktuell melden sich Frauen bereits in der sechsten bis siebten Schwangerschaftswoche und suchen bereits da eine Hebamme.Wir haben jetzt schon Anmeldungen für Februar 2020."

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren