Egloffstein

Erdbeben im Trubachtal: Authentischer Einsatz in Egloffstein

Freiwillige Helfer des Arbeiter-Samariter-Bundes bereiten sich in Egloffstein auf Hilfseinsätze im Ausland vor. Das Szenario soll möglichst authentisch wirken.
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Amelie Heid und Josef Hofbauer Helfen will gelernt sein. Das weiß Karlheinz Pfaff, Krankenpfleger und Rettungsdienstleiter aus Worms nur allzu gut. Er war mit dem Arbeiter Samariter Bund (ASB) wiederholt in Krisengebieten im Irak und in Srilanka. "So etwas wie mein erster Auslandseinsatz 1994 in Ruanda, als ich da stand und nicht helfen konnte, weil ich überhaupt nicht vorbereitet war, darf sich nicht wiederholen", findet der "Kalle". Deshalb leitet er das ASB-Übungscamp, das am Wochenende in Egloffstein den Hilfs-Ernstfall probt.

"Im Prinzip simulieren wir eine Hausarztpraxis in einem Katastrophengebiet. Dabei geht es in erster Linie darum, Epidemien zu vermeiden. Der Einsatz ruht auf vier Säulen, die alle gleich wichtig sind, erklärt der Trainer. Wir wollen Notunterkünfte schaffen, die Ernährung sicherstellen, medizinische Hilfe gewährleisten und für Hygiene, allem voran für sauberes Trinkwasser, sorgen.


In Egloffstein haben die Helfer eine Trinkwasser-Aufbereitungsanlage aufgebaut, die pro Tag tausend Menschen mit sauberem Wasser versorgt. Wie kostbar das kühle Nass ist, zeigt die Tatsache, dass pro Person maximal 15 Liter Wasser am Tag zur Verfügung stehen. Für Essen Trinken, Kochen und Waschen.

In einem Vorzelt werden die "Opfer" registriert und einer Art Reihenuntersuchung unterzogen. Das machen Rettungsassistenten oder Krankenpfleger, die sich an den Behandlungsleitlinien der Welt-Gesundheitsoprganisation (WHO) orientieren. Je nach Krankheitsbild werden die Menschen medizinisch versorgt.

Ein Bild des Elends

In der Zwischenzeit übt der Mediziner Daniel Peter, Mitglied beim Schnelleinsatz für syrische Flüchtlinge im Nordirak mit den Helfern, woran man welche Krankheit erkennt, wie sie übertragen wird und welche Impfungen jeder Helfer haben muss.

Was ist passiert? Das Szenario geht davon aus, dass es vor eineinhalb Wochen ein starkes Erdbeben gab, das alle Dörfer in Schutt und Asche legte. Nur Egloffstein bliebt verschont. Jetzt verwandelt sich der Ort allmählich in ein Flüchtlingslager. Deshalb ist die ASB-Schnelleinsatzggruppe vor Ort.

Die Helfer aus ganz Deutschland sind zum ersten mal mit so einer Situation konfrontiert. ASB Nothilfekoordinator Axel Schmitt hat jedem Laiendarsteller ein Krankheitsbild zugeordnet. Die Bandbreite reicht von brennenden, tränenden Augen über Durchfall und Fieber bis zu Atemwegsproblemen. Mache haben seit langem keinen Tropfen Flüssigkeit zu sich genommen. "Wer zum ersten mal mit diesem vielfältigen Elend konfrontiert ist, hat daran zu knabbern. Deshalb müssen wir das üben", erklärt Axel Schmitt.

Ich bin ein 17-jähriges Mädchen, mit 50 Kilo leicht untergewichtig und lebte mit meiner Familie in einem Haus, das durch die Katastrophe teilweise zerstört wurde. Die Eltern werden vermisst.

Im Ambulanzzelt geht es drunter und drüber. Die Rettungskräfte werden von den "Erdbebenopfern" auf Trab gehalten. Manche drängeln sich vor, weil es ihnen nicht schnell genug geht, andere randalieren, Sanitätshelferinnen werden sexuell belästigt. Die Nerven liegen blank. "Das versetzt die Einsatzkräfte richtig in Stress", berichtet Felix Fellmer (29), einer der Organisatoren der Übung. "Es soll ja realistisch wirken."

Ich spiele mit, weigere mich, von Jörn untersuchen zu lassen. Der ist überfordert, versucht eine Konveration auf Englisch. Ein Kollege rät ihm, mich an Simone weiter zu leiten. Das funktioniert. Sie diagnostiziert richtig: Augenentzündung! Das Medikament dagegen sind ausnahmsweise Gummibärchen!

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