Forchheim
Urteil

Er schlug, trat und würgte seine Freundin: Mehrfach gewalttätiger Forchheimer wird verurteilt

13 Straftaten, 23 Zeugen, zwei Verhandlungstage - Weil ein junger Forchheimer unter anderem immer wieder seine Freundin brutal angriff, muss er für Jahre in Haft.
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Ein 20-jähriger Forchheimer wurde am Jugendschöffengericht Bamberg verurteilt. Er hatte betrunken eine Vielzahl an Straftaten in Forchheim begangen. Symbolfoto: imago
Ein 20-jähriger Forchheimer wurde am Jugendschöffengericht Bamberg verurteilt. Er hatte betrunken eine Vielzahl an Straftaten in Forchheim begangen. Symbolfoto: imago

Vier Jahre Jugendstrafe bekam ein 20-jähriger Forchheimer vor dem Jugendschöffengericht Bamberg. Der Arbeitslose hatte über Jahre hinweg eine Vielzahl an Straftaten in seiner Heimatstadt begangen. Auslöser war der Alkohol gewesen, der ihn aggressiv gemacht hatte. Die Beweisaufnahme hatte sich mit zwei Verhandlungstagen und rund 20 Stunden Dauer, auch auf Grund der 23 Zeugenaussagen und der 13 Taten als sehr umfangreich erwiesen.

Gewalttätige Beziehung: Frau kam nicht los

Immer wieder schlägt Hakan G. sie. Doch Sandra V. (alle Namen geändert) kommt nicht von ihm los. So geht das wochenlang. Dann wird die 26-Jährige auch gewürgt. Der Anlass war stets nichtig. Ein komischer Blick, ein falsches Wort, und schon hatte sie seine Hand im Gesicht. Was das für eine Beziehung war, konnte, oder wollte, keiner der beiden näher erläutern. Selbst vor Jugendrichter Martin Waschner schaffte Sandra V. es, die Gewalttaten gegen sich kleinzureden, zu beschönigen, herunterzuspielen. Aus einer handfesten "Schelln" wurde erst ein "leichter Klaps", bis zuletzt sogar von einem "Streicheln" die Rede war. Stets hätte sie weder Schmerzen gespürt, noch irgendwelche Folgen wie Blutergüsse gehabt. Zum Arzt sei sie auch nie gegangen. Sie sei viel Schlimmeres gewohnt und wolle nicht, dass er verurteilt werde. Außerdem sei sie selbst schuld, hätte sie ihn doch durch "Aufmüpfigkeit" provoziert. Dafür hatte Richter Waschner kein Verständnis: "Ein Mädchen schlägt man nicht. Aber vielleicht bin ich da auch altmodisch."

Brutale Prügelattacken

Erst als er sie Ende August 2018 auf dem Nachhauseweg abpasste und sie mit "15 bis 20 Faustschlägen" gegen den Kopf so brutal verprügelte, dass sie ins Klinikum musste und ihr Trommelfell geschädigt war, war die Geduld Sandra V.s endlich zu Ende. "Das war eine Nummer zu viel. Diesen leeren Blick bei ihm hatte ich vorher noch nie gesehen." Sie sehe sonst immer das Gute im Menschen und gebe jemandem hundert Chancen. Weil von einem "Stampftritt" in Richtung Kopf die Rede war, wurde der Vorfall zuerst als versuchter Totschlag eingestuft und sollte am Landgericht Bamberg verhandelt werden. Später wurde der Vorwurf auf gefährliche Körperverletzung heruntergestuft, blieb aber am Gerichtsort Bamberg.

Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung

Über eine Stunde berieten der Vorsitzende Richter und seine beiden ehrenamtlichen Schöffen. Mit den vier Jahren blieben sie nahe am Antrag des Staatsanwaltes Andreas Uhlstein und weit über den zwei Jahren und zwei Monaten, die Rechtsanwalt Thomas Gärtner (Bamberg) gefordert hatte. Eine versuchte gefährliche, sechs Fälle vorsätzlicher und eine fahrlässige Körperverletzung, eine Bedrohung, eine Nötigung, drei Beleidigungen, eine versuchte Sachbeschädigung und ein Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sah das Gericht als erwiesen an. Von der Idee des Verteidigers, sein Mandant habe einem Mann im Gasthaus "Schlössla" im Mai 2018 nur deshalb die Nase gebrochen, weil der ihn angegriffen hätte, verwarf das Gericht. "Sie sind ein Brockenkerl und haben den viel Kleineren angegriffen. Schließlich haben Sie nicht nur einmal zugeschlagen, um sich vermeintlich zu schützen, sondern mehrfach. Das ist als Angriff zu werten."

In die vier Jahre Jugendstrafe eingeflossen ist eine einjährige Bewährungsstrafe, die Jugendrichter Philipp Förtsch 2018 ausgesprochen hatte. Damals war es um gewerbsmäßigen Diebstahl in sechs Fällen mit einem Schaden von mehr als 1.000 Euro und den Besitz der Droge Crystal Meth gegangen. Wohl ein Fall von Beschaffungskriminalität, mit der Hakan G., der finanziell vollständig von seinen Eltern abhängig ist, den Kauf von Marihuana, Crystal und Kokain bestritt. Von den 19 Gewaltdelikten, mit denen der junge Mann in den letzten drei Jahren der Polizei aufgefallen war, schafften es nur wenige vor einen Richter. Ein Ausraster mit Sachbeschädigung, Bedrohung und Beleidigung, sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte hatte Hakan G. schon einmal einen Jugendarrest beschert. Von den unzähligen Vorfällen, bei denen er sich seiner Mutter oder Lehrern gegenüber respektlos verhalten, ja sogar Schlägereien während des Unterrichtes angefangen hatte, und dem "schadhaften Umfeld Forchheim-Nord" erfuhr man am Rande des Prozesses.

Anwalt: "Er säuft und schlägt und säuft und schlägt."

Allerdings hat das Jugendschöffengericht auch die Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung eines Bezirkskrankenhauses angeordnet. "Ihr Leben muss sich ändern," so Richter Waschner. Sonst passiere das, was der Vertreter der Nebenklage Stefan Kohler (Forchheim) ausrief: "Er säuft und schlägt und säuft und schlägt. Das macht mich wahnsinnig!" Hakan G. wird wohl in das auf junge Erwachsene spezialisierte Parsberg kommen. Dort wird er, nach Meinung der psychiatrischen Sachverständigen Dr. Susanne Eberlein (Kitzingen) zwischen eineinhalb und zwei Jahren daran arbeiten müssen, von seiner jahrelangen Alkoholabhängigkeit loszukommen. Und vielleicht auch noch einen Schulabschluss zu schaffen, der nachher in eine Ausbildung führen kann. Der Steuerzahler investiere viel Geld in diese "letzte Chance", so Richter Waschner. Während ein Tag im Gefängnis rund 90 Euro koste, seien es rund 450 Euro in der Entziehungsanstalt. "Da kommen schnell 300.000 Euro zusammen. Seien Sie sich dessen bewusst."

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