Neunkirchen am Brand
Porträt

Er ist den Giftködern auf der Spur

Polizeioberkommissar Christoph Reh wurde vor fünf Jahren eigens mit dem Natur- und Tierschutz beauftragt.
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Polizeioberkommissar Christoph Reh aus Neunkirchen am Brand. Foto: Petra Malbrich
Polizeioberkommissar Christoph Reh aus Neunkirchen am Brand. Foto: Petra Malbrich
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"Achtung, Hundehasser unterwegs. Unser Mischling wurde gestern durch einen Giftköder getötet. Bitte passt auf und teilt diesen Beitrag" - so oder so ähnlich lauten die Aufrufe auf Facebook, wenn wieder ein Hund durch Gift qualvoll gestorben ist.

Solche Verstöße gegen den Tierschutz sind der Polizei nicht fremd und vor allem nicht egal. Im Gegenteil: "Vor fünf Jahren wurde mir die Sachbearbeitung der Tier- und Naturschutzfälle in unserem Dienstbereich übertragen", sagt der Neunkirchner Polizeibeamte Christoph Reh, dessen Dienststelle die Polizeistation in Uttenreuth ist. Ein auf Tierschutz spezialisierter Polizeibeamter sollte es sein und der Polizeioberkommissar, Tierschützer und Hundehalter Christoph Reh war für diese Aufgabe prädestiniert.

In der Ausbildung für den Polizeidienst spielt der Natur- und Tierschutz eine eher untergeordnete Rolle. "Es ist eins von vielen Nebengesetzen. Wenn man aber bedenkt, welchen Stellenwert der Natur- und Tierschutz in den letzten Jahren erlangt hat, ist die Aus- und Fortbildung diesbezüglich durchaus ausbaufähig", betont Reh. Der Polizeioberkommissar hat etliche Tierschutzfälle auf seinem Schreibtisch liegen. Obendrauf drei Fälle von Hundevergiftungen, über die er intensiv recherchierte, mit den Hundebesitzern sprach und sich auch bei Tierarztpraxen informierte.

Gefährliche Düngemittel

Eins hat er dabei gelernt: Es ist nicht immer alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. "Die Tiere hatten etwas Giftiges aufgenommen, aber gezielte Giftköderangriffe waren nicht nachweisbar", erklärt Reh das Ergebnis seiner Recherchen. "Außer den klassischen Giftködern gibt es in der Natur viele Stoffe, an denen sich ein Tier vergiften oder verletzen kann."

Da sind zunächst die achtlos oder illegal entsorgten Giftstoffe wie Dünge- oder Spritzmittel, zum Teil inzwischen verbotene Mittel, die einfach in den nächsten Busch gekippt wurden. Dann gibt es die Kontaktgifte, bei denen ein kurzer Kontakt schon ausreicht. Der Hund leckt kurz übers Gras und hat das Gift erwischt. "Einen großen Bereich machen die legal erhältlichen Stoffe aus. Düngemittel, Insektizide, Pflanzenschutzmittel. Diese werden beispielsweise nach einem Regenschauer ausgewaschen und laufen in eine Pfütze. Aus dieser Pfütze trinkt das Tier", erklärt Reh.

Bleiben noch Mittel wie Schneckenkorn oder Rattengift, die nicht sachgemäß ausgebracht werden. Schon das wäre ein Verstoß gegen das Chemikaliengesetz. Der Hund nimmt etwas davon auf und stirbt qualvoll.

Aber: "Die Haustiere sind nur die Spitze des Eisbergs", sagt der für Tierschutz zuständige Beamte. Denn beispielsweise auch Vögel, Marder oder Igel nehmen das Gift auf und sterben qualvoll. "Nicht der Hund ist die Masse, sondern die an dem Gift verendenden Wildtiere", betont Reh. Das wird nur nicht bemerkt und ist schwer nachweisbar. Ist ein Wildtier krank, zieht es sich an einen einsamen Platz zurück. Kaum jemand wird ein totes Wildtier zum Sezieren bringen.

Auch Hundehalter in der Pflicht

Vor allem aber spielt die in den Foren durch angebliche Vergiftungen durch Hundehasser verbreitete Hysterie genau diesen in die Karten. Teils wird durch die Hundehalter auch Selbstjustiz angedroht, sollte der Täter erwischt werden. "Es ist besser, wenn die Betroffenen die Gassi-Strecke absuchen und wenn sie einen Giftköder finden, dies mit ausreichend vielen Fotos dokumentieren, den Köder in eine Hundetüte stecken und die Polizei verständigen. Wir verständigen die Kommunen und deren Gemeindearbeiter gehen die Hundestrecke ab. Bisher haben wir mit den Gemeinden gute Erfahrungen gesammelt", betont Reh.

In Möhrendorf wurden beispielsweise angebliche Giftköder gefunden. "Sie haben diese Köder auf eigene Kosten untersuchen lassen. Das Ergebnis war negativ", erklärt Reh. Der Hund muss sich auf andere Art und Weise die Vergiftung zugezogen haben. Aber auch den Hundehalter sieht Reh in der Pflicht. Wer den Hund laufen lässt und in der Zwischenzeit mit dem Handy beschäftigt ist, wird nur schwer wissen, was sein Hund gerade aufgefunden und gefressen hat. Betroffen sind aber nicht nur Hunde, auch Katzen können auf die beschriebene Art und Weise Gift aufgenommen haben. "Katzen ziehen sich auch zurück", erklärt Reh, und ist damit wieder bei den Wildtieren und den Sekundärvergiftungen, der großen Masse der Fälle.

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