Konzentriert stellt sich Martin Endrizzi in Position und legt den Pfeil ein. Zuvor hat er bereits eine mechanische Hilfe an der Sehne befestigt, um den Flug des Pfeils zu optimieren. Anschließend tastet er den Bogen nach dem richtigen Griff ab. Wenn er den gefunden hat, legt der 18-Jährige den Bogen an und nimmt die Zielauflage ins Visier. Er zieht den Bogen auf, verankert die mechanische Hilfe - und lässt los.
Der Pfeil trifft mit ungefähr 300 km/h mitten ins Schwarze. In diesem Fall den goldenen Innenkreis, der auf Turnieren die Höchstpunktzahl von neun bis zehn Punkte bringt.

Zwei verschiedene Bogenarten


Vor sieben Jahren kam der Forchheimer durch einen Freund zum SV Frankonia Neuses. Von der ersten Minute an war er begeistert und schon in seiner ersten Saison konnte er sich für die deutsche Meisterschaft qualifizieren.
Bogenschießen, eine Sportart, die auf den ersten Blick komplizierter scheint, als sie wirklich ist. Es gibt zwei Disziplinen, die sich nach der Art des Bogens unterscheiden.
Der Recurvebogen ist ein "normaler" Bogen, der mit der Hand aufgezogen wird. Der Compoundbogen hingegen besteht aus drei Sehnen, die durch die zwei am Wurfbogen oben und unten befestigten Rollen eine Art Flaschenzugprinzip bilden. Dadurch verändert sich die Schusstechnik. Denn hierbei fällt ein längeres Zielen einfacher, da nur eine Zugkraft von sechs bis sieben Kilogramm benötigt wird, statt der normalen 15 bis 20 Kilogramm beim Recurvebogen, "so kann man noch genauer treffen".

Eine Wissenschaft für sich


Ein Turnier beginnt mit der Qualifikationsrunde. Alle Teilnehmer schießen gleichzeitig in Zweier bis Vierer-Gruppen in insgesamt zwölf Runden. In vier Minuten werden sechs Pfeile abgeschossen. Im Ringsystem können von innen nach außen zehn bis null Punkte erreicht werden. Die 32 besten der Rangliste qualifizieren sich für die nächste Runde und treten im K.O.-Sytem gegeneinander an, bis der Sieger im Finale ermittelt wird.
Natürlich ist das Ganze auch eine mentale Sache. Es bedarf einer guten Konzentration, um die höchstmögliche Leistung zu bringen. Es gilt "sich vollkommen auf den Schussablauf und den endgültigen Schuss zu fokussieren" und beim Lösen der Sehne Ruhe zu bewahren. Nicht dass der Pfeil womöglich noch abgelenkt wird.
"Die Regeln sind ganz einfach, die Technik ist das Komplizierte", meint Matthias Wagner. Denn der Pfeil bewegt sich im Flug, deswegen müssen Bogen- und Pfeilstärke perfekt aufeinander abgestimmt werden, um Geschwindigkeit und Trefferlage zu optimieren. "Das ist eine Wissenschaft für sich", denn am Ende zählt nur, ob der Pfeil im goldenen Ring steckt.
Doch darin ist Martin Endrizzi ziemlich gut. In den letzten zwei Jahren konnte der Schütze die letzten vier bayerischen Meisterschaften in der Halle und im Freien als Vizemeister für sich entscheiden. Durch die Ranglistenturniere qualifizierte er sich mit 685 von 720 möglichen Ringen für die diesjährige Junioren-EM in Dänemark. Dort erreichte er den 17. Platz. "Olympia ist aber leider kein Thema für mich", bedauert der frischgebackene Abiturient. Denn dort steht nur die Recurve-Disziplin auf dem Programm. Statt heute Nachmittag in London selbst um Medaillen zu kämpfen, wird er die TV-Übertragung auf dem heimischen Sofa verfolgen.
Noch ein Jahr lang kann Endrizzi in der Juniorenklasse den Bogen spannen. In den kommenden Monaten will er deshalb noch einmal alles aus sich herausholen - und endlich den Titel bei den bayerischen Meisterschaften gewinnen. "Beim letzten Mal fehlten mir nur zwei Ringe", sagt der 18-Jährige.