Forchheim
Fans der Gegner

Er glaubt an ein ghanaisches Fußball-Wunder

Vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Ghana haben wir John-Kobina Mensah aus Langensendelbach gefragt: Wie viel ist am Samstagabend für sein Heimatland drin, wenn die "Black Stars" auf die deutsche Elf treffen?
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Schon vor vier Jahren tippte John-Kobina Mensah auf einen 2:1-Sieg für Ghana. Bei den Spielen der "Black Stars" sitzt seine ganze Familie mit den Töchtern Josean und Ireen (links) vor dem Fernseher.  Foto: Hühnlein
Schon vor vier Jahren tippte John-Kobina Mensah auf einen 2:1-Sieg für Ghana. Bei den Spielen der "Black Stars" sitzt seine ganze Familie mit den Töchtern Josean und Ireen (links) vor dem Fernseher. Foto: Hühnlein
23. Juni 2010, 21.46 Uhr: Müller auf rechts bahnt sich seinen Weg mit dem Ball vom Flügel nach innen. Özil steht 20 Meter vor dem Tor bereit. Müller findet Özil, Özil nimmt an, schießt. 60. Minute, Linksschuss, Tor. So lief es am dritten Spieltag der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ab. Nervenaufreibend zog Deutschland vor vier Jahren nach dem 1:0-Sieg über den Vize-Afrikameister ins Achtelfinale ein. Die Südafrikaner auch.

Wie 2010 gegen Ghana

Das Fifa-Los hat entschieden, dass es am Samstag wieder zu einem Aufeinandertreffen der beiden Fußballmannschaften in der WM-Vorrunde kommen wird. Ein paar Unterschiede zum Spiel am 23. Juni 2010 wird es aber geben, zum Beispiel wenn um 21.46 Uhr deutscher Zeit ein Tor fallen sollte, läuft gerade noch die Nachspielzeit der ersten Hälfte.
Eine Situation bleibt aber genau gleich: John-Kobina Mensah aus Langensendelbach traut seinem Heimatland einen Sieg über Deutschland zu.

Der Ghanaer tippte beim Gruppenspiel 2010 auf ein 2:1. Mit einem Sieg für Ghana lag er zwar vom Ergebnis her daneben, ein zähes Spiel wurde es aber trotzdem. Auch in diesem Jahr rät Mensah allen deutschen Fans, die "Black Stars" - das ist der Spitzname der ghanaischen Nationalmannschaft - nicht zu unterschätzen: "Wir können gewinnen."

Fußball schauen muss nicht sein

Seit 1992 lebt der gebürtige Ghanese mit seiner Familie in Langensendelbach. So viel über sein Geburtsland kann er heute gar nicht mehr sagen. Dass Fußball in Afrika eine große Rolle spielt, wird sich aber auch in den letzten 22 Jahren nicht geändert haben: "Ja, Fußball in Ghana ist sehr, sehr, sehr wichtig", sagt er. "Alle schauen zu." Und er selbst? Mensah verfolgt die Spiele in diesen Tagen "ab und zu - ganz nach Lust und Laune." Wenn die Ghanaer auflaufen, dann ist er "natürlich" dabei.

Aber ohne große mentale Vorbereitung, ohne Rituale, ohne ein besonderes Essen. Ganz privat, daheim mit seiner Familie. Eine Sache ist doch noch anders, denn zum Trinken gibt es nicht nur Bier: "In Ghana wird gerne auch mal ein Schnaps zum Fußball getrunken", sagt er. Seine Töchter sind auch keine besonders großen Fußball-Fans: "So wie ich halt." Der 44-Jährige lacht im Gespräch. Immer wieder. Man erkennt schnell, dass er nicht einer von denen ist, die Fußball ganz oben auf der Messlatte ansetzen.

Und trotzdem ist zu unterscheiden, ob Mensah von sich selbst oder von der allgemeinen Bedeutung des Sports in seinem Heimatland spricht. Dann hört es sich nämlich fast ein bisschen so an, als wäre Fußball eine Religion - nicht für ihn als Wahlfranke, aber eben für die Ghanaer.

Kollegen sind gewarnt

"Ghana kann gewinnen. Wenn wir nicht verzweifelt spielen, dann kann alles passieren", sagt Mensah. Er wäre nicht der Erste, der von einem "Fußball-Wunder" träumt - und fest daran glaubt. Seine Arbeitskollegen warnt der "Ab-und-Zu-Fan" zur Sicherheit lieber schon einmal vor, sich des deutschen Sieges selbst nach dem 4:0 Auftakt nicht zu sicher zu sein. Mal sehen, wer von den beiden Lagern am Montag, den 23. Juni 2014, erhobenen Hauptes zur Arbeit kommen darf.
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