Forchheim
ICE-Ausbau

Entscheidung zur Piastenbrücke gefallen: Forchheim sagt kleinlaut Ja zur schmalen Brücke

Der Versuch der Forchheimer Lokalpolitik, die Verkehrsführung auf der Piastenbrücke im Sinne der Radfahrer und Fußgänger zu regeln, ist am Donnerstag eindeutig gescheitert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auch auf der neuen Piastenbrücke wird es keine separaten Fahrradwege geben. Foto: Ronald Heck
Auch auf der neuen Piastenbrücke wird es keine separaten Fahrradwege geben. Foto: Ronald Heck

Das Besondere der Sondersitzung am Donnerstag (19. September 2019): Die meisten Stadträte klopften sich an die eigene Brust. Die Einsicht, dass die Stadt mit ihrem Wunsch, die Piastenbrücke breiter zu planen, um Jahre zu spät kommt, war am Ende fast einmütig.

Wie seit Juni wiederholt berichtet, wird die Piastenbrücke im kommenden Jahr abgerissen und im Zuge des ICE-Ausbaus neu gebaut. Aber der Standard für Radfahrer und Fußgänger auf der Brücke verschlechtert sich; weil ein sogenannter Abkommensschutz gebaut wird, also eine Art Mauer, die bei Unfällen verhindert, dass ein Auto auf die Gleise stürzt.

Kampf um breitere Piastenbrücke begann zu spät

Folge des Abkommensschutzes: Die Brücke fällt um 2,5 Meter zu schmal aus. Bereits im Jahr 2016 hatte der Stadtrat diesen Planungen der Deutschen Bahn zugestimmt. Als den Räten dann vor drei Monaten auffiel, dass die Radfahrer und Fußgänger auf der neuen Brücke schlecht bedient sein würden, begann der Kampf um eine breitere Brücke.

Zwei Planer der Bahn erläuterten am Donnerstag dem Stadtrat, was es bedeuten würde, noch einmal umzuplanen. Die Stadt müsste mindestens 2,7 Millionen Euro in die dann breitere Brücke investieren. Und sie müsste vier Jahre lang gänzlich auf die Piastenbrücke verzichten. Denn die Bahn sei verpflichtet, ihren Zeitplan einzuhalten und werde die alte Piastenbrücke im kommenden Jahr in jedem Fall abreißen, betonte ein Bahn-Sprecher. Die neu zu planende Brücke wäre dann frühestens 2025 fertig.

OB: Finanzierung breiterer Brücke "nicht gerechtfertigt"

"Ich wollte das Thema mindestens mal diskutiert haben." Mit diesem Hinweis signalisierte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) gleich zu Anfang, dass die Forderung an die Bahn, eine breitere Brücke zu finanzieren, aus seiner Sicht "nicht gerechtfertigt" sei.

Dennoch versuchten es Udo Schönfelder (CSU) und Manfred Hümmer (FW) mit einer scharfen Attacke in Richtung Bahn. Eine "inakzeptable Zumutung" sei die DB-Planung, meinte Schönfelder und verglich die Bahn von heute mit dem "preußischen System von 1840". Hümmer erinnerte an die "massiven Benachteiligungen", die die Bahn den Bürgern bereits zugemutet habe.

Paul Nerb (FBF) war am Donnerstag dann der erste Stadtrat, der bei allem "Befremden über die Haltung der Bahn" auch vom "Befremden über uns selber" sprach. So sah es auch Sebastian Körber (FDP): Die Forchheimer Stadtplanung sei nicht durchdacht. Als Reaktion darauf "mit Biegen und Brechen die Ertüchtigung der Piastenbrücke zu fordern, ist einfach absurd".

Annette Prechtel (FGL) meinte, dass die Lokalpolitik schon vor Jahren die hohen städtischen Kosten für eine moderne Piastenbrücke realisiert habe; daher sei auch keine Planung erwogen worden. "Jetzt zu bauen, das wäre sinnlos. Mit dem Geld können wir viel für die Verbesserung des Radwege-Verkehrs tun."

Reinhold Otzelberger (CSU) ärgerte sich, dass "die gültige und sinnvolle Planung der Bahn" in Frage gestellt werde. Und sein Parteikollege Thomas Werner ging noch einen Schritt weiter: "Ich habe größtes Verständnis für die Bahn." Damit die ICE-Strecke "endlich fertig" werde, benötige die Bahn "eine gewisse Pelzigkeit", um sich gegen die ungerechtfertigte Einmischung von Politikern zu wehren.

"Ich nehme Einigkeit wahr, dass wir die Piastenbrücke nicht umplanen wollen", stellte OB Uwe Kirschstein resümierend fest.

Seine Wahrnehmung trog nicht. Die Räte beschlossen einstimmig, an ihrer Entscheidung vom Juni (Brückenbau im Sinne der Planfeststellung mit einer 500 000 Euro-Beteiligung der Stadt) festzuhalten. Kommentar Albert Dorn (FW): "Man könnte den Eindruck haben, der Stadtrat habe geschlafen."

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren