Eggolsheim

Engel, Schwäne und Raupen

Zum 25-jährigen Bestehen ihrer Schule in Eggolsheim bot Raisa Franke mit ihren Tänzerinnen ein tolles Programm.
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Der "Engeltanz" war der emotionale Höhepunkt einer an an Glanzlichtern reichen Aufführung in der Eggerbachhalle. Feri Zarrin
Der "Engeltanz" war der emotionale Höhepunkt einer an an Glanzlichtern reichen Aufführung in der Eggerbachhalle. Feri Zarrin
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Zum 25-jährigen Bestehen der Ballettschule Raisa Franke, der russischen (längst) Eggolsheimerin, die schon am Moskauer Bolschoi-Theater mittanzte, bot die Primaballerina zum ersten Mal in der Eggerbachhalle eine Aufführung ihrer Schülerinnen dar.

Wer Raisa Franke und ihre Hingabe an das Ballett kennt, wusste schon im Vorhinein, dass auch diese Eggolsheimer Aufführung wieder Anspruchsvollstes bieten würde - sowohl auf musikalischer, choreographischer wie ästhetischer Ebene (einschließlich der Kostüme und Dekoration)! Es war obendrein eine Art Generationenaufführung: Von vierjährigen Tänzerinnen bis zu jungen Frauen waren alle Altersstufen vertreten; teilweise traten sogar schon die Töchter der ältesten Schülerinnen Raisa Frankes auf.

So sah man z.B. einige von ihnen als kleine Raupen, die sich - grün gewandet und mit dicken schwarzen Augen auf dem Kopf - nach der Musik von Aram Khachaturian bewegten, und anschließend kauerten und kuschelten sich in entsprechender Kostümierung auch Schlafmützchen nach Giovanni Marradis "Dreams" auf der Bühne.

Rachmaninov bot dann für die etwas Größeren die Musik für eine italienische Polka, Leon Minkus die für die Variation Kitri aus dem Ballett "Don Quixote" und Saint-Saens die für den Tanz der "Fische". Nach Tschaikowsky wurde "Rotkäppchen (und der Wolf)" getanzt. Regelrecht eckig bewegten sich die "Puppen" nach dem "Quintette" von Rene Aubry, während echte Zwillingsschwestern nach den Klängen des (Film-)Komponisten Ludovico Einaudi immer wieder zum Duo in geschmeidigen Bewegungen verschmolzen. Fast grafisch wirkte der Tanz "Aquarelle" von vier jungen Damen in hautengen Ganzkörperanzügen.

Nach einer Pause musste man sich auch als Zuschauer beim Walzer aus dem Ballett "Coppelia" fast mitschwingen, während man bei der "Beryoszka" - einer Darstellung der berühmten Birken der russisch-sibirischen Waldsteppe - fast den Atem anhielt. In rot-weißen langen Kleidern und mit zartgrünen Tüchern in den Händen glitten die Tänzerinnen auf Grund ihrer ganz kleinen Schritte auf halber Spitze wie auf Schienen auf die Bühne und hielten - in diesem Fall bei sehr sanfter russischer Volksmusik - das Ruhige und Elegante der Bewegung aufrecht.

Die Chefin selbst auf der Bühne

Einen herrlichen Kontrast dazu bildete der "Lustige Tanz", der schon eher ironische Züge hatte: ganz bunt gekleidet, umschwärmten viele junge Mädchen einen (im doppelten Sinne!) "Tonangeber", der mit einer Balalaika neben einem Tischchen mit Samowar saß und sich immer wieder Tee einschenkte. Die Mädchen hätten wohl auch gern einen Tee bekommen, aber der Mann nutzte ihre entsprechenden Gesten nur dazu, um selber mit Handküssen verwöhnt zu werden. Dieser "Mann" war die verkleidete Raisa Franke selbst, die schließlich erst vom letzten Mädchen eine selbstbewusste Abfuhr erhielt.

Nicht nur wurde war deutlich, dass die meisten Darbietungen nicht nur Tanz um des Tanzes willen, sondern getanzte Geschichten waren. Als "Gefrorene Rosen" und nach dem Adagio aus "Secret Garden" traten dann hoch elegant drei der ältesten Ballettschülerinnen von Raisa Franke auf und kurz vor dem Schluss der gesamten Tanzdarbietung kam es noch einmal zu einem sehr anrührenden Höhepunkt, der auch vom Zeitpunkt her - 75 Jahre nach der Befreiung des KZs Auschwitz - absolut passte: Vor dem Hintergrund der Filmmusik aus "Schindlers Liste" sah man den "Engeltanz". Es herrschte absolute Stille im Publikum und es waren nicht wenige, die Tränen in den Augen hatten! Der starke Applaus lockerte aber die Atmosphäre wieder und die letzte Darbietung von "Vier Schwänen"- ein leicht parodierender Hand- statt Fußtanz nach Tschaikowskys "Schwanensee" - amüsierte eher noch einmal.

Beim Finale standen nicht nur alle kleinen und großen Tänzerinnen in einem Blumenmeer auf der Bühne, sondern auch (fast) alle Helfer. Lisa Schlund, die älteste Ballettschülerin wiederum - von der Gründung der Schule an dabei - dankte der so beliebten Lehrerin für die 25 Jahre.

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