Forchheim

Ende, Auszeit, aber keine Pause

Wegen Alexandra Seitz und Andreas Woithe wussten die Gäste den Rappen-Keller zu schätzen - 18 Jahre lang. Doch jetzt gehen die Wirtsleute neue Wege.
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Nach 18 Jahren machen Andreas Woithe und Alexandra Seitz Schluss auf dem Rappen-Keller, dessen Zukunft ungeklärt ist. Für die Wirtsleute geht es in Bammersdorf weiter. Fotos: Leo Hühnlein
Nach 18 Jahren machen Andreas Woithe und Alexandra Seitz Schluss auf dem Rappen-Keller, dessen Zukunft ungeklärt ist. Für die Wirtsleute geht es in Bammersdorf weiter. Fotos: Leo Hühnlein
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Ein Septemberabend im Kellerwald. Am Rappen-Keller herrscht reger Betrieb. Wirt Andreas Woithe reicht aus dem kleinen Küchenfenster Teller für Teller mit fränkischen Rouladen samt Blaukraut und Klößen, die er frisch zubereitet hat. Extra für diesen Abend. Fast wie immer. Und doch ist es anders. Denn nach 18 Jahren naht der Abschied für den langjährigen Betreiber des Traditionskellers.

Zufällig anwesende Gäste bekommen kaum etwas mit von der leicht betrübten Stimmung. Dem Servicepersonal - darunter Woithes Lebensgefährtin Alexandra Seitz, mit der er den Keller betreibt - ist ohnehin nichts anzumerken. Lediglich ein paar mit Kreide auf eine Speisentafel geschriebene Sätze weisen auf den Wechsel hin und kündigen einen Neuanfang zum 4. Oktober in Bammersdorf an.

Keine Einigung

Nach und nach trudeln Stammgäste ein, die herzlich begrüßt werden. Sie übergeben Blumen und Erinnerungsgeschenke. Darunter viele Bilder, auf denen vergnügliche Stunden im Kellerwald festgehalten wurden. Die Wirtsleute sind gerührt und kommen erst später am Abend dazu, über die Gründe des Wechsels zu berichten.

Die Entscheidung, den Rappen-Keller aufzugeben, sei nach Gesprächen mit dem Eigentümer Johann Modschiedler gefallen, erklärt Woithe: "Es ging um die von allen Wirten im Kellerwald behördlich verlangten Auflagen zur Anschaffung von Fettabscheidern in Küchen sowie von externen Kühlräumen außerhalb der Sandsteinkeller. Denn Lebensmittel dürfen dort nicht mehr gelagert werden." Für Woithe als Pächter wären dadurch Investitionen in Höhe von etwa 25 000 bis 30 000 Euro nötig gewesen, "die ich alleine nicht hätte stemmen können". Nachdem mit dem Brauereibesitzer keine Einigung zur Kostenübernahme zustande gekommen sei, habe der Rappenwirt schweren Herzens den Entschluss gefasst, das Pachtverhältnis zu beenden.

Alexandra Seitz zieht pragmatisch Bilanz und guckt nach vorne: "Das Baby Rappen-Keller ist 18 Jahre alt geworden und somit volljährig. Nun kümmern wir uns um unser neues Kind." Es wurde auf "Auszeit bei Alex und Andreas" getauft und schon am Freitag, 4. Oktober, wird im ehemaligen Bammersdorfer Sportheim Eröffnung gefeiert.

Was den letzten Ausschlag gegeben hat? "In den Wintermonaten wäre es für unsere Gäste auf dem Rappen-Keller wohl nicht mehr gemütlich gewesen. Es stehen jetzt 13 Kühlgeräte in der Stube, die künftig auch im Winter hätten stehen bleiben müssen", erklärt Seitz. Daher wäre wohl nur noch für 15 Gäste Platz gewesen. Das lauschige Ambiente in der hölzernen Stube zwischen dem wärmenden Ofen und der Theke wäre verloren gewesen, ganz zu schweigen vom Umsatz.

Altbewährtes und neue Ideen

Das neue Lokal "Auszeit" sei "für uns sinnbildlich, um mit dem Keller abzuschließen. Andererseits wollen wir durch dieses Motto unseren Gästen zeigen, dass sie bei uns wie gewohnt Ruhe und Entspannung bei guter Verpflegung bekommen. Für ihre eigene Auszeit vom Alltag", erklärt Seitz.

Das Angebot wird sich zunächst an Altbewährtem orientieren - Abendkarte und sonntags Mittagstisch, das Personal für Service und Küche soll so weit wie möglich gehalten werden. Auch der Schenker Henry Hallmann, der im Keller-Gewölbe ungesehen die wichtigste Arbeit erledigte, wird bald wieder den Anstech-Schlegel schwingen. Im Frühjahr wird vor der benachbarten Grillhütte ein Biergarten realisiert.

Alexandra Seitz erhofft sich zudem mehr Lebensqualität, weil sie nur noch 50 Meter von ihrer Arbeitsstätte entfernt wohnt: "Wir werden weniger Zeitaufwand haben und sind weniger vom Wetter abhängig. Und für mich schließt sich ein kleiner Kreis, denn mein Opa hat einst den Sportplatz mit angelegt."

Und was wird aus dem Rappen-Keller? Die Antwort: keine Rocker-Kneipe

Die Zukunft am Rappen-Keller bleibt spannend. Zuletzt schien - Gerüchten folgend - sogar fraglich, ob er überhaupt künftig öffentlich bewirtet wird. Denn als Nachfolger wurde neben einem Forchheimer Imbiss-Betreiber ein Motorradclub aus Dreuschendorf gehandelt.

Stefan Brand, einer der Sprecher der "Roads" genannten Biker, bestätigte vorige Woche auch Verhandlungen mit Eigentümer Johann Modschiedler von Löwenbräu Buttenheim, wies aber sofort darauf hin, dass er beabsichtige, den Keller "wie bisher" öffentlich zu bewirtschaften.

Die finalen Gespräche blieben nach Auskunft von Modschiedler jedoch ergebnislos. Gründe nannte er nicht. Ihm schwebe inzwischen ohnehin "eine interne Lösung" vor, die er ab sofort verfolge: "In den 60er Jahren waren der Rappen-Keller und der heutige Schaufel-Keller ein einziger Bierkeller. Und wieso sollte das nicht wieder so werden? Hilde Schaufel ist eine der dienstältesten Wirtinnen im Kellerwald. Ihr Gatte Georg und mein Vater Hans haben am 3. Januar 1981 den Vertrag gemacht, somit könnte sie in 15 Monaten ihr 40. Jubiläum feiern", sagt Modschiedler.

Mit Neffen und Nichten von Hilde Schaufel seien bereits einige Gespräche geführt worden, Konkretes habe sich daraus aber noch nicht so schnell entwickelt. Zudem verweist Modschiedler darauf, dass seine Pächterin noch so lange wie möglich weitermachen will: "Der Schaufel-Keller ist das Lebenswerk von Hilde und ihrem verstorbenen Mann. Deswegen wäre die Vereinigung eine ausgezeichnete Lösung."

Er sei zuversichtlich, dass sich diese Idee realisieren lasse, und möchte es zeitnah verkünden. Einen neuen Pächter ausschließlich für den Rappen-Keller schließt Modschiedler nahezu aus: "Ich will keinen anderen mehr haben!"

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