Laden...
Forchheim
Verkehr

Elterntaxis in Forchheim: Ein sicherer Weg ist das Ziel

Autos, die vor Zebrastreifen parken oder enge Straßen blockieren: Vor manchen Forchheimer Schulen spielen sich zu Stoßzeiten chaotische Szenen wegen Elterntaxis ab. Das wollen die Kinder nicht mehr hinnehmen.
Artikel drucken Artikel einbetten
"Elterntaxi geht gar nicht", haben Viertklässler der Adalbert-Stifter-Schule in Forchheim auf große Transparente geschrieben. Foto: Barbara Herbst
"Elterntaxi geht gar nicht", haben Viertklässler der Adalbert-Stifter-Schule in Forchheim auf große Transparente geschrieben. Foto: Barbara Herbst

Zugeparkte Gehwege, Autotüren, die sich plötzlich öffnen, Radfahrer, die Autofahrern ausweichen: Chaos am Morgen vor der Adalbert-Stifter-Schule (AST). Zwei Zebrastreifen, zwei Einfahrten zur Schule und eine enge Kreuzung machen die Situation besonders unübersichtlich.

"Das ist total blöd", sagt eine Viertklässlerin, die gerade mit Freunden über die Straße gehen will. Simone Pferrer kennt die Situation vor Ort gut, ihre vier Kinder besuchen die AST-Schule und die Realschule nebenan. Die Familie wohnt, so wie der Großteil aller AST-Schüler, in der Nähe der Schule. "Meine Kinder kommen immer zu Fuß. Bei Regen gibt es einen Regenschirm", sagt Pferrer.

Sie verstehe natürlich, dass Eltern Angst um ihre Kinder haben. Die Lösung: Die Kinder könnten in Grüppchen laufen, wenn nötig mit einem Erwachsenen als Begleiter. Mit den eigenen Kindern sei sie jeweils das erste halbe Jahr den Schulweg mitgelaufen. "Die Eltern sind Teil des Problems, dass es so gefährlich ist", sagt sie.

Eltern haben Angst um Kind

Vielleicht könnten Schülerlotsen die Situation entschärfen. Schulleiter Martin Horn winkt ab. Die habe es einmal gegeben. Aber es sei nicht einfach, Ehrenamtliche zu finden. Hinter dem ganzen Problem stecke die Angst der Eltern, sagt er. Ein Teufelskreis: Weil die Eltern Angst haben, dass ihrem Kind im Straßenverkehr etwas geschehen könnte, fahren sie den Sprössling zur Schule. "Ein Kind, das im Auto sitzt, kann nicht lernen, wie ich mich im Straßenverkehr verhalte."

Die Schule biete von der ersten (Theorie) bis zur vierten (Praxis) Klasse Verkehrsunterricht an. "Das beste Vorbild sind aber die Eltern", sagt Horn.

Mit einer Aktion gegen Elterntaxis haben Schüler und Lehrer der AST-Schule deshalb nach den Ferien viele Eltern am frühen Morgen überrascht. In Sicherheitswesten und mit Unterstützung der Polizei verteilten sie Flugzettel an Eltern, die ihre Kinder morgens zur Schule bringen.

Die Szenen, die sich kurz vor Schulbeginn an der AST-Schule abspielen, sind kein Einzelfall. "Es staut sich schon", sagt Ingrid Käfferlein, Schulleiterin des Herder-Gymnasiums. Viele Eltern würden sich mit ihren Autos direkt vor dem Haupteingang in der Luitpoldstraße hinstellen; der Verkehr verteile sich aber auch auf die umliegenden Straßen - nicht zuletzt zum Leidwesen der Anwohner. Die unübersichtliche Situation mache das Ganze noch gefährlicher. "Die Kurve zu überqueren, ist fast nicht machbar", sagt sie.

Etwas ruhiger ist die Situation außerhalb Forchheims. Am Gymnasium Fränkische Schweiz

in Ebermannstadt sei "die Lage relativ entspannt", sagt Schulleiter Siegfried Reck. "Keine Gefährdung für die Schüler."

Lösung: "Kiss-and-Ride-Zonen"?

Ein paar Meter weiter, an der Realschule, hat die Schulleitung eine charmante Lösung für die Elterntaxis gefunden: An der Altweiherstraße hinter der Schule wurde eine sogenannte "Kiss-and-Ride-Zone" eingerichtet, eine Haltezone für Elterntaxis, erklärt Kerstin Eichhorn, stellvertretende Schulleiterin.

Konkret handelt es sich dabei um eine größere Parkbucht, in der vier Autos halten können. Ein Halteverbotsschild solle unerlaubte Parker fernhalten. Die "Kiss-and-Ride-Zone" liegt zwischen Lehrerparkplatz und Straße; Schüler, die aus dem Auto steigen, stehen gleich auf dem Gehsteig zur Schule.

Was beim Thema Elterntaxis auffällt: Schulen, die ein großes Einzugsgebiet haben wie in Ebermannstadt, scheinen weniger Probleme mit Elterntaxis zu haben als Schulen, deren Schüler gleich ums Eck wohnen.

Rund 6000 Schüler - der Großteil - sind im Landkreis Forchheim auf den ÖPNV angewiesen, sagt Klaus Hummel, Leiter ÖPNV und Schülerbeförderung am Landratsamt. Nur ein kleiner Teil sei freigestellter Schülerverkehr, also Schüler, die nicht mit dem ÖPNV zur Schule gebracht werden können. Für diese Fälle gibt es eine Sonderbeförderung, sagt Hummel.

In Fällen, in denen sich eine solche Sonderbeförderung nicht lohnen würde, kann es auch vorkommen, dass die Eltern tatsächlich als Fahrer einspringen. Solch einen Fall gebe es momentan in Pretzfeld: Dort müssen die Eltern das Schulkind zumindest bis zur nächsten Haltestelle fahren.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren