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Forchheim
Pädagogik

Eltern in Forchheim legen Karten auf den Tisch

Medienkonsum, Sucht, Erziehungsfragen - der Landkreis Forchheim geht einen neuen Weg, um die pädagogischen Kompetenzen der Eltern zu stärken.
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In einem Gespräch mit Eltern sei ihr klar geworden, dass die Sorge um den Fernsehkonsum der Kinder "kein Alien-Thema ist", sagt Nevil Duman. Sondern dass alle Mütter und Väter vor dem Problem stünden: "Wie lange darf ich mein Kind vor dem Fernseher parken? Und muss ich mich deshalb schlecht fühlen?"

Nevil Duman ist eine von drei Frauen, die sich als Moderatorinnen für den Elterntalk schulen ließen. In 47 bayerischen Kommunen läuft dieses von Familienministerin Schreyer initiierte Elterngespräch bereits.

Und so funktioniert es: Eine Mutter (oder ein Vater) lädt sich eine Moderatorin nach Hause ein. Mindestens vier Eltern sitzen 90 Minuten lang um einen Tisch. Dort werden Karten mit Motiven ausgebreitet, die typische Familiensituationen zeigen. Etwa das Bild einer Mutter, die Wäsche aufhängt, während ihre Kinder auf der Couch sitzen und in den Fernseher schauen. Die Karten dienen als "Auslöser", um ins Gespräch zu kommen.

Katja Franz ist im Landkreis Forchheim die Regionalbeauftragte des Projektes. Wer Moderatorin werden wolle, müsse selbst Mutter sein und müsse "kommunizieren können", sagt Katja Franz: Mit Mona Wirth, Nevil Duman und Raja Al Samman stehen jetzt drei Frauen bereit, die den Elterntalk in verschiedenen Sprachen beherrschen: Arabisch, Deutsch und Türkisch.

Kinder ohne Grenzen

"Eltern tun sich immer schwerer, ihren Kindern Grenzen zu setzen", so die Erfahrung von Dagmar May, Leiterin des Jugendamtes. Der Talk sei eine Chance, "die eigenen Kompetenz zu stärken". Vor allem das Thema Handy stelle die Eltern "vor völlig neue Herausforderungen", meint Jutta Strom-Haensch. Sie ist im Landkreis für "Familienbildung" zuständig und koordiniert den Elterntalk. Fragen zum Thema beantwortet sie per Mail unter jutta.strom-haensch@lra-fo.de.

"Austausch, keine Belehrung" - das sei das Grundprinzip des Elterntalks, sagt Moderatorin Mona Wirth. "Wie macht ihr das?"; das sei die zentrale Frage in den Runden. "Jeder wird mit dem ernst genommen, was er zu sagen hat und lässt sich von den anderen inspirieren. Und jede Frau bringt eine eigene Lösung mit", sagt Wirth. Statt vorschnelle Ratschläge mit nach Hause zu nehmen, werde die Gesprächsrunde bis zu zehn Mal wiederholt.

Raja Al Samman ist die erste aus dem Moderatorinnen-Trio, die den Elterntalk in der Praxis schon erprobt hat. Den vier Müttern aus Syrien und Palästina sei dabei bewusst geworden, wie sehr der Fernsehkonsum ihrer Kinder deren Konzentration beschränke. Man habe sich für einen weiteren Elterntalk verabredet.

Idealerweise kann das Wissen aus den Gesprächsrunden wie in einem Schneeball-System weitergegeben werden. Das geht auch ohne Anleitung. Wer aber selbst moderieren will, kann sich ab 1. September ausbilden lassen. Ansprechpartnerin ist Katja Franz unter katja.franz@awo-forchheim.de.

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