"Forchheim bekommt einen Media-Markt", das ist die Nachricht, die am Donnerstagmorgen die Forchheimer überrascht und schnell zum Gesprächsthema wird. Die Idee nach Forchheim zu kommen, hat der Elektronik-Händler Media-Markt schon länger.

2005 wollte Media-Markt sich bereits in Forchheim ansiedeln. Es wurde damals viel diskutiert. Händler in der Innenstadt wehrten sich, hatten Angst, dass die Neuansiedlung das Geschäft kaputt machen könnte. Auch die Lokalpolitik beschäftigte sich mit dem Thema, der damalige Oberbürgermeister Franz Stumpf (WUO/CSU) führte Gespräche mit der Regierung von Oberfranken und verhandelte mit der Markt-Geschäftsführung. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wurde damit beauftragt, ein Gutachten zu erstellen. Das Ergebnis 2006: Wenn ein Media-Markt nach Forchheim kommt, sind die Weichen auf Wettbewerb gestellt. Und noch deutlicher: auf Verdrängung. Doch davon bekommen die Händler der Innenstadt wenig zu spüren, hieß es damals im Gutachten der GfK.

Auch die FT-Leser taten zur Planung ihre Meinung kund: Fast 500 Leser stimmten online ab; mehr als die Hälfte, nämlich 56 Prozent, waren der Meinung, dass der Markt dem innerstädtischen Handel nützt. 44 Prozent erwarteten einen Schaden für den innerstädtischen Handel.


Im Sande verlaufen

Doch trotz der Prognosen kam es anders: Obwohl der Planungsausschuss 2007 die Grundlage für die Ansiedlung eines Media-Marktes in der Hafenstraße legte, kam der Elektromarkt nicht nach Forchheim. Die Handelskette ließ 2008 schließlich verkünden, dass man "landesplanerische Überlegungen" abwarten müsse. Auf dem ursprünglich für Media-Markt angedachten Areal in der Hafenstraße steht mittlerweile eine Agip-Tankstelle.

Dann war es eine Weile ruhig um Media-Markt in Forchheim. Doch spätestens als der Elektrofachmarkt Alpha-Tecc aus der Globus-Unternehmensgruppe im Dezember 2016 die Türen zusperrte, wurden erste Stimmen laut, dass diese Fläche künftig doch vom Media-Markt genutzt werden könnten.

Als Alpha-Tecc im September 2016 verkündete, schließen zu müssen, waren viele Arbeitsplätze gefährdet. Im Februar 2017 hingen noch immer 29 Mitarbeiter in der Luft, hatten Angst, gekündigt zu werden.

Paul Lehmann, Gewerkschaftssekretär bei Verdi, ist seit Bekanntwerden der Alpha-Tecc-Schließung mit dem Fall betraut und hat für die Angestellten gekämpft. "Die ehemaligen Mitarbeiter von Alpha-Tecc sind heute in einer Transfergesellschaft und nehmen an Weiterbildungsmaßnahmen teil, um fit für den Arbeitsmarkt zu bleiben oder zu werden", erklärt Lehmann. Ob die erfahrenen Elektromarkt-Angestellten eine Chance im neuen Unternehmen haben werden, ist noch offen. "Es würde sich natürlich anbieten, wenn die Leute, die schon in der Elektrobranche Erfahrungen haben, dort wieder eine Beschäftigung finden würden", findet der Gewerkschaftler. Insgesamt sei die gesamte Elektrobranche aber mit Problemen belastet. Nicht nur Alpha-Tecc und Media-Markt hätten da keinen besonders guten Ruf bezüglich des Umgangs mit den Mitarbeitern, weiß Lehmann. "Wir können den Angestellten nur raten, sich dann gewerkschaftlich zu organisieren", sagt er, "nur so können wir eine Mitbestimmung, zum Beispiel über den Betriebsrat, gestalten."

Eine Sprecherin des Konzerns begründet die Standortwahl damit, dass es im Unternehmen schon länger den Plan gebe, im Großraum Nürnberg verstärkt zu expandieren. Man wolle näher am Kunden sein und habe deshalb für kleinere Städte auch kleinere Standorte entwickelt. "In Forchheim setzen wir das allerneuste Konzept um", so die Unternehmenssprecherin, "somit wird der Markt der modernste Media-Markt in ganz Deutschland sein, wenn wir ihn eröffnen." Obwohl die Fläche kleiner ist als in den meisten anderen Läden des Konzerns, garantiere das Unternehmen ein Vollsortiment. Sollte eine Farbe oder Ausführung mal nicht vorhanden sein, so verspricht die Konzernsprecherin, könne dieses an die Filiale geliefert werden.

Media-Markt wird auf 1500 Quadratmetern im Frühsommer 2018 die Räumlichkeiten im Globus-Markt anmieten. "Wir denken, dass das eine enorme Aufwertung des Standorts ist", sagt Ringo Sauer, stellvertretender Marktleiter des Globus-Marktes in Forchheim. 1500 Quadratmeter, das war die gewünschte Größe der großen Elektrokette. 500 Quadratmeter größer war allerdings Alpha-Tecc, der vorher die Fläche genutzt hat. Was mit den verbleibenden 500 Quadratmetern passieren wird, dazu will Sauer momentan noch nichts sagen. "Es gibt einige Gedankenspiele und ich weiß auch, dass da vieles schon im Gespräch war, aber es gibt noch nichts Konkretes." Man hoffe aber, dass im kommenden Jahr dann auch für diese 500 Quadratmeter eine weitere Nutzung gefunden werden könne.