Poppendorf
Drillinge

"Eins geplant, mit drei beschenkt"

Erst war es ein Schock, erzählen Alexandra und Alexander Bräunig aus Heroldsbach. Mittlerweile überwiegt die Freude an den Söhnen Ben, Max und Luca.
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Die Eltern Alexandra und Alexander Bräunig mit ihren Drillingen Ben, Max und Luca (von links).  Foto: Ronald Rinklef
Die Eltern Alexandra und Alexander Bräunig mit ihren Drillingen Ben, Max und Luca (von links). Foto: Ronald Rinklef
Heroldsbach Diesen Moment in der siebten Schwangerschaftswoche werden Alexandra (38) und Alexander Bräunig (36) nie vergessen. Das Paar betrachtete mit der Ärztin das Ultraschallbild. "Es sind zwei", hatte die Frauenärztin gesagt. Und dann sah sie nochmal genauer hin: "Okay, da hat sich noch eines versteckt."
Dann habe Sprachlosigkeit geherrscht, erzählt Alexandra Bräunig. Ihr Mann sei auf einen Stuhl gesunken. "Erstmal war der Schock größer als die Freude", gibt Alexander Bräunig zu.
Und die Entdeckung auf dem Ultraschall-Bild war nicht der letzte Schock. Denn von einem Bamberger Professor erfuhr die werdende Mutter, dass es ein grundsätzliches Risiko sei, Drillinge auf die Welt zu bringen. Die Gefahr, dass eines der Kinder stirbt oder behindert geboren werde, sei groß.
Und so wurde das junge Paar aus dem Heroldsbacher Ortsteil Poppendorf vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt: Der Professor riet ihnen, eines der drei Embryos abzutreiben, damit die anderen beiden eine höhere Lebenswahrscheinlichkeit hätten.


Riskante Monate

Da saßen Alexandra und Alexander Bräunig nun im April 2016 in ihrem Wohnzimmer und stellten sich gegenseitig diese Frage: Kannst Du es mit deinem Gewissen vereinbaren, eines der Kinder abzutreiben? Und sie waren sich einig: Sie würden zu den Kindern stehen, auch wenn sie behindert zur Welt kämen.
Es folgten riskante Monate. Die werdende Mutter litt unter Schwangerschaftsdiabetes und musste die letzten zwölf Wochen liegen. Die Drillinge Max, Ben und Luca kamen in der 32. Woche am 19. September 2016 per Kaiserschnitt auf die Welt.
Ben erlitt einen Lungenriss, die drei lagen wochenlang im Brutkasten. Ihre Mutter verbrachte die Zeit am Rand der körperlichen und psychischen Erschöpfung. "Ich habe mich zum ersten Mal wirklich gefreut, als Ben, Max und Luca ein halbes Jahr alt waren", erzählt Alexandra Bräunig. Auch ihr Mann erinnert sich, dass es Wochen brauchte, bis nach der Geburt Entspannung und Freude aufkam. "Doch jetzt sind wir sehr froh, wie sie sich entwickeln."
An Belastungen fehlt es in der Familie Bräunig weiterhin jedoch nicht. Das Zahnen der Jungs sei eine "Hardcore-Zeit" gewesen, sagt der Familienvater. Und die alltägliche Lage schildert seine Frau so: "Wenn der eine was hat, hat es der andere auch. Wenn einer was will, wollen es die anderen auch. Mit einem einzigen Spielzeug braucht du nie nach Hause kommen."
Immer wieder mal habe er das Gefühl, "nicht jedem gerecht zu werden" sagt Alexander Bräunig: "Es ist eine Mammutaufgabe und ein stetiger Kampf um Aufmerksamkeit."
Glücklicherweise gibt es im Umfeld viele Helfer: Oma und Opa Barbara (65) und Josef Bräunig (66), Schwestern, Brüder, Neffen. Dennoch: Seit September 2016 dreht sich für das junge Paar alles um die Drillinge; ein einziges Mal seit der Geburt fanden sie Zeit, auszugehen. Sobald Alexander Bräunig von seiner Tour als Lkw-Fahrer um 16 Uhr nach Hause kommt, reicht es gerade zum Duschen und Essen. Dann beginnt die Arbeit mit den Kindern. Zeit für Hobbys oder Freunde? "Nicht daran zu denken. "
Mehrlingsgeburten gehören übrigens in beiden Familien zum genetisch begünstigten Programm. Sowohl in der Verwandtschaft von Alexandra, als auch in der von Alexander gibt es jeweils zwei Zwillingspaare.
Ben, Max und Luca haben die Familienplanung des Paars grundsätzlich durcheinander gebracht: "Wir hatten eins geplant und wurden mit drei beschenkt", sagt Alexandra Bräunig. Allmählich habe sie sich daran gewöhnt, sich permanent nach Helfern umzusehen: "Egal ob es zum Arzt geht oder ins Schwimmbad, man braucht immer zwei Personen."


Hoffen auf Unterstützung

Anfangs hatte die Familie eine von der Krankenkasse bezahlte Helferin. Doch insgesamt gebe es kaum Unterstützung, kritisiert Alexander Bräunig. Gerade prüfe das Jugendamt, ob die Kosten für die Krippe ab September übernommen werden. Es sei mühsam gewesen, einen Platz für die drei Buben im Kindergarten St. Michael zu finden, erzählt der Vater. Die Halbtagsbetreuung kostet 450 Euro. Falls das Jugendamt nicht dafür aufkommt, werden die Drillinge die Krippe nicht besuchen. Das kann sich die junge Familie nicht leisten. Der Familienvater ist momentan Alleinverdiener. Sein Gehalt liegt wenige Euro über der sogenannten Erstattungsgrenze. "Das geht ins Geld, die gesamte Ausstattung, alles mal drei." Ein Drillingskinderwagen zum Beispiel koste gebraucht immer noch über 1000 Euro.
"Aber mittlerweile sind wir in das Thema reingewachsen", stellt Alexander Bräunig fest. Ja, stimmt seine Frau zu: "Man macht früh so weiter, wie man abends aufgehört hat. Und ich bin froh, dass ich sie habe, ich würde keins der drei hergeben."


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