Forchheim

Einfahrt der Ernte in Gefahr

1450 Bauern im Kreis Forchheim sorgen sich wegen der Betriebsprämien. Die ganze Wirtschaftsregion könnte leiden, warnt BBV-Bezirkspräsident Greif.
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Eine Fläche von insgesamt rund 22 000 Hektar beackern die Landwirte im Kreis Forchheim. Dieses Ernte-Foto aus dem vergangenen Jahr zeigt ein Feld mit Blick auf Reifenberg. Foto: Andreas Nagengast/Infrankenpix
Eine Fläche von insgesamt rund 22 000 Hektar beackern die Landwirte im Kreis Forchheim. Dieses Ernte-Foto aus dem vergangenen Jahr zeigt ein Feld mit Blick auf Reifenberg. Foto: Andreas Nagengast/Infrankenpix
Der Brexit muss auch die Landwirte in der Region Forchheim beunruhigen. Rund 13 Milliarden Euro fehlen nach dem Austritt der Briten im europäischen Etat. EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger hat angekündigt, dass sich auch die Bauern und Regionen in Deutschland auf Kürzungen einstellen müssen.
Werner Nützel (BBV-Geschäftsführer für Bamberg und Forchheim) warnt vor dem Oettinger-Szenario: Würde die Betriebsprämie um fünf Prozent verringert, wäre das eine "existenzielle Bedrohung" für so gut wie jeden Landwirt. 99 Prozent der Haupt- und Nebenerwerbslandwirte könnten auf diese europäische Förderung nicht verzichten.
Insgesamt 1450 Betriebe im Landkreis Forchheim haben heuer eine Betriebsprämie beantragt; im Landkreis Bamberg sind es 1600 Landwirte, die einen Bauernhof im Haupt- oder Nebenerwerb bewirtschaften und auf die Zahlung der Prämie angewiesen sind. Die Angaben stammen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg.
Würde die jährliche Hektar-Prämie von knapp 300 Euro reduziert, "dann droht vielen Landwirten das Aus", sagt Werner Nützel: "Wer investiert hat und einen Schuldendienst bedienen muss, der hat schnell ein Problem am Hals." Zumal die Bauern seit 2016 mit einem starken Einkommensminus kämpfen müssten: Seitdem, sagt Nützel, "sind die Preise beim Getreide, bei der Milch und beim Fleisch im Keller."
Hermann Greif kämpft an zwei Fronten für den Erhalt der Betriebsprämie - als Landwirt und als oberfränkischer BBV-Bezirkspräsident. Wie Nützel befürchtet Greif, dass die von Oettinger genannten fünf Prozent "nur der Beruhigung dienen". Und dass die Kürzung deutlich höher ausfallen könnte.
Bei einem 100 Hektar-Betrieb mache die jährliche Betriebsprämie von 30 000 Euro "die Hälfte des Einkommens aus", sagt Hermann Greif. Er betont, dass diese EU-Förderung ja nicht einfach mal so gezahlt werde. "Dieses Geld ist ein Ausgleich für kaputt gemachte Preise. Wir haben in Deutschland weltweit die höchsten Auflagen und müssen gleichzeitig mit den Preisen jener Länder konkurrieren, die viel billiger produzieren. Auch ein Forchheimer Bauer muss mit den Weltmarktpreisen mithalten."
Hermann Greif, dessen Großvater schon Bauer war, sagt: "Vor 40 Jahren hat mein Vater 30 bis 40 D-Mark pro 100 Kilo Weizen erhalten. Heute kriegen wir 15 Euro für 100 Kilo. Dafür hätte mich mein Vater ausgelacht. Die Landwirte haben an keiner Preissteigerung seit 40 Jahren teilgenommen."
Als Ausgleich für diese Probleme gebe es diese Betriebsprämie; sie auch nur ansatzweise kürzen zu wollen, empfindet Werner Nützel als Zumutung: Die Landwirtschaft sei das einzige Politfeld in Europa, das seit Jahrzehnten einheitlich geregelt werde. Es gebe weder Zölle, noch irgendeine Form von "Außenschutz", sagt Nützel. Daher müsse nach dem Brexit entweder der EU-Haushalt "umgeschichtet werden" - oder die Mitgliedstaaten müssten "mehr einzahlen".


Fokus auf Familienbetriebe

Die BBV-Landesfachausschüsse haben sich längst in die Diskussion um die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2021 eingeschaltet. Und beispielsweise gefordert, dass der Fokus auf die landwirtschaftlichen Familienbetriebe und auf nachhaltiges Wirtschaften gelegt werden müsse. In einer BBV- Erklärung zur "Evolution der EU-Agrarpolitik" heißt es: "Die Bedeutung der Zulage als Ausgleich für natürliche Benachteiligung wird zunehmen."
Hermann Greif gibt zu bedenken, dass die rund 22 000 Hektar Land, die von den Bauern im Kreis Forchheim beackert werden, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind. Wenn etwa 30 Euro pro Hektar den Sparmaßnahmen zum Opfer fielen, dann sei das eine riesige Summe. "Jeder Euro tut den Landwirten weh, weil er nicht durch besseres Wirtschaften ausgeglichen werden kann. Wenn die Betriebsprämie entfällt, werden das nicht nur die Landwirte spüren, sondern die ganze regionale Wirtschaft."
Daher kämpfe der Bayerische Bauernverband "auf allen Ebenen", sagt Greif. Er wende sich gleichermaßen an die Landtags,- Bundestags- und Europaabgeordneten, um die "in den Kommissionen ausgeheckten Sparpläne" zu verhindern.


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