Poxdorf

Eine fränkische Bilderbuch-Europäerin

Fünf Jahre lang saß Wilmya Zimmermann im Europaparlament und arbeitete dort auch mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz zusammen.
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Inzwischen hat Wilmya Zimmermann ein wenig für ihre eigenen Bedürfnisse.  Fotos: Carmen Schwind
Inzwischen hat Wilmya Zimmermann ein wenig für ihre eigenen Bedürfnisse. Fotos: Carmen Schwind
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Von 1994 bis 1999 war die in Poxdorf lebende Wilmya Zimmermann Mitglied im Europaparlament. Heute geht sie es etwas ruhiger an und findet auch Zeit, sich mit Menschen zu treffen, sich zu unterhalten, zu helfen und Erfahrungen weiterzugeben.

Wilmya Zimmermann stammt von einer Reihe starker Frauen ab, war im Beruf und in der Politik erfolgreich und kennt interessante Menschen wie beispielsweise den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz, der von ihrem Vater beauftragt worden war, dass er gut auf sie aufpassen solle. Sie ist eine fränkische Niederländerin mit belgischen und französischen Ahnen, verheiratet, reist gern und setzt sich nach wie vor für Europa und hilfsbedürftige Menschen ein.


Sozial eingestellt

Geboren ist Wilmya Zimmermann 1944 im niederländischen Heerlen. "Meine Mutter war schwerkrank, deshalb ging in meiner Kindheit alles um ihre Krankheit", erinnert sie sich.
Erst später erkannte Zimmermann, dass ihre Eltern sehr sozial eingestellt waren. Auch ihr Bild vom Vater änderte sich mit den Jahren, denn als Kind empfand sie ihn nicht als sehr männlich. "Ich hatte das Gefühl, er setzt sich nicht durch und hätte mir gewünscht, dass er mal mit der Faust auf den Tisch schlagen würde", erzählt Wilmya Zimmermann.

Erst später erkannte sie, dass der Vater sich beispielsweise sehr für seine Kollegen eingesetzt hatte. Der Vater war ein Deutscher, die Mutter Niederländerin. "Seine Nationalität wechselt man nur, wenn es nicht anders geht", habe ihr Vater einmal gesagt. Er hatte sich 1939 in den Niederlanden "neutralisieren" lassen, denn er war gegen das damalige Regime in Deutschland und wollte dort auch nicht zur Armee gehen.

"Mein Großvater hat in Aachen studiert und ist dreimal in der Woche die 20 Kilometer von Heerlen nach Aachen zu Fuß gelaufen und wieder zurück", berichtet Wilmya Zimmermann. Die Großmutter mütterlicherseits sei sehr energisch gewesen und habe Häuser gebaut.

Eigentlich wollte Wilmya Zimmermann Bauingenieurin werden, doch ihr Vater hatte Bedenken und überredete sie, eine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Assistentin zu machen. Zudem wollte sie schon mit 18 von daheim ausziehen, sie hatte sogar schon ein Zimmer gemietet. Aber da sie ja noch nicht volljährig war, klappte das Ausziehen erst mit 21 Jahren. Sie machte eine Zusatzausbildung an der Uni Nijmegen und arbeitete in einem Labor in Marburg. Hier begann sie mit Gewerkschaftsarbeit und machte den Segelflugschein. Einige Jahre später zog Wilmya Zimmermann nach Erlangen und wurde 1986 an der Uni Vertrauensfrau für ausländische Beschäftigte. Privat machte sie in Herzogenaurach den Motorflugschein. 1988 trat sie der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei.
Früher hätte die Niederländerin ihre Staatsbürgerschaft ablegen und die deutsche annehmen müssen, um für das Europaparlament für Deutschland kandidieren zu können.


Viel gelernt im Parlament

1993 trat dann der Maastrichter Vertrag in Kraft und die Unionsbürgerschaft wurde eingeführt. "Ich wollte auf die Liste, einfach weil ich jetzt das Recht hatte", erzählt Wilmya Zimmermann. Und sie wurde gewählt. "In den fünf Jahren im Europaparlament habe ich viel gelernt", meint Zimmermann. Sie musste erst klären, welche Ausschüsse überhaupt für sie in Frage kämen.

Im Ausschuss für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten arbeitete sie zum Thema Migrations- und Asylpolitik mit Martin Schulz zusammen. "Wir erarbeiteten ein gutes Papier für Einwanderung in die EU", erinnert sich Wilmya Zimmermann. Sie hat sich aber auch für die Rechte von Frauen und Kindern oder Homosexuellen
und Lesben eingesetzt.

Seit ihrem 70. Geburtstag ist sie ruhiger aber nicht untätig geworden. Mit Emmerich Huber beispielsweise wirbt sie bei den "Pulse of Europe"-Kundgebungen für Europa. Und sie hat vor, ganz alt zu werden. "Ich lade schon mal alle Leute zu meinem 100. Geburtstag ein", lacht sie. Wilmya Zimmermann braucht noch Zeit, denn sie will noch viel helfen.

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