Igensdorf
Landwirtschaft

Eine Drohne bringt die Wespen nach Igensdorf

Die Klimaerwärmung begünstigt die Ausbreitung des Maiszünslers. Max Merkl aus Igensdorf hat dem Schädling den Kampf angesagt, ohne zu chemischen Waffen zu greifen.
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Dank der Schädlingsbekämpfung per Drohne ist auf dem Maisfeld von Max Merkl in Igensdorf in wenigen Wochen eine üppige Ernte zu erwarten. Fotos: Barbara Herbst
Dank der Schädlingsbekämpfung per Drohne ist auf dem Maisfeld von Max Merkl in Igensdorf in wenigen Wochen eine üppige Ernte zu erwarten. Fotos: Barbara Herbst
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"Zielgruppenmanager Smart Farming" steht auf der Visitenkarte von Andreas Feser. Der Begriff Smart Farming deutet darauf hin, dass digitale Arbeitsmethoden auch in die Landwirtschaft Einzug gehalten haben. Zum Beispiel bei der Schädlingsbekämpfung. Max Merkl aus Igensdorf ist so ein IT-affiner Landwirt, der in dieser Saison eine "smarte" Herangehensweise erprobt, um eine effektivere Mais-Ernte einfahren zu können.

Denn der Maiszünsler macht sich im Zuge der Klimaerwärmung auch auf den Feldern in Oberfranken breit. Und die Agrar-Industrie bietet eine Lösung an, um den schadhaften Zünsler ohne Chemie zu bekämpfen. Zielgruppenmanager Andreas Feser und Pflanzenberater Christoph Krapp (beide für die Baywa tätig) sind an diesem Nachmittag zum Feld von Max Merkl gekommen, um zu demonstrieren, wie effektiv smart Farming sein kann. Mit dabei ist der Drohnen-Pilot Oliver Reichl. Seine Fähigkeiten, die Drohne zu programmieren und zu fliegen, ist deutschlandweit gefragt; nicht nur in der Landwirtschaft, sondern etwa auch bei Dachinspektionen oder bei Landvermessungen.

Drohne lässt Kugeln regnen

Daher hat Oliver Reichl hat eine Firma gegründet, die "Bayern Drohne". Sein 15 000 Euro teures Flugobjekt ist das Herzstück der Schädlingsbekämpfung. Die Drohne wird mit Tischtennisballgroßen Kugeln aus Zellulose bestückt. In den Zellulose-Kugeln schlummern tausende Schlupfwespen. Sobald sich die Zellulose in der Sonne erwärmt, schlüpfen die Wespen und machen sich über die Eier des Zünsler her. Die winzigen Wespen sind natürliche Gegenspieler des Zünslers. Die Wespe agiert als Parasit, und nutzt das Wirtsei, aus dem sich dann keine Zünslerlarve, sondern ein Schlupfwespe entwickelt.

Vor dem Flug erhält Oliver Reichl die GPS-Daten des Maisfeldes. Er programmiert den Flug so, dass die Drohne 100 Kugeln pro Hektar abwirft. Sechs Minuten benötigt die Drohne, um das 2,4 Hektar große Maisfeld von Max Merkl mit den weißen Kugeln zu bestücken. Im Juli hat Oliver Reichl sein Fluggerät zwei Mal über das Feld schwirren lassen und je 110 000 Schlupfwespen pro Hektar abgeworfen.

"Es wird wärmer, die Insekten werden mehr", sagt Max Merkl. Der 30-Jährige hat sich darauf verlegt, Futtermais anzubauen und Biogas zu gewinnen. Wird der Zünsler nicht bekämpft, bohrt er sich in die Kolben, legt dort seine Larven ab, verunreinigt den Mais und schwächt ihn teilweise so sehr, dass sich die Pflanzen "flach legen". Ernteverluste von bis zu 30 Prozent seien keine Seltenheit, sagt der Landwirt aus Igensdorf. "Beim Körnermais hab ich auch schon einen Totalausfall bei der Ernte gehabt."

Christoph Krapp verweist auf amtliche Versuchsreihen: Die hätten einen 75-prozentige Bekämpfungserfolge belegt. "Das Chemische will die Gesellschaft nicht unbedingt", betont der Pflanzenberater. Allerdings reagieren die oberfränkischen Landwirte noch zögerlich. Maximal drei Prozent hätten sich bislang für eine smarte Schädlingsbekämpfung per Drohne entschlossen, weiß Pflanzenberater Christoph Krapp.

Wie durchschlagend der Drohnen-Einsatz in Igensdorf letztlich sein wird, das kann Max Merkl im Detail erst nach der Mais-Ernte im September sagen. Dort, wo sich der Schädling eingenistet hat, sieht man die mit Bohrmehl verunreinigten Blätter und Kolben. Doch schon jetzt zeige ihm der Gang durchs Feld und sein "Bauch-Gefühl", dass die Zünsler-Bekämpfung aus der Luft funktioniert habe, freut sich Max Merkl. Die Kosten seien akzeptabel: Der Einkauf der Zellulose-Kugeln und der Lohn für den Drohnen-Pilot - alles in allem habe er rund 200 Euro in die Schädlingsbekämpfung investiert. Wer dagegen auf die Zünsler-Bekämpfung verzichtet und einen Ernteausfall riskiert, kann dafür einen vergleichsweise hohen Preis zahlen. Immerhin liegt der Markterlös des Maises bei durchschnittlich 1700 Euro pro Hektar.

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